Eine google Denkfabrik in Boulder, Colorado

Serie Internet: Können Algorithmen diskriminieren? Google verändert unser Handeln

Algorithmen sind eindeutige Vorschriften, welche die Lösung von Problemen zum Ziel haben. Sie bestimmen unseren Alltag und entscheiden letztendlich über die von Google angezeigten Suchergebnisse. Diese arbeiten wertfrei - gleichwohl gestattet die Suchmaschine keine neutrale Weltansicht.

Wie Algorithmen unser Leben prägen, bewiesen Wissenschaftler jüngst bei einem Experiment. Sie bedienten sich zur simulierten Suche im www eines Werkzeugs mit der Bezeichnung AdFisher. Fiktive Personen ohne Suchhistorie suchten Jobs auf einem speziellen Portal und riefen danach Nachrichtenseiten auf. Sie bekamen von Google erwartungsgemäß Stellenangebote angezeigt. Erstaunlich war, dass die Suchmaschine die Nutzer für Männer hielt und ihnen überwiegend gut bezahlte Jobs anbot. Den Forschern zeigten sich zwei mögliche Ursachen. Entweder lassen Anzeigekunden ihre Werbung auf männliche Leser zuschneiden, oder lassen Handlungsvorschriften Männer eher auf bestimmte Anzeigen klicken. 

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Können wertfreie Algorithmen diskriminieren?

Die Handlungsvorschriften selbst basieren auf Gleichungen und Zahlenreihen, sie sind nach Ansicht der Entwickler weitgehend objektiv. Doch handelt es sich dabei um eine von Menschen mit Vorurteilen erstellte Software. Google hält sich an ins Suchfeld eingegebene Fakten und verwertet alle vorliegenden Daten ohne Überprüfung der Relevanz. Gleichwohl führt die Vorgehensweise teilweise zu absurden Ergebnissen. Ist es den Erstellern von Algorithmen geschuldet, dass Google manche Namen mit kriminellen Aktivitäten in Zusammenhang bringt?

In der Tat zeigt die Suchmaschine bei Eingabe von afrikanisch klingenden Familiennamen deutlich mehr Verhaftungsmeldungen als bei Namen mit vermeintlich weißem Ursprung. Die Suchmaschine verwechselt zudem die Abbildung dunkelhäutiger Zeitgenossen häufig mit Affen, auch hierfür sollen Handlungsvorschriften verantwortlich sein. 

Eine Suchmaschine, die niemals vergisst 

Unsere Suchfeldeingaben geben Google eine Vorstellung von unserer Weltansicht und legen die Präferenzen sowie Wahrnehmungsvorgänge nebst Inhalten fest. Im Ergebnis zeigt uns die Suchmaschine, was wir vermeintlich sehen wollen. 

Ein Beispiel:

Es kommt, wie so oft im Leben, nur darauf an, wie Sie ein Problem angehen."

Sie bekommen bei der Eingabe von CEO ausschließlich Männer angezeigt. Sie verbinden unterbewusst das männliche Geschlecht mit Führungspositionen und klicken Bilder an, die dieser Vorstellung entsprechen. Jetzt kommen Algorithmen ins Spiel; sie erkennen die besseren Resultate bestimmter Bilder und zeigen Ihnen vermehrt derartige Ergebnisse. Fachleute sprechen hierbei von einem sich selbst reproduzierenden Vorgang.

Die Eingabe bestimmt das Ergebnis

Google sieht in Algorithmen keine moralisch wertende Software, sondern beruft sich auf die alleinige Beantwortung von Suchanfragen. Vielleicht macht es sich der Internetriese etwas zu einfach, denn auch der wertfreie Status von Handlungsvorschriften hinterlässt seine Spuren in der Gesellschaft. Wie können Sie sich gegen Stereotype schützen? Indem Sie Ihre Sucheingaben bei Google gut überdenken und möglichst exakt formulieren. Bei einer Eingabe wie beispielsweise: Weiblich, 25 Jahre, sucht Führungsposition im Automobilsektor, bekommen Sie sicher keine männlichen CEOs angezeigt. Es kommt, wie so oft im Leben, nur darauf an, wie Sie ein Problem angehen.

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