Der Iran-Konflikt zeigt, wie eng Geopolitik, Energiepreise, Inflation und Anleihemärkte miteinander verbunden sind

Anleihe-Experten Europas Bondmärkte könnten die USA abhängen

Warum Eurozonen-Anleihen und Schwellenländerbonds wieder stärker in den Blick rücken.

Die globalen Anleihemärkte stehen unter dem Eindruck neuer geopolitischer Risiken. Der Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA belastet nicht nur die politische Lage, sondern auch Energiepreise, Inflationserwartungen und Zinsmärkte. Besonders die Straße von Hormus steht dabei im Fokus. Über diese wichtige Schifffahrtsroute wird ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports abgewickelt.

Nach Einschätzung von Jupiter Asset Management könnten sich daraus neue Chancen an den Rentenmärkten ergeben. Rentenmärkte sind Märkte für verzinsliche Wertpapiere, also vor allem Anleihen. Die Fondsmanager Ariel Bezalel und Harry Richards sehen derzeit vor allem Eurozonen-Anleihen und Schwellenländeranleihen in Lokalwährung interessant. US-Staatsanleihen erscheinen ihnen dagegen kurzfristig weniger attraktiv.

Geopolitik verändert Zinsmärkte

Anleihemärkte reagieren sensibel auf politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Steigende Ölpreise können die Inflation erhöhen. Höhere Inflation wiederum erschwert Zinssenkungen durch Notenbanken.

Gleichzeitig wächst in Krisenzeiten oft die Nachfrage nach sicheren Anlagen. Diese Kräfte wirken nicht immer in dieselbe Richtung.

Der Iran-Konflikt verstärkt genau diese Unsicherheit. Kommt es zu einer Deeskalation, könnten sich Inflationssorgen abschwächen. Dauert der Konflikt an, bleiben Energiepreise und Risikoprämien stärker unter Druck. Für Anleiheinvestoren entsteht dadurch ein Umfeld, in dem regionale Unterschiede wichtiger werden.

Jupiter spricht deshalb von asymmetrischen Chancen. Gemeint ist ein Verhältnis, bei dem mögliche Gewinne und mögliche Risiken nicht gleich verteilt sind. Einige Märkte könnten von einer Entspannung stärker profitieren, während andere bereits weniger Spielraum besitzen.

USA mit begrenztem kurzfristigem Potenzial

US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicherer Hafen. Dennoch sehen die Jupiter-Manager dort kurzfristig nur begrenztes Potenzial. Der Grund liegt vor allem in der robusten US-Wirtschaft. Investitionen in künstliche Intelligenz stützen weiterhin Wachstum und Unternehmensaktivität. Gleichzeitig könnten höhere Energiepreise die Inflation länger hoch halten.

Für die US-Notenbank Fed bedeutet das Zurückhaltung. Zinssenkungen werden schwieriger, wenn die Inflation nicht ausreichend nachlässt. Bleiben Leitzinsen länger hoch, begrenzt das häufig den Kursanstieg bestehender Anleihen. Denn Anleihekurse steigen besonders dann, wenn Marktzinsen fallen.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: US-Staatsanleihen bleiben wichtig, sind aber nicht automatisch die chancenreichste Region. Gerade kurzfristig kann ein stabiler, aber zäher Zinsausblick die Entwicklung begrenzen.

Europa mit anderem Ausgangspunkt

Der Iran-Konflikt zeigt, wie eng Geopolitik, Energiepreise, Inflation und Anleihemärkte miteinander verbunden sind. Nach Einschätzung von Jupiter Asset Management könnten Eurozonen-Anleihen derzeit interessanter sein als US-Staatsanleihen, weil Europa konjunkturell schwächer ist und stärker von einer Entspannung profitieren könnte."

In Europa sieht die Lage anders aus. Die Konjunktur ist schwächer, viele Volkswirtschaften hängen stärker von Energieimporten ab. Dadurch sind sie anfälliger für Preisschocks. Gleichzeitig haben Europäische Zentralbank und Bank of England weniger Spielraum für zusätzliche Straffungen, wenn das Wachstum bereits schwach bleibt.

