Der Bundestag im Gesetzgebungsverfahren

Honorarberatung in Deutschland Beratung gegen Honorar

Genau vor einem Jahr sind wesentliche Vorschriften des Honoraranlageberatungsgesetzes in Kraft getreten. Damit wurden erstmals die gesetzlich geschützten Berufsbezeichnungen "Honoraranlageberater" und "Honorar-Finanzanlagenberater" geschaffen. Das Gesetz sollte seinerzeit wichtige Impulse für mehr Honorarberatung hierzulande setzen.

Gut zwölf Monate danach fällt die Bilanz allerdings eher verhalten aus. Bisher haben nur wenige Finanzberater von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich als "Honorarberater" registrieren zu lassen. Die provisionsbasierte Finanzberatung ist nach wie vor das verbreitete Modell. Damit scheinen sich Befürchtungen von Skeptikern zu bestätigen, die bezweifelt hatten, dass Kunden in größerem Umfang bereit sein würden, Honorarberatung zu nutzen, wenn doch die scheinbar kostenlose Alternative Provisionsberatung weiterhin zur Verfügung steht.

Bisher nicht sehr verbreitet

Noch ist es sicher zu früh für eine endgültige Bewertung. Denn solche Neuerungen brauchen erfahrungsgemäß Zeit, um sich durchzusetzen. Dass die Beratung gegen Honorar eine wesentliche Voraussetzung für Unabhängigkeit und damit letztlich auch Qualität ist, wird dabei nicht bestritten. Der Gesetzgeber arbeitet sogar daran, weitere Bereiche der Honorarberatung zugänglich zu machen.

So sieht ein von der Bundesregierung kürzlich verabschiedeter Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Wohnimmobilienkredit-Richtlinie die Einführung des Honorar-Immobiliardarlehensberaters vor und auch im Versicherungsbereich wird offenbar über eine entsprechende (verbesserte) Regelung des Versicherungsberaters nachgedacht. Dennoch stößt die Honorarberatung in Deutschland immer noch auf Hemmnisse. 

Mangelnde Transparenz und einseitige Benachteiligung 

Dem Verbraucher dürfte die feine Differenzierung zwischen Honoraranlageberatern, Honorar-Finanzanlagenberatern und Honorar-Immobiliardarlehensberatern kaum begreiflich zu machen sein. Die Unterscheidung nach Produktbereichen ist ohnehin ein Manko. Denn Beratung und erst recht Honorarberatung sollte grundsätzlich ganzheitlich angelegt sein und alle Arten von Finanzprodukten umfassen.

Zur Verwirrung trägt zusätzlich bei, dass der Begriff "Honorarberatung" an sich nicht geschützt ist und daher auch von Anbietern genutzt werden kann, die die gesetzlichen Vorgaben gar nicht erfüllen. Hier besteht Nachbesserungsbedarf. Auch in steuerlicher Hinsicht sind die beiden Modelle bisher nicht gleichgestellt. Diese einseitige Bevorzugung  der umsatzsteuerfreien Provisonsberatung ist sachlich nicht gerechtfertigt und belastet die Verbreitung honorarbasierter Beratung. Die eigentliche Absicht der Verbraucherpolitik wir damit konterkariert. 

Der Gesetzgeber arbeitet daran, weitere Bereiche der Honorarberatung zugänglich zu machen."

Positive Erfahrungen in Großbritannien 

Andere Länder sind da schon weiter. In Großbritannien besteht bereit seit 2013 ein grundlegendes Provisionsverbot bei Investment- und Vorsorgeprodukten. Die Erfahrungen damit sind überwiegend positiv. Es kam im Vereinigten Königreich nicht zu einem massenhaften Beratersterben und die Qualitätsstandards in der Beratung haben sich Untersuchungen zufolge seither verbessert.  

Dafür hat sich der Markt stärker ausdifferenziert. Neben Beratungsangeboten konnten sich mittlerweile viele Online-Plattformen erfolgreich platzieren, die sich auf reinen Produktverkauf beschränken. Ähnliches könnte irgendwann auch in Deutschland passieren.

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