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Serie Zur Person: Commerzbank-Chef überzeugt Martin Blessing erstaunlich erfolgreich

Lange galt die Commerzbank als angeschlagenes Institut, das sich nur dank massiver Staatshilfe über Wasser halten konnte. Doch allmählich kommt die Bank unter Vorstandschef Blessing wieder auf die Beine. Der legte jetzt zur Halbjahresbilanz bemerkenswert positive Zahlen vor, während Hauptkonkurrent Deutsche Bank weiter negative Schlagzeilen macht.

Die Finanzkrise 2008 hatte das traditionsreiche Kreditinstitut ins Wanken gebracht. Der Zusammenbruch von Lehman Bothers & Co traf die Bank zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Kurz zuvor hatte die Commerzbank die Dresdner Bank übernommen. Was als Chance gedacht gewesen war, sich erfolgreicher im Wettbewerb zu positionieren, erwies sich jetzt als Bumerang. In der Bilanz der Dresdner Bank tauchten nach der Übernahme erhebliche Risiken auf, die zuvor nicht erkannt worden waren.

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Neuausrichtung nach Finanzkrise zwingend

Hinzu kamen noch die Verluste, die die Bank in ihrem eigenen Geschäft verursacht hatte. Damals musste der Staat mit einer Finanzhilfe von mehr 18 Milliarden Euro einspringen. Die Commerzbank wurde de facto zum Teil verstaatlicht. 

Die Krise zwang damals zu schmerzlichen Strukturreformen und einer grundsätzlichen geschäftspolitischen Neuausrichtung. Das bedeutete nicht nur die Einrichtung einer Bad Bank, in der krisenbehaftete Engagements abgewickelt wurden. Die Verluste erforderten auch ein rigoroses Sparprogramm, dem Tausende von Arbeitsplätzen und etliche Filialen zum Opfer fielen. In ihrer Geschäftspolitik verabschiedete sich das Institut weitgehend vom Investmentbanking und konzentrierte sich wieder stärker auf das klassische Universalbankgeschäft. Privatkunden und mittelständische Firmenkunden stehen seither im Fokus

Die Früchte des Kurswechsels  

Dieser Kurswechsel unter dem nicht immer unumstrittenen Vorstandschef Blessing beginnt sich jetzt auszuzahlen. Im ersten Halbjahr 2015 wurde ein Gewinn von 646 Millionen Euro erzielt - doppelt so viel wie im Vorjahr. Und das Geschäft entwickelt sich dynamisch.

Starke Impulse kommen vor allem aus dem Kreditgeschäft. Im Privatkundenbereich boomen die Baufinanzierungen, im Mittelstandssegment sind es die Firmenkredite. Beide Geschäftsfelder profitieren von den niedrigen Zinsen und der guten wirtschaftlichen Lage.

Bei der Gewinnung neuer Privatkunden war die Commerzbank in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich. Seit 2012 ist ihre Zahl um 666.000 gestiegen, alleine im letzten Quartal war ein Plus von 68.000 zu verzeichnen. 

Vor dem Hintergrund dieser positiven Entwicklung kann Blessing seinen Aktionären jetzt erstmals seit der Finanzkrise wieder eine Dividende in Aussicht stellen. Und beim Abbau der Staatsbeteiligung wurden große Fortschritte erzielt. Gut 13 Milliarden Euro konnten schon zurückgezahlt werden. Wenn der Erholungskurs so weiter geht, dürfte auch der Rest in absehbarer Zeit getilgt werden.

Blessing bringt dieser Erfolg auch einen persönlichen Nutzen. Er kann wohl mit einer Vertragsverlängerung rechnen.

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