Bischof Franz Peter Tebartz van Elst

Serie Geschichte: Macht und Einfluß der Kirchen Geld und Glaube im Zwiespalt

Die Zahl der Mitglieder von Kirchen in Deutschland wird immer geringer, der christliche Glaube verzeichnet hierzulande einen dramatischen Schwund. Doch dem kirchlichen Reichtum hat dies bislang keinen Abbruch getan, zuletzt sprudelten die Einnahmen dank guter Wirtschaftslage und des Kirchensteuereinzugs auch bei Kapitalerträgen wie selten zuvor.

Die finanzielle Situation der Kirchen in Deutschland ist in der Welt fast einzigartig. Nur in Österreich oder der Schweiz findet man noch Vergleichbares. Obwohl Kirche und Staat offiziell getrennt sind, gibt es in der Realität doch eine Vielzahl von Verbindungen. Das fängt bei der Kirchensteuer an, die vom Staat eingezogen wird, aber den Kirchen zufließt, und hört bei der Vielzahl an sozialen und karitativen Einrichtungen, Schulen und Krankenhäusern auf, die zwar in kirchlicher Trägerschaft betrieben werden, aber vom Staat zu wesentlichen Teilen mitfinanziert werden.

Eine weltweit einzigartige Finanzlage 

Dass der Glaube alleine die Kirchen nicht erhalten kann, wird dabei durchaus akzeptiert. Schließlich handelt es sich auch um weltliche Organisationen, für die die gleichen Grundsätze des Wirtschaftens gelten wie für andere Institutionen auch. Und unternehmerische Betätigung war bereits den Klöstern des Mittelalters nicht fremd. Die Mönche betrieben die fortschrittlichste Landwirtschaft ihrer Zeit, waren erfolgreiche Gärtner, brauten Bier, wirkten als geschickte Handwerker und manches mehr.

Der Vermögensmehrung kam auch zugute, dass Klöster und Bischöfe über Jahrhunderte nicht nur geistliche, sondern auch weltliche Herren waren. Im alten Heiligen Römischen Reich besaßen sie eine wichtige Position und wirkten bei Kaiser- und Königswahlen mit. 

Zunehmendes Problem der Legitimation 

Davon profitieren die Kirchen noch heute. Nach wie vor erhalten sie vom Staat Entschädigungen für die Enteignung durch den sogenannten Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 am Ende des Alten Reiches - immerhin 460 Millionen Euro pro Jahr. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer - rund 10 Milliarden Euro jährlich - kommen noch hinzu. Und bei dieser Rechnung sind die unmittelbaren staatlichen Zahlungen für Krankenhäuser, Schulen usw. noch gar nicht mitgezählt. Auch als Unternehmer sind die beiden Kirchen immer noch tätig. Das Spektrum ist breit und reicht von der Immobilienwirtschaft über das Bankwesen bis hin zum Verlagsgeschäft. 

Die finanzielle Situation der Kirchen in Deutschland ist in der Welt fast einzigartig."

Dieser Reichtum stört nicht nur jene, denen der Glaube inzwischen fremd ist. Spätestens seit dem Skandal um den Limburger Bischof Tebartz van Elst fragen sich auch viele Kirchentreue, inwieweit die staatliche Dotation und der üppige Vermögensbestand noch zu rechtfertigen sind. Mit der schwindenden Zahl der Mitglieder bekommen die Kirchenvertreter jedenfalls zunehmend ein Legitimationsproblem. Wo der Glaube fehlt, erscheint der Erhalt eines großen Apparates, der seine Existenz wesentlich darauf gründet, zumindest fragwürdig.

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