Zinsanlagen heute Nachranganleihen – höhere Zinsen und Risiken

Die Rangfolge im Insolvenzfall entscheidet über Chancen und Risiken.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich Nachranganleihen kaum von klassischen Unternehmensanleihen. Anleger stellen einem Unternehmen Kapital zur Verfügung und erhalten dafür regelmäßige Zinszahlungen. Hinter den Kulissen gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied: Im Fall einer Insolvenz werden Inhaber von Nachranganleihen erst bedient, nachdem andere Gläubiger ihr Geld erhalten haben.

Gerade diese nachrangige Stellung erklärt, warum solche Anleihen häufig deutlich höhere Zinsen bieten als herkömmliche Unternehmensanleihen. Für viele Anleger wirken die attraktiven Kupons verlockend. Die höheren Erträge sind allerdings immer die Gegenleistung für ein erhöhtes Risiko.

Die Rangfolge bestimmt das Risiko

Gerät ein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten oder wird insolvent, erfolgt die Verteilung des verbleibenden Vermögens nach einer festgelegten Reihenfolge.

Zunächst werden in der Regel gesicherte Gläubiger wie Banken bedient. Danach folgen gewöhnliche Anleihegläubiger. Erst anschließend kommen Inhaber von Nachranganleihen an die Reihe.

Im Extremfall kann dies bedeuten, dass für Nachranggläubiger kein Kapital mehr verfügbar ist.

Typische Rangfolgen sind:

  • besicherte Kredite
  • klassische Unternehmensanleihen
  • Nachranganleihen
  • Eigenkapital in Form von Aktien

Die nachrangige Stellung macht diese Wertpapiere risikoreicher als viele traditionelle Zinsanlagen.

Höhere Zinsen als Risikoausgleich

Damit Investoren bereit sind, dieses zusätzliche Risiko zu übernehmen, müssen Unternehmen höhere Zinsen zahlen. Nachranganleihen bieten deshalb häufig deutlich attraktivere Renditen als vergleichbare klassische Anleihen.

Besonders häufig werden Nachranganleihen von folgenden Emittenten genutzt:

  • Banken
  • Versicherungen
  • Energieunternehmen
  • große Industrieunternehmen

Gerade im Finanzsektor spielen Nachranganleihen eine wichtige Rolle. Banken nutzen sie unter anderem, um regulatorische Kapitalanforderungen zu erfüllen und ihre Eigenkapitalbasis zu stärken.

Für Anleger kann dies zusätzliche Renditechancen eröffnen. Gleichzeitig steigt jedoch die Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Stabilität des jeweiligen Emittenten.

Vertragsbedingungen verdienen besondere Aufmerksamkeit

Nachranganleihen gehören zu den interessantesten, aber auch anspruchsvolleren Bereichen des Zinsmarktes. Sie ermöglichen höhere laufende Erträge, verlangen von Anlegern jedoch eine deutlich größere Risikobereitschaft."

Nachranganleihen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Rangstellung. Viele Emissionen enthalten zusätzliche Besonderheiten, die Anleger kennen sollten.

Dazu gehören unter anderem:

  • sehr lange Laufzeiten
  • Kündigungsrechte des Emittenten (Herausgeber des Wertpapiers)
  • variable Zinszahlungen
  • Möglichkeiten zur Verschiebung von Zinszahlungen
  • besondere Verlustregelungen

Einige Nachranganleihen besitzen sogar unbegrenzte Laufzeiten. Der Emittent kann die Anleihe zwar häufig zu bestimmten Zeitpunkten zurückzahlen, ist dazu jedoch nicht verpflichtet.

Die genaue Analyse der Emissionsbedingungen ist deshalb besonders wichtig.

Schwankungen können erheblich ausfallen

Viele Anleger verbinden Anleihen grundsätzlich mit Stabilität und vergleichsweise geringen Risiken. Bei Nachranganleihen trifft diese Einschätzung nur eingeschränkt zu.

Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten reagieren Nachranganleihen oft sehr empfindlich auf Veränderungen der Bonität (Kreditwürdigkeit) eines Unternehmens. Die Kursschwankungen können deshalb deutlich stärker ausfallen als bei klassischen Unternehmensanleihen.

Zusätzlich beeinflussen folgende Faktoren die Wertentwicklung:

  • allgemeines Zinsniveau
  • wirtschaftliche Lage des Emittenten
  • regulatorische Veränderungen
  • Marktstimmung gegenüber dem Finanzsektor

Besonders während der Finanzkrise wurde deutlich, dass Nachranganleihen erhebliche Verlustrisiken aufweisen können.

Attraktive Renditen verlangen eine sorgfältige Auswahl

Nachranganleihen gehören zu den interessantesten, aber auch anspruchsvolleren Bereichen des Zinsmarktes. Sie ermöglichen höhere laufende Erträge, verlangen von Anlegern jedoch eine deutlich größere Risikobereitschaft.

Für viele Privatanleger dürfte ein Investment über breit gestreute Rentenfonds oder spezialisierte Fonds sinnvoller sein als der Kauf einzelner Anleihen. Dadurch lassen sich Risiken einzelner Emittenten besser verteilen.

Wer die Funktionsweise versteht und die zusätzlichen Risiken bewusst eingeht, findet in Nachranganleihen eine Anlageform, die zwischen klassischen Anleihen und risikoreicheren Unternehmensfinanzierungen angesiedelt ist.