Finanzlexikon Lebenswerk ordnen: Ernstfallliquidität sichern

Steuern, Pflichtteile und laufende Kosten im Todesfall rechtzeitig einplanen.

Viele Menschen konzentrieren sich bei der Nachlassplanung auf die Verteilung ihres Vermögens. Deutlich seltener wird darüber nachgedacht, wie nach einem Todesfall kurzfristig an ausreichend Geld gelangt werden kann. Gerade in den ersten Wochen nach einem Todesfall entstehen häufig zahlreiche finanzielle Verpflichtungen. Bestattungskosten, laufende Rechnungen, Kredite, Steuern oder Pflichtteilsansprüche müssen oft zeitnah beglichen werden.

Fehlt die notwendige Liquidität, kann dies Angehörige in einer ohnehin belastenden Situation zusätzlich unter Druck setzen. Deshalb sollte die Sicherung ausreichender Ernstfallliquidität ein fester Bestandteil jeder Vorsorgeplanung sein.

Vermögen ist nicht automatisch Liquidität

Auf dem Papier verfügen viele Familien über erhebliche Vermögenswerte. Immobilien, Unternehmensanteile oder langfristige Kapitalanlagen lassen sich jedoch nicht immer kurzfristig zu Geld machen.

Ein Beispiel: Ein Ehepaar besitzt ein schuldenfreies Einfamilienhaus, mehrere vermietete Wohnungen und ein größeres Wertpapierdepot. Nach dem Tod eines Ehepartners können dennoch kurzfristige Liquiditätsengpässe entstehen, wenn Erbschaftsteuer, laufende Kosten oder Pflichtteilsansprüche erfüllt werden müssen.

Entscheidend ist daher nicht allein die Höhe des Vermögens, sondern auch dessen Verfügbarkeit.

Zu den typischen kurzfristigen Ausgaben gehören:

  • Bestattungskosten
  • laufende Lebenshaltungskosten
  • Kreditraten und Darlehensverpflichtungen
  • Erbschaftsteuer
  • Pflichtteilszahlungen
  • Kosten für Rechts- und Steuerberatung

Diese Zahlungen können innerhalb weniger Wochen oder Monate fällig werden.

Erbschaftsteuer frühzeitig berücksichtigen

Je nach Vermögensstruktur kann die Erbschaftsteuer eine erhebliche Rolle spielen. Zwar existieren Freibeträge für Ehepartner und Kinder, bei größeren Vermögen können dennoch Steuerzahlungen entstehen.

Besonders relevant wird dies häufig bei:

  • mehreren Immobilien
  • Unternehmensvermögen
  • vermieteten Objekten
  • größeren Wertpapiervermögen
  • bereits erfolgten Schenkungen

Gerade bei Immobilien besteht die Gefahr, dass zwar ein hoher Vermögenswert vorhanden ist, jedoch nur begrenzte liquide Mittel zur Verfügung stehen. Im ungünstigsten Fall kann dies zu einem unerwünschten Verkauf von Vermögenswerten führen.

Eine frühzeitige steuerliche Planung gemeinsam mit dem Steuerberater kann helfen, solche Situationen zu vermeiden.

Pflichtteilsansprüche nicht unterschätzen

Die Sicherung ausreichender Liquidität gehört zu den wichtigsten, aber häufig vernachlässigten Bereichen der Nachlassplanung. Ein hohes Vermögen allein schützt nicht vor finanziellen Engpässen im Ernstfall. Wer frühzeitig Steuern, Pflichtteile und laufende Verpflichtungen berücksichtigt, kann Angehörige erheblich entlasten und verhindern, dass Vermögenswerte unter Zeitdruck verkauft werden müssen."

Auch Pflichtteilsansprüche werden häufig unterschätzt. Selbst wenn einzelne Angehörige im Testament nicht als Erben eingesetzt werden, können unter bestimmten Voraussetzungen Geldansprüche bestehen.

Dies betrifft insbesondere:

  • enterbte Kinder
  • Ehepartner
  • bestimmte Konstellationen in Patchwork-Familien

Pflichtteilsansprüche müssen grundsätzlich in Geld erfüllt werden. Sind keine ausreichenden liquiden Mittel vorhanden, kann dies erheblichen Druck auf die Erben ausüben.

Konflikte innerhalb der Familie lassen sich häufig reduzieren, wenn mögliche Pflichtteilsansprüche frühzeitig analysiert und offen besprochen werden.

Liquiditätsreserven gezielt aufbauen

Die konkrete Höhe einer sinnvollen Liquiditätsreserve hängt von der individuellen Vermögenssituation ab. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.

Hilfreiche Fragen können sein:

  • Welche laufenden Verpflichtungen bestehen?
  • Können kurzfristig Steuern entstehen?
  • Gibt es potenzielle Pflichtteilsansprüche?
  • Welche Vermögenswerte sind kurzfristig verfügbar?
  • Müssen Kredite weiter bedient werden?

In vielen Fällen kann bereits eine gezielt aufgebaute Liquiditätsreserve auf Tagesgeldkonten oder vergleichbaren Anlagen erhebliche Sicherheit schaffen.

Fazit

Die Sicherung ausreichender Liquidität gehört zu den wichtigsten, aber häufig vernachlässigten Bereichen der Nachlassplanung. Ein hohes Vermögen allein schützt nicht vor finanziellen Engpässen im Ernstfall.

Wer frühzeitig Steuern, Pflichtteile und laufende Verpflichtungen berücksichtigt, kann Angehörige erheblich entlasten und verhindern, dass Vermögenswerte unter Zeitdruck verkauft werden müssen.

Eine regelmäßige Überprüfung der verfügbaren Liquiditätsreserven sollte deshalb fester Bestandteil jeder langfristigen Vorsorgeplanung sein.

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