Niemand kennt den besten Kaufzeitpunkt Der Einstieg entscheidet alles

Der perfekte Zeitpunkt scheint entscheidend zu sein.

Kaum eine Frage beschäftigt Anleger so sehr wie der richtige Einstiegszeitpunkt. Täglich wird darüber diskutiert, ob die Kurse noch zu hoch sind, ob eine Korrektur bevorsteht oder ob der nächste Börsenaufschwung bereits begonnen hat. Viele verschieben ihre Anlageentscheidung deshalb immer wieder - in der Hoffnung, den perfekten Moment zu erwischen.

Die Börsenweisheit "Der Einstieg entscheidet alles" klingt zunächst überzeugend. Schließlich macht es einen Unterschied, ob eine Aktie für 80 Euro oder für 100 Euro gekauft wird. Trotzdem führt diese Sichtweise viele Anleger in die falsche Richtung.

Ein guter Einstieg hilft - entscheidet aber selten allein

Natürlich beeinflusst der Kaufpreis den späteren Anlageerfolg. Wer günstiger kauft, erzielt bei gleichem Verkaufspreis eine höhere Rendite. Der Einstiegszeitpunkt ist deshalb keineswegs bedeutungslos.

Ein Beispiel zeigt jedoch, wie stark der Anlagehorizont die Bedeutung des Einstiegs verändert.

Anleger A investiert 20.000 Euro kurz vor einem Börsenrückgang und verliert zunächst 20 Prozent. Sein Depot ist vorübergehend nur noch 16.000 Euro wert.

Anleger B wartet auf den vermeintlich perfekten Zeitpunkt und steigt ein Jahr später ein.

Entwickeln sich die Börsen anschließend über viele Jahre positiv, kann Anleger A trotz seines schlechten Starts am Ende die höhere Rendite erzielen. Sein Geld hatte schlicht mehr Zeit, für ihn zu arbeiten.

Der Zeitfaktor wird deshalb häufig unterschätzt.

Niemand erkennt dauerhaft den besten Kaufzeitpunkt

Im Nachhinein sieht jede Börsenentwicklung logisch aus. Rückblickend lässt sich leicht erkennen, wann die Kurse besonders niedrig oder besonders hoch waren. In der Realität kennt jedoch niemand die Zukunft.

Selbst erfahrene Fondsmanager und professionelle Investoren schaffen es nur selten, den optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt dauerhaft richtig zu treffen.

Deshalb sollten Anleger vorsichtig werden, wenn Aussagen wie diese auftauchen:

  • "Jetzt ist der perfekte Einstiegszeitpunkt."
  • "In wenigen Wochen werden die Kurse deutlich fallen."
  • "Nach dieser Krise lohnt sich das Investieren noch nicht."

Solche Prognosen können zufällig richtig sein. Verlässlich funktionieren sie jedoch nicht.

Regelmäßiges Investieren nimmt den Zeitdruck

Investieren Sie erst dann, wenn Ihre finanzielle Grundlage steht, und geben Sie Ihrem Geld anschließend möglichst viel Zeit. Niemand muss den perfekten Einstieg finden, um erfolgreich Vermögen aufzubauen. Viel wichtiger ist eine Strategie, die Sie auch in unsicheren Börsenphasen durchhalten können."

Viele Privatanleger lösen das Problem des Einstiegs mit einem Sparplan. Dabei wird Monat für Monat derselbe Betrag investiert - unabhängig von den aktuellen Kursen.

Ein einfaches Beispiel:

Eine Anlegerin investiert jeden Monat 300 Euro in einen weltweit anlegenden ETF. Sind die Kurse hoch, kauft sie weniger Anteile. Fallen die Kurse, erhält sie für denselben Betrag mehr Anteile. Über viele Jahre entsteht dadurch ein durchschnittlicher Kaufpreis, ohne dass ständig über den richtigen Einstiegszeitpunkt nachgedacht werden muss.

Auch größere Einmalanlagen müssen deshalb nicht bis auf den letzten Tag optimiert werden. Oft ist es sinnvoller, überhaupt zu investieren, als jahrelang auf den vermeintlich perfekten Moment zu warten.

Zeit schlägt Timing

Die Börsenweisheit "Der Einstieg entscheidet alles" enthält einen wahren Kern. Ein günstiger Kaufpreis verbessert die Rendite. Langfristig verliert dieser Vorteil jedoch häufig an Bedeutung, weil andere Faktoren deutlich stärker wirken: die Entwicklung der Unternehmen, die Dauer der Geldanlage und vor allem die Geduld des Anlegers.

Viele Menschen verbringen Monate oder sogar Jahre damit, auf niedrigere Kurse zu warten. Währenddessen bleibt ihr Geld unverzinst auf dem Konto und arbeitet nicht für sie. Wird schließlich doch investiert, liegen die Kurse oft höher als zu Beginn des Wartens.

Die bessere Lebensregel lautet deshalb: Investieren Sie erst dann, wenn Ihre finanzielle Grundlage steht, und geben Sie Ihrem Geld anschließend möglichst viel Zeit. Niemand muss den perfekten Einstieg finden, um erfolgreich Vermögen aufzubauen. Viel wichtiger ist eine Strategie, die Sie auch in unsicheren Börsenphasen durchhalten können. Denn langfristig entscheidet nicht der perfekte Start über den Anlageerfolg, sondern die Konsequenz, mit der Sie Ihren Weg weitergehen.