Finanzwissen Netto zählt: Aktive Fonds

Höhere Kosten mit Erklärungsbedarf.

Ein aktiver Fonds (Investmentfonds, bei dem ein Fondsmanagement gezielt Wertpapiere auswählt) kostet meist deutlich mehr als ein ETF. Der Grund ist nachvollziehbar: Ein Fondsmanagement analysiert Unternehmen, Branchen, Zinsen, Bewertungen und Risiken. Es entscheidet aktiv, welche Wertpapiere gekauft, gehalten oder verkauft werden.

Die entscheidende Frage für Anleger lautet aber nicht, ob aktives Management sympathisch klingt. Entscheidend ist, ob der Fonds nach Kosten besser abschneidet als ein passender Vergleichsindex. Ein globaler Aktienfonds sollte also nicht mit Tagesgeld verglichen werden, sondern etwa mit dem MSCI World. Ein Europa-Fonds gehört eher gegen den MSCI Europe. Ein Dividendenfonds sollte mit einem passenden Dividendenindex verglichen werden.

Höhere Kosten schaffen eine höhere Hürde

Im Beispiel werden 10.000 Euro in einen aktiven Fonds investiert. Hat dieser Fonds laufende Kosten von 1,5 % p.a. (pro Jahr), entspricht das rechnerisch 150 Euro pro Jahr. Ein ETF auf einen großen Index kostet oft deutlich weniger. Wenn ein vergleichbarer ETF nur 0,2 Prozent pro Jahr kostet, wären das bei 10.000 Euro lediglich 20 Euro.

Der aktive Fonds muss also jedes Jahr erst einmal die Kostendifferenz verdienen. Bei 10.000 Euro Anlagebetrag sind das gegenüber dem ETF rund 130 Euro pro Jahr. Das klingt klein, aber über fünf oder zehn Jahre wird daraus ein erheblicher Betrag. Dazu kommt der Zinseszinseffekt: Geld, das für Kosten verwendet wird, kann nicht weiter für den Anleger arbeiten.

Praxisbeispiele aus bekannten Fonds

Ein paar bekannte Fonds zeigen, wie unterschiedlich aktive Strategien abschneiden können. Die Zahlen sind keine Kaufempfehlung, sondern Beispiele dafür, warum Anleger immer den passenden Vergleichsmaßstab prüfen sollten.

  • UniGlobal: Der bekannte globale Aktienfonds kam laut finanzen.net auf rund +68,77 % über fünf Jahre und +222,24 % über zehn Jahre. Der MSCI World lag über vergleichbare Zeiträume bei rund +84,4 % über fünf Jahre und +227,8 % über zehn Jahre. Der Fonds war also langfristig nah am Weltindex, über fünf Jahre aber deutlich schwächer.
  • DWS Top Dividende: Der Fonds erzielte laut DWS über zehn Jahre rund +89,31 %, beziehungsweise 6,59 % p.a. Der MSCI World High Dividend Yield Index lag zum Stichtag Juni 2026 bei 8,41 % p.a. über zehn Jahre. Hier sieht man: Auch ein sehr bekannter Fonds kann hinter einem passenden Dividendenindex zurückbleiben.
  • Fidelity European Dynamic Growth Fund: Dieser Europa-Fonds kam laut finanzen.net auf rund +2,51 % über fünf Jahre und +86,02 % über zehn Jahre. Der MSCI Europe lag laut MSCI bei 10,30 % p.a. über fünf Jahre und 9,60 % p.a. über zehn Jahre. Das ist ein Beispiel für deutliche Unterperformance gegenüber dem passenden Marktindex.
  • JPM Europe Dynamic Fund: Dieses Beispiel zeigt, dass aktive Fonds auch besser abschneiden können. In den Kalenderjahren 2021 bis 2025 kam der Fonds rechnerisch auf rund +74 %, während der MSCI Europe in denselben Kalenderjahren auf rund +70 % kam. Der Vorsprung war also vorhanden, aber nicht riesig.

Ein guter Fonds braucht mehr als einen guten Namen

Aktive Fonds sind nicht automatisch falsch. Aber sie sind erklärungsbedürftig. Wer 10.000 Euro investiert und 1,5 % p.a. laufende Kosten zahlt, sollte verstehen, welche Leistung dafür erwartet werden kann. Ein aktiver Fonds darf mehr kosten, wenn er echten Mehrwert liefert. Ohne nachvollziehbaren Mehrwert sind höhere Kosten vor allem eines: eine Renditehürde."

Diese Beispiele zeigen zwei Dinge. Erstens: Aktive Fonds können besser sein als ihr Index. Zweitens: Viele bekannte Namen schaffen das nicht dauerhaft. Für Anleger ist deshalb nicht der Ruf des Fonds entscheidend, sondern die Leistung nach Kosten.

Wichtige Prüfpunkte sind:

  • passende Benchmark (Vergleichsindex) auswählen
  • Wertentwicklung über fünf und zehn Jahre prüfen
  • Kosten des Fonds mit einbeziehen
  • Risiko und Schwankungen berücksichtigen
  • nicht nur auf ein starkes Einzeljahr schauen

Gerade das Einzeljahr kann täuschen. Ein Fonds kann in einem Jahr sehr gut sein und trotzdem über zehn Jahre schwach abschneiden. Umgekehrt kann ein guter langfristiger Fonds mehrere schwächere Jahre haben.

Höhere Kosten brauchen eine klare Begründung

Breite Untersuchungen zeigen, wie schwer dauerhafte Outperformance ist. Der SPIVA Europe Year-End 2025 Scorecard zufolge hatten aktive Aktienfonds mit Sitz in Europa in den meisten Kategorien mehrheitlich Probleme, ihre jeweiligen Vergleichsindizes zu schlagen. In mehr als der Hälfte der Kategorien lag die Quote der Fonds, die ihre Benchmark schlugen, sogar unter 25 Prozent.

Für normale Anleger heißt das: Aktive Fonds sind nicht automatisch falsch. Aber sie sind erklärungsbedürftig. Wer 10.000 Euro investiert und 1,5 % p.a. laufende Kosten zahlt, sollte verstehen, welche Leistung dafür erwartet werden kann. Ein aktiver Fonds darf mehr kosten, wenn er echten Mehrwert liefert. Ohne nachvollziehbaren Mehrwert sind höhere Kosten vor allem eines: eine Renditehürde.

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