Welt der Aktien Aktienkurs und Unternehmenswert

Stückpreis, Aktienzahl und Marktkapitalisierung – weshalb ein hoher Aktienkurs wenig über die Bewertung aussagt.

Eine Aktie kostet 20 Euro, eine andere 500 Euro. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die zweite Aktie sei deutlich teurer. Für die Bewertung eines Unternehmens sagt der einzelne Aktienkurs jedoch erstaunlich wenig aus. Entscheidend ist nicht nur, wie viel eine Aktie kostet, sondern vor allem, wie viele Aktien eines Unternehmens überhaupt existieren.

Erst aus dem Zusammenspiel von Aktienkurs und Aktienzahl ergibt sich die Marktkapitalisierung (Börsenwert eines Unternehmens). Sie ist eine der wichtigsten Größen, um börsennotierte Unternehmen miteinander zu vergleichen.

Aktienkurs zeigt nur den Preis eines Anteils

Der Aktienkurs beschreibt den aktuellen Preis für einen einzelnen Unternehmensanteil. Er entsteht an der Börse durch Angebot und Nachfrage. Möchten mehr Anleger kaufen als verkaufen, kann der Kurs steigen. Überwiegt dagegen das Verkaufsinteresse, kann er fallen.

Allein aus der Höhe des Aktienkurses lässt sich aber nicht ableiten, wie groß oder wertvoll ein Unternehmen ist.

Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied:

  • Unternehmen A besitzt 100 Millionen Aktien zu jeweils 50 Euro.
  • Unternehmen B besitzt 10 Millionen Aktien zu jeweils 200 Euro.

Obwohl die Aktie von Unternehmen B viermal so viel kostet, beträgt dessen Börsenwert lediglich zwei Milliarden Euro. Unternehmen A kommt dagegen auf fünf Milliarden Euro.

Der höhere Stückpreis bedeutet also keineswegs automatisch einen höheren Unternehmenswert.

Marktkapitalisierung schafft Vergleichbarkeit

Die Marktkapitalisierung wird berechnet, indem Aktienkurs und Zahl der ausstehenden Aktien miteinander multipliziert werden.

Besitzt ein Unternehmen beispielsweise eine Milliarde Aktien und kostet jede Aktie 100 Euro, ergibt sich ein Börsenwert von 100 Milliarden Euro.

Diese Kennzahl ermöglicht eine grobe Einordnung der Größe börsennotierter Unternehmen. Häufig wird zwischen Large Caps (großen börsennotierten Unternehmen), Mid Caps (mittelgroßen börsennotierten Unternehmen) und Small Caps (kleineren börsennotierten Unternehmen) unterschieden.

Auch die Zusammensetzung vieler Aktienindizes orientiert sich zumindest teilweise an der Marktkapitalisierung. Große Unternehmen können dadurch erheblichen Einfluss auf die Entwicklung eines Index erhalten.

Aktiensplits verändern den Stückpreis

Der einzelne Aktienkurs ist eine leicht sichtbare, aber häufig überschätzte Zahl. Ob eine Aktie 20, 100 oder 500 Euro kostet, sagt wenig darüber aus, wie groß oder attraktiv bewertet das Unternehmen tatsächlich ist. Erst die Zahl der ausgegebenen Aktien macht aus dem Stückpreis einen Unternehmenswert. Die Marktkapitalisierung liefert deshalb eine wesentlich bessere Größenordnung. Für die Frage, ob eine Aktie günstig oder teuer bewertet ist, reicht allerdings auch sie allein nicht aus."

Besonders deutlich wird die begrenzte Aussagekraft des Aktienkurses bei einem Aktiensplit.

Bei einem Aktiensplit (Aufteilung bestehender Aktien in eine größere Zahl von Aktien) kann beispielsweise aus einer Aktie im Wert von 400 Euro vier Aktien zu jeweils 100 Euro werden. Der Aktionär besitzt anschließend mehr Aktien, sein Anteil am Unternehmen bleibt jedoch unverändert.

Auch der Börsenwert des Unternehmens verändert sich allein durch den Split nicht.

Umgekehrt können Unternehmen Aktien zusammenlegen. Dabei sinkt die Zahl der Aktien und der Kurs je Aktie steigt rechnerisch entsprechend. Auch hier entsteht zunächst kein zusätzlicher Unternehmenswert.

Die absolute Höhe eines Aktienkurses ist deshalb zum großen Teil eine Folge davon, wie das Unternehmen seine Aktienzahl im Laufe der Zeit strukturiert hat.

Börsenwert ist nicht gleich Unternehmenssubstanz

Auch die Marktkapitalisierung darf nicht mit dem tatsächlichen materiellen Wert eines Unternehmens verwechselt werden. Sie spiegelt den Preis wider, den Anleger aktuell für sämtliche Aktien zusammen zahlen würden.

In diesem Preis stecken Erwartungen über zukünftige Gewinne, Wachstum, Wettbewerb und Risiken. Zwei Unternehmen mit ähnlich hohen Umsätzen können deshalb sehr unterschiedliche Börsenwerte besitzen.

Besonders bei stark wachsenden Unternehmen sind Anleger mitunter bereit, hohe Preise für erwartete zukünftige Erträge zu zahlen. Bei Unternehmen mit schwachen Wachstumsaussichten kann dagegen selbst ein profitables Geschäft vergleichsweise niedrig bewertet werden.

Der Börsenwert ist damit weniger eine Bestandsaufnahme vorhandener Fabriken, Immobilien oder Maschinen als vielmehr eine laufende Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft.

Hoher Kurs bedeutet nicht automatisch hohe Bewertung

Auch für Anleger ist die Unterscheidung wichtig. Eine Aktie zu 20 Euro kann gemessen an den Unternehmensgewinnen sehr teuer sein, während eine Aktie zu 500 Euro vergleichsweise günstig bewertet sein kann.

Für solche Vergleiche werden weitere Kennzahlen herangezogen. Bekannt ist beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV (Verhältnis zwischen Aktienkurs und Gewinn je Aktie). Es setzt den Kurs ins Verhältnis zum erwirtschafteten Gewinn und ermöglicht damit eine andere Betrachtung als der reine Stückpreis.

Doch auch solche Kennzahlen liefern keine endgültige Antwort. Branchen, Wachstumsaussichten, Verschuldung und Geschäftsrisiken müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Veränderungen wirken sofort auf den Börsenwert

Steigt der Aktienkurs eines Unternehmens bei unveränderter Aktienzahl um zehn Prozent, erhöht sich grundsätzlich auch seine Marktkapitalisierung um zehn Prozent. Das Unternehmen besitzt deshalb nicht plötzlich zehn Prozent mehr Fabriken, Patente oder Bargeld.

Vielmehr bewerten die Anleger dessen Zukunftsaussichten höher.

Dasselbe gilt in die andere Richtung. Starke Kursverluste können innerhalb weniger Tage Milliarden an Börsenwert verschwinden lassen, obwohl das operative Geschäft zunächst kaum verändert ist.

Fazit

Der einzelne Aktienkurs ist eine leicht sichtbare, aber häufig überschätzte Zahl. Ob eine Aktie 20, 100 oder 500 Euro kostet, sagt wenig darüber aus, wie groß oder attraktiv bewertet das Unternehmen tatsächlich ist.

Erst die Zahl der ausgegebenen Aktien macht aus dem Stückpreis einen Unternehmenswert. Die Marktkapitalisierung liefert deshalb eine wesentlich bessere Größenordnung. Für die Frage, ob eine Aktie günstig oder teuer bewertet ist, reicht allerdings auch sie allein nicht aus.

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