Der neue MSCI-Report Private Markets am Wendepunkt
Warum Wachstum ohne Transparenz zum Risiko wird.
Private Markets sind längst kein Randthema mehr. Gemeint sind nicht börsennotierte Anlagen wie Private Equity, Private Credit, Infrastruktur, Immobilien oder Venture Capital. Für große institutionelle Investoren machen sie inzwischen nahezu ein Fünftel der Portfolios aus. Der neue MSCI-Report zur Lage der Private Markets zeigt jedoch: Das Wachstum der Anlageklasse ist schneller vorangeschritten als ihre Marktinfrastruktur.
Das zentrale Problem liegt in Transparenz, Bewertung und Liquidität. Investoren müssen wissen, was sie besitzen, welchen Wert diese Anlagen haben und wie schnell Kapital im Ernstfall verfügbar ist. Genau daran bestehen zunehmend Zweifel.
Wachstum mit schwächerer Datenbasis
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Private Markets versprechen Zugang zu Unternehmen, Krediten und realen Projekten außerhalb der Börse. Das kann Renditechancen eröffnen und Portfolios breiter aufstellen.
Gleichzeitig sind diese Märkte weniger transparent als öffentliche Börsenmärkte.
Preise entstehen nicht täglich im Handel, sondern häufig durch Modelle, Gutachten oder managergemeldete Werte.
Solange Märkte ruhig sind, fällt das weniger auf. In Stressphasen wird die Schwäche sichtbarer. Dann fragen Investoren stärker nach Liquidität, Bewertungen und Risiken. MSCI warnt deshalb vor einer Lücke zwischen Kapitalzufluss und belastbarer Infrastruktur.
Private Markets funktionieren grundsätzlich. Aber sie brauchen bessere Daten, klarere Bewertungen und verlässlichere Risikosteuerung.
Private Credit unter Druck
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei Private Credit. Private Credit bezeichnet private Kreditvergabe außerhalb klassischer Bankfinanzierung oder öffentlicher Anleihemärkte. Dieses Segment ist stark gewachsen, weil Unternehmen alternative Finanzierungsquellen suchten und Investoren höhere laufende Erträge erwarteten.
Nach mehreren Jahren höherer Zinsen zeigen sich nun Belastungen. Laut MSCI werden 15,7 Prozent der Kredite in Private-Credit-Fonds inzwischen unter 80 Prozent des Nennwerts geführt. Das deutet auf erhöhten Stress hin. Kleinere Fonds sind besonders betroffen, weil sie häufig weniger breit gestreut sind und schwächere Kreditnehmer enthalten können.
Für Anlegerinnen und Anleger ist das eine wichtige Lehre: Höhere Renditen im Kreditbereich sind selten kostenlos. Sie spiegeln oft höhere Risiken, geringere Liquidität oder schwächere Sicherheiten wider.
Private Equity mit Liquiditätsproblem
Private Markets stehen an einem Wendepunkt. Die Anlageklasse ist gewachsen, vielfältiger geworden und für institutionelle Portfolios wichtiger denn je. Gleichzeitig zeigen sich strukturelle Schwächen: begrenzte Transparenz, unsichere Bewertungen und eingeschränkte Liquidität."
Auch Private Equity steht unter Druck. Private Equity bedeutet Beteiligung an nicht börsennotierten Unternehmen. Üblicherweise kaufen Fonds Unternehmen, entwickeln sie weiter und verkaufen sie später mit Gewinn. Genau dieser Verkauf ist derzeit schwieriger.
Die Ausschüttungsquote lag 2025 laut MSCI nur bei 12 Prozent und damit deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 20 Prozent. Viele Manager halten Portfoliounternehmen länger, weil Börsengänge stocken oder Verkaufspreise nicht attraktiv genug erscheinen. Dadurch fließt weniger Kapital an Investoren zurück.
Der Sekundärmarkt wird deshalb wichtiger. Dort werden bestehende Fondsanteile weiterverkauft. 2025 erreichte dieses Segment ein Rekordvolumen. Das zeigt, dass Liquidität gesucht wird. Es zeigt aber auch, dass Investoren stärker bereit sind, über Abschläge aus bestehenden Engagements herauszugehen.
KI als neues Querschnittsthema
Künstliche Intelligenz verändert auch Private Markets. KI-bezogene Anlagen machen laut MSCI bereits 16 Prozent der globalen Private-Equity-Assets aus. Besonders stark wirkt der Ausbau von Rechenzentren. Er betrifft Infrastruktur, Immobilien, Energieversorgung, Buyout und Venture Capital zugleich.
Rechenzentren haben in den vergangenen Jahren hohe Renditen erzielt. Zugleich steigen Kapitalbedarf und Komplexität. Stromversorgung, Kühlung, Grundstücke, Netzanschlüsse und regulatorische Fragen werden wichtiger. KI ist daher kein einfaches Modethema, sondern ein kapitalintensiver Investitionszyklus mit echten Engpässen.
Evergreen-Fonds mit Tücken
Evergreen-Fonds wachsen ebenfalls stark. Evergreen bedeutet, dass ein Fonds nicht wie klassische geschlossene Fonds eine feste Laufzeit hat, sondern fortlaufend Kapital aufnehmen und Rücknahmen ermöglichen kann. Viele Anleger schätzen diese Flexibilität.
Doch semiliquide Strukturen haben Grenzen. Wenn viele Investoren gleichzeitig Geld zurückfordern, können Rücknahmen eingeschränkt werden. Das liegt daran, dass die zugrunde liegenden Anlagen selbst nicht täglich verkauft werden können. Genau dann wird die Glaubwürdigkeit der ausgewiesenen Nettoinventarwerte wichtig. Der Nettoinventarwert ist der rechnerische Wert eines Fondsanteils.
Fazit
Private Markets stehen an einem Wendepunkt. Die Anlageklasse ist gewachsen, vielfältiger geworden und für institutionelle Portfolios wichtiger denn je. Gleichzeitig zeigen sich strukturelle Schwächen: begrenzte Transparenz, unsichere Bewertungen und eingeschränkte Liquidität.
Für professionelle Investoren bedeutet das mehr Prüfaufwand. Private Markets sollten nicht nur nach Renditeerwartung beurteilt werden. Entscheidend sind Datenqualität, Bewertungsmethoden, Fondsstruktur, Liquiditätsregeln und Risikomanagement.
Auch für private Anlegerinnen und Anleger, die über Fonds Zugang zu solchen Märkten erhalten, gilt: Private Markets sind kein Ersatz für liquide Basisanlagen. Sie können ein Baustein sein, verlangen aber Verständnis für längere Bindung, Bewertungsunsicherheit und mögliche Rücknahmebeschränkungen.
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