Flüchtige Begegnung zwischen arm und reich

Serie Zur Person: Die ungleiche Verteilung zerreißt die Welt Nobelpreisträger Shiller

Shiller beschäftigt sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit seit Jahrzehnten mit dem Verhalten von Anlegern. Er ist einer der Wirtschaftswissenschaftler, die bei der Erklärung des Finanzmarkt-Geschehens systematisch Erkenntnisse der modernen Psychologie einbeziehen. Dieser Ansatz wird auch als Behavioral Finance bezeichnet.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Nobelpreisträger wichtige Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und vor Blasen gewarnt. So sagte er die New Economy-Blase im Jahre 2000 ebenso zutreffend voraus wie die Immobilienblase in den USA, die schließlich in die Finanzkrise mündete. Shiller hat im Laufe seiner Wissenschaftlerlaufbahn spezielle Kennzahlen entwickelt, die zu einer besseren Beurteilung der Lage an den Finanzmärkten beitragen sollen. 

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Shillers Kennzahlen: wirksame Indikatoren 

Eine ist das Shiller-KGV, eine Modifikation des bekannten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV). Die Shiller-KGV basiert auf Zehn-Jahres-Durchschnitten und ist damit langfristiger ausgerichtet.

Eine anderer von ihm entwickelter Bewertungsmaßstab ist der Valuation Confidence Index. Er misst den Anteil von Anlegern, die glauben, dass die Börse nicht zu hoch bewertet ist.  Beide Kennzahlen haben sich in besorgniserregender Weise entwickelt. Das KGV ist weltweit an den Börsen deutlich gestiegen, in keinem Land dabei so extrem wie in China.

Ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis deutet immer auf Überwertungen hin, denn es heißt nichts anderes, als dass für Aktien ein hoher Preis im Vergleich zu den tatsächlich erzielten Gewinnen bezahlt wird. Umgekehrt hat der Valuation Confidence Index Niedrigstwerte erreicht. Das bedeutet, dass die große Mehrheit der Anleger von einer Überbewertung überzeugt ist. Dann sind beste Voraussetzungen für einen Crash.

Irgendwann haben die Wissenschaftler recht - nur wann?

Abstiegsängste als Anlagemotiv 

Im Unterschied zu früheren Vorhersagen hat der Nobelpreisträger diesmal keinen speziellen Markt im Blick, er beschäftigt sich vielmehr generell mit der Anlegermotivation. Sorge bereitet ihm dabei die zunehmende Ungleichverteilung der Einkommen. Sie ist seiner Ansicht nach ein wesentlicher Faktor, der zu Übertreibungen beiträgt. Das Kaufmotiv vieler Anleger in den USA seien heute Abstiegsängste.

Viele Amerikaner - nach wie vor die volumenmäßig bedeutendsten Aktienkäufer der Welt - fürchteten in der hochtechnisierten Welt um eine Wegrationalisierung ihrer Arbeitsplätze. Mit Spekulationen versuche man Wohlstands- und Existenzsicherung. Dabei stiegen Anleger auch dann noch ein, wenn sie eigentlich bereits von der Überbewertung überzeugt seien.  Noch selten hat der Nobelpreisträger mit seinen Analysen daneben gelegen. Es ist daher angebracht, die neuen Erkenntnisse Shillers ernst zu nehmen.

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