Neue Fondswelt Faktor-Fonds – Rendite nach System

Wie regelbasierte Anlagestrategien funktionieren und weshalb sich hinter einfachen Begriffen komplexe Konzepte verbergen.

Viele Anlegerinnen und Anleger kennen inzwischen ETF (börsengehandelte Indexfonds), die einen bekannten Aktienindex wie den DAX oder den MSCI World möglichst genau nachbilden. Bei diesen Fonds entscheidet in erster Linie die Größe eines Unternehmens über dessen Gewichtung im Index. Je höher der Börsenwert eines Unternehmens, desto größer ist in der Regel sein Anteil.

Von der klassischen Indexanlage zur systematischen Auswahl

Faktor-Fonds verfolgen dagegen einen anderen Ansatz. Sie investieren nicht ausschließlich nach Unternehmensgröße, sondern nach bestimmten Eigenschaften, sogenannten Faktoren. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass einzelne Merkmale langfristig mit höheren Renditen oder geringeren Risiken verbunden sein können.

Faktor-Fonds versuchen deshalb, diese Eigenschaften gezielt für den Vermögensaufbau zu nutzen. Die Auswahl der Unternehmen erfolgt nicht nach dem Bauchgefühl eines Fondsmanagers, sondern nach vorher festgelegten Regeln und mathematischen Modellen.

In den vergangenen Jahren hat sich diese Form der Geldanlage stark verbreitet. Heute bieten nahezu alle großen Fondsgesellschaften entsprechende Produkte an.

Regelbasierte Strategien statt klassischer Indexnachbildung

Im Mittelpunkt eines Faktor-Fonds steht die Frage, welche Eigenschaften Unternehmen besitzen sollen. Je nach Strategie werden bestimmte Merkmale bevorzugt, während andere Unternehmen geringer gewichtet oder ganz ausgeschlossen werden.

Zu den bekanntesten Faktoren gehören:

  • Value (Unterbewertung): Unternehmen erscheinen im Verhältnis zu ihren Gewinnen oder Vermögenswerten günstig bewertet.
  • Momentum (Trendstärke): Aktien mit zuletzt besonders guter Kursentwicklung werden bevorzugt.
  • Quality (Qualität): Unternehmen verfügen über stabile Gewinne, geringe Verschuldung oder hohe Kapitalrenditen.
  • Size (Unternehmensgröße): Kleinere Unternehmen werden stärker berücksichtigt.
  • Minimum Volatility (geringe Schwankungen): Aktien mit niedrigeren Kursschwankungen erhalten ein höheres Gewicht.

Viele Fonds kombinieren inzwischen mehrere Faktoren miteinander. Solche sogenannten Multifaktor-Fonds (Fonds mit mehreren Auswahlkriterien) sollen die Vorteile verschiedener Ansätze miteinander verbinden.

Der eigentliche Anlageprozess erfolgt dabei weitgehend automatisiert. Algorithmen (festgelegte Rechen- und Entscheidungsregeln) überprüfen regelmäßig, welche Unternehmen die gewünschten Eigenschaften erfüllen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse prägen die Produktentwicklung

Die Idee der Faktorinvestments ist keineswegs neu. Bereits seit mehreren Jahrzehnten beschäftigen sich Finanzwissenschaftler mit der Frage, warum einzelne Aktien langfristig besser abschneiden als andere.

Dabei zeigte sich, dass bestimmte Eigenschaften über lange Zeiträume hinweg häufig mit höheren Erträgen verbunden waren. Diese Zusammenhänge werden als Faktorprämien bezeichnet. Gemeint ist damit ein möglicher Renditevorteil, der sich aus bestimmten Unternehmensmerkmalen ergeben kann.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass jeder Faktor jederzeit funktioniert. Einzelne Strategien können über viele Jahre hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben. So gab es beispielsweise längere Phasen, in denen günstig bewertete Unternehmen deutlich schlechter abschnitten als große Wachstumsunternehmen.

Gerade diese Phasen stellen Anleger häufig vor Herausforderungen. Wer sich für Faktor-Fonds entscheidet, benötigt daher Geduld und die Bereitschaft, auch längere Schwächeperioden auszuhalten.

Komplexe Konzepte erfordern ein gutes Verständnis

Faktor-Fonds zeigen eindrucksvoll, wie stark sich die Fondswelt verändert hat. Zwischen klassischen Indexfonds und aktiv gemanagten Fonds ist eine neue Produktgruppe entstanden, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit regelbasierten Anlageprozessen verbindet."

Faktor-Fonds werden häufig als einfache Möglichkeit dargestellt, die Rendite klassischer ETF zu verbessern. Ganz so unkompliziert ist die Realität jedoch nicht.

Bereits die Auswahl des passenden Faktors ist anspruchsvoll. Unterschiedliche Anbieter verwenden teilweise verschiedene Definitionen für dieselben Faktoren. Zwei Quality-Fonds können deshalb ein deutlich unterschiedliches Portfolio enthalten.

Hinzu kommen weitere Besonderheiten:

  • einzelne Faktoren können über Jahre enttäuschen
  • höhere Umschichtungen führen häufig zu höheren Kosten
  • die Strategien sind häufig weniger transparent als klassische ETF
  • eine starke Konzentration auf bestimmte Branchen oder Regionen ist möglich

Viele Anleger unterschätzen zudem die psychologische Herausforderung. Wer jahrelang hinter einem breiten Weltindex zurückbleibt, zweifelt schnell an der gewählten Strategie und beendet das Investment häufig zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Deshalb eignen sich Faktor-Fonds vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die die zugrunde liegende Strategie verstehen und langfristig an ihr festhalten können.

Faktorinvestments als Baustein moderner Portfolios

Faktor-Fonds zeigen eindrucksvoll, wie stark sich die Fondswelt verändert hat. Zwischen klassischen Indexfonds und aktiv gemanagten Fonds ist eine neue Produktgruppe entstanden, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit regelbasierten Anlageprozessen verbindet.

Für viele Anleger kann ein Faktor-Fonds eine interessante Ergänzung des bestehenden Portfolios darstellen. Er sollte jedoch nicht allein aufgrund historischer Renditezahlen ausgewählt werden. Entscheidend ist vielmehr, ob die gewählte Strategie zur eigenen Risikobereitschaft und zum langfristigen Anlagekonzept passt.

Wer die zugrunde liegenden Faktoren versteht und ausreichend Geduld mitbringt, kann Faktor-Fonds sinnvoll als zusätzlichen Baustein einer breit gestreuten Vermögensanlage nutzen.

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