Fondsbranche im Wandel KI, Kostendruck und neue Produktstrategien
Klassische Anbieter geraten unter Druck.
Die Fondsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Umbau. Über viele Jahre konnten große Fondsgesellschaften mit aktiv gemanagten Produkten vergleichsweise hohe Gebühren verlangen. Heute stehen sie stärker unter Druck: Günstige ETFs gewinnen Marktanteile, Anleger achten genauer auf Kosten und gleichzeitig steigen die Aufwendungen für Technik, Regulierung und Vertrieb.
Nach Einschätzung der Unternehmensberatung Oliver Wyman reagieren viele Asset Manager inzwischen mit umfassenden Effizienzprogrammen. Im Mittelpunkt stehen moderne Software, künstliche Intelligenz und eine klarere Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen.
Für Anleger kann dieser Wandel langfristig günstigere und zugleich stärker spezialisierte Fondsangebote bringen.
KI wird vom Experiment zum Geschäftsmodell
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Künstliche Intelligenz wurde in vielen Fondsgesellschaften zunächst nur punktuell genutzt. Einzelne Mitarbeiter testeten Programme wie ChatGPT oder Gemini, etwa für Texte, Recherchen oder Zusammenfassungen.
Inzwischen prüfen zahlreiche Anbieter systematisch, an welchen Stellen KI dauerhaft eingesetzt werden kann. Damit verändert sich die Technologie vom zusätzlichen Hilfsmittel zu einem wichtigen Bestandteil des Geschäftsmodells.
Typische Einsatzfelder sind:
- Erstellung von Markt- und Fondsberichten,
- Vorbereitung von Anlageausschüssen,
- Beantwortung von Kundenfragen,
- Auswertung von Reporting- und Performancedaten,
- Unterstützung bei der Analyse großer Wertpapieruniversen.
Im Portfoliomanagement kann KI beispielsweise helfen, aus Tausenden Unternehmen diejenigen herauszufiltern, die für eine genauere Analyse interessant erscheinen. Die endgültige Anlageentscheidung bleibt dabei weiterhin Aufgabe des Fondsmanagements.
Besonders großes Potenzial im Vertrieb
Ein erheblicher Teil der Kosten einer Fondsgesellschaft entsteht nicht nur durch die Verwaltung des Vermögens, sondern auch durch Vertrieb, Kundenbetreuung und Informationspflichten.
Nach Einschätzung von Oliver Wyman könnten im Vertrieb durch KI Effizienzgewinne von etwa 20 bis 25 Prozent möglich sein. Systeme können Kundendaten strukturieren, Gespräche vorbereiten, Produktinformationen zusammenstellen oder häufige Anfragen automatisiert beantworten.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass persönliche Beratung vollständig verschwindet. Vielmehr können standardisierte Aufgaben schneller erledigt werden, während Mitarbeiter mehr Zeit für komplexe Kundenfragen erhalten.
Für Anleger ist dabei entscheidend, dass Automatisierung nicht zulasten der Qualität geht. Eine schnelle Antwort ist nur dann hilfreich, wenn sie korrekt, verständlich und auf die tatsächliche Situation des Kunden abgestimmt ist.
Alte IT-Strukturen werden zum Kostenproblem
Der technologische Wandel kann die Fondsbranche effizienter machen. Künstliche Intelligenz beschleunigt Analysen, automatisiert Verwaltungsaufgaben und ermöglicht neue Produkte. Gleichzeitig verschärft sie den Wettbewerb und erhöht den Druck auf Anbieter, ihren tatsächlichen Mehrwert zu belegen."
Viele Fondsgesellschaften arbeiten mit IT-Systemen, die über Jahre gewachsen sind. Einzelne Programme wurden ergänzt, verbunden und immer wieder angepasst. Dadurch entstanden komplizierte Strukturen, die teuer zu warten und schwer zu modernisieren sind.
