Wie kein anderer hat Kostolany das Bild vom Geschehen an den Finanzmärkten geprägt

Serie Zur Person: Der ungarische Börsenguru André Kostolany

Auch bald achtzehn Jahre nach seinem Tod ist Börsenlegende André Kostolany unvergessen. Wie kein anderer hat der Spekulant, Schriftsteller, Journalist und Entertainment-Profi das Bild vom Geschehen an den Finanzmärkten geprägt. Er verstand es dabei, sein "richtiges" Gespür mit philosophischen Erkenntnissen zu verbinden.

André Bartholomew Kostolany wurde am 9. Februar 1906 in Budapest noch in eine ganz andere Welt geboren. Es waren die letzten Jahren der k.u.k-Monarchie vor dem Ersten Weltkrieg. Eine Zeit großer wirtschaftlicher Prosperität und rasanten technischen Fortschritts mit politischen Turbulenzen. Kostolany wuchs in begüterten Verhältnissen als viertes Kind eines jüdischen Industriellen auf. Börsenmakler stand nicht unbedingt auf der Wunschliste seines Lebens.

Autorenbox (bitte nicht verändern)

Zu 51 Prozent erfolgreich, zu 49 Prozent pleite

Er wollte Kunstkritiker werden und begann zunächst, Philosophie und Kunstgeschichte zu studieren. Als er ab 1924 eine Lehre bei einem französischen Börsenmakler in Paris anfing, folgte er damit eher den Vorstellungen seines Vaters als seinen eigenen Neigungen. Nachdem er dort die Ausbildung absolviert hatte, sammelte er erste Erfahrungen an der Börse und spekulierte bereits erfolgreich.

Dann endeten die Börsenträume jäh. 1940 musste Kostolany aus Paris fliehen, als die Deutschen Frankreich erobert hatten. Seine jüdische Herkunft brachte ihn in Lebensgefahr. 

Über Spanien gelangte er in die USA, wo er nach Erhalt der amerikanischen Staatsbürgerschaft ein Finanzunternehmen leitete. Rund zehn Jahre hielt es ihn in dieser Position, doch einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er wieder nach Paris zurück. Seinen wohl größten Börsenerfolg erlebte er in dieser Zeit mit deutschen Auslandsanleihen. 

Kostolany glaubte an den deutschen Wiederaufstieg, als andere das Land noch vornehmlich in Ruinen sahen. Das Investment bescherte ihm phantastische Gewinne. Dabei war Kostolany keineswegs immer erfolgreich.

Seine Börsenengagements brachten ihm auch herbe Verluste und er bekannte offen, einige Male de facto bankrott und hoch verschuldet gewesen zu sein. Bei seinen Spekulationen habe er zu 51 Prozent gewonnen und zu 49 Prozent verloren - die Differenz sei eine gute Lebensgrundlage gewese

An der Börse zählt die Psychologie 

Berühmt ist Kostolany aber vor allem für seine philosophischen Börsenweisheiten, die er in unzähligen Publikationen, Seminaren und öffentlichen Auftritten verbreitet hat. Börse war für ihn mehr Psychologie als ökonomische Mechanik - das prägte sein Börsen-Denken und Handeln.

Es gibt zahllose Zitate und Börsenweisheiten von ihm, die oft mit einem guten Schuss Ironie gewürzt sind und wegen ihrer Bildhaftigkeit in Erinnerung bleiben.

Nur ein Beispiel unter vielen: "Wenn es keine Narren auf der Welt gäbe - was wäre die Welt ... und erst die Börse?

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