Das kann Eurozonen-Anleihen interessanter machen. Besonders das kurze und mittlere Ende der Zinskurve rückt in den Blick. Die Zinskurve zeigt, welche Renditen Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten bieten. Kurze und mittlere Laufzeiten reagieren oft besonders stark auf Erwartungen zur Geldpolitik.

Mögliche Gründe für Chancen in Europa sind:

  • schwächere Konjunkturdaten als in den USA,
  • geringerer Spielraum für weitere Zinserhöhungen,
  • mögliche Kursgewinne bei nachlassenden Inflationssorgen,
  • attraktive Renditen im kurzen und mittleren Laufzeitbereich,
  • stärkere Wirkung einer geopolitischen Entspannung.

Kommt es zu einer Deeskalation, könnten Eurozonen-Anleihen nach Einschätzung von Jupiter besser abschneiden als US-Papiere.

Schwellenländer in Lokalwährung

Zusätzlich hebt Jupiter Schwellenländeranleihen in Lokalwährung hervor. Schwellenländeranleihen sind Anleihen von Staaten oder Unternehmen aus aufstrebenden Volkswirtschaften. Lokalwährung bedeutet, dass die Anleihen nicht in US-Dollar oder Euro, sondern in der jeweiligen Landeswährung ausgegeben werden.

Besonders Lateinamerika steht im Fokus. Länder wie Brasilien und Mexiko bieten nach Einschätzung der Fondsmanager hohe Realrenditen. Realrendite bedeutet Rendite nach Abzug der Inflation. Zudem gelten die makroökonomischen Rahmenbedingungen dort teilweise als stabiler als in früheren Zyklen. Die geografische Entfernung zum Nahostkonflikt kann zusätzlich als Vorteil gesehen werden.

Für Anlegerinnen und Anleger bleiben solche Anlagen jedoch anspruchsvoll. Neben Zins- und Bonitätsrisiken kommt das Währungsrisiko hinzu. Wenn die lokale Währung gegenüber dem Euro fällt, kann ein Teil der Rendite verloren gehen. Deshalb eignen sich solche Anleihen eher als gezielte Beimischung, nicht als einfacher Sicherheitsbaustein.

Einordnung für private Anleger

Die Einschätzungen von Fondsmanagern können Orientierung geben, ersetzen aber keine persönliche Anlagestrategie. Anleihen unterscheiden sich stark nach Laufzeit, Währung, Schuldnerqualität und Zinsstruktur. Ein europäischer Staatsanleihefonds ist etwas anderes als ein Schwellenländerfonds in Lokalwährung.

Für private Anlegerinnen und Anleger sind vor allem drei Fragen wichtig:

  • Welche Rolle sollen Anleihen im Depot übernehmen: Stabilität, Ertrag oder Chance?
  • Welche Laufzeiten passen zur eigenen Risikobereitschaft?
  • Sind Währungsrisiken bewusst gewollt oder eher zu vermeiden?

Gerade in volatilen Zeiten sollten Anleihen nicht nur nach der höchsten Rendite ausgewählt werden. Hohe Renditen können attraktiv sein, weisen aber oft auch auf höhere Risiken hin.

Fazit

Der Iran-Konflikt zeigt, wie eng Geopolitik, Energiepreise, Inflation und Anleihemärkte miteinander verbunden sind. Nach Einschätzung von Jupiter Asset Management könnten Eurozonen-Anleihen derzeit interessanter sein als US-Staatsanleihen, weil Europa konjunkturell schwächer ist und stärker von einer Entspannung profitieren könnte.

Auch Schwellenländeranleihen in Lokalwährung, vor allem aus Lateinamerika, rücken in den Blick. Sie bieten Chancen durch hohe Realrenditen, bringen aber zusätzliche Währungs- und Länderrisiken mit sich.

Für Anlegerinnen und Anleger bleibt entscheidend, Anleihen nicht pauschal zu betrachten. Laufzeit, Währung, Bonität und Depotfunktion müssen zusammenpassen. Europas Bondmärkte könnten die USA in bestimmten Szenarien tatsächlich abhängen. Das macht sie interessant, aber nicht automatisch risikolos.