Nun versuchen viele Anbieter, diese sogenannten Patchwork-Lösungen durch einheitlichere Plattformen zu ersetzen. Statt zahlreicher Einzelsysteme sollen künftig ein oder zwei große Softwarelösungen möglichst viele Aufgaben abdecken.
Die Umstellung ist allerdings aufwendig. Daten müssen übertragen, Prozesse angepasst und Mitarbeiter geschult werden. Langfristig können einheitliche Systeme jedoch Kosten senken und neue Produkte schneller ermöglichen.
Aktive Fonds müssen ihren Mehrwert beweisen
Der Markt entwickelt sich zunehmend in zwei Richtungen. Auf der einen Seite stehen sehr günstige passive Produkte wie ETFs. Auf der anderen Seite befinden sich stark aktive oder spezialisierte Strategien, bei denen Anleger bereit sind, für einen erkennbaren Mehrwert höhere Gebühren zu zahlen.
Schwieriger wird es für Fonds, die relativ teuer sind, sich aber nur wenig von einem Vergleichsindex unterscheiden. Solche Produkte geraten zunehmend unter Rechtfertigungsdruck.
Viele Anbieter reagieren deshalb mit neuen Strategien:
- aktive ETFs mit geringeren Kosten,
- quantitative Fonds auf Basis systematischer Regeln,
- stärker spezialisierte Anlagekonzepte,
- Kombinationen aus menschlicher Analyse und Technologie.
Durch KI und automatisierte Prozesse können auch aktive Produkte günstiger hergestellt werden. Dadurch nähert sich ihre Kostenstruktur teilweise der passiver Fonds an.
ETFs können bestehende Fonds verdrängen
Für traditionelle Fondsgesellschaften entsteht dabei ein Zielkonflikt. Legen sie günstige ETFs auf, gewinnen sie möglicherweise neue Kunden, könnten aber gleichzeitig Geld aus ihren teureren Fonds abziehen.
Einige Anbieter gehen daher offensiv vor und bringen bewusst sehr preiswerte Produkte auf den Markt. Andere wählen einen vorsichtigeren Weg und verlangen für aktive ETFs weiterhin vergleichsweise hohe Gebühren.
Für Anleger lohnt sich deshalb ein genauer Blick. Die Bezeichnung ETF sagt allein noch nichts darüber aus, ob ein Produkt wirklich günstig ist. Auch aktive ETFs können deutlich höhere Kosten aufweisen als klassische Indexfonds.
Größe wird zum Wettbewerbsvorteil
Technologie, Regulierung und Produktentwicklung erfordern hohe Investitionen. Große Fondsgesellschaften können diese Kosten auf ein wesentlich größeres verwaltetes Vermögen verteilen als kleine Anbieter.
Deshalb rechnen Branchenbeobachter mit weiteren Übernahmen und Zusammenschlüssen. Größere Einheiten können IT-Systeme, Vertrieb und Verwaltung gemeinsam nutzen und dadurch Kosten sparen.
Für Anleger können solche Zusammenschlüsse Vorteile bringen, etwa breitere Produktangebote oder modernere Technik. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass Fonds zusammengelegt, Strategien verändert oder Gebührenmodelle angepasst werden.
Niedrigere Kosten allein reichen nicht
Der technologische Wandel kann die Fondsbranche effizienter machen. Künstliche Intelligenz beschleunigt Analysen, automatisiert Verwaltungsaufgaben und ermöglicht neue Produkte. Gleichzeitig verschärft sie den Wettbewerb und erhöht den Druck auf Anbieter, ihren tatsächlichen Mehrwert zu belegen.
Für Anleger bleibt daher die zentrale Prüfung unverändert: Passt der Fonds zur eigenen Strategie, sind die Kosten angemessen und liefert das Management einen nachvollziehbaren Mehrwert?
Die Gewinner des Wandels werden nicht automatisch die Anbieter mit der modernsten Technik sein. Erfolgreich dürften vor allem diejenigen sein, die niedrigere Kosten, gute Produkte und verlässliche Kundenbetreuung miteinander verbinden.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.












