Finanzielle Abwägungen Schwellenländer beimischen oder weglassen?
Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Taiwan oder Indonesien spielen in der Weltwirtschaft eine wichtige Rolle. Trotzdem sind sie in vielen Wertpapierdepots gar nicht oder nur gering vertreten.
Anleger stehen damit vor einer grundlegenden Abwägung: zusätzliche Wachstumschancen nutzen oder bewusst auf Märkte verzichten, die häufig stärkeren politischen, wirtschaftlichen und währungsbedingten Risiken ausgesetzt sind. Emerging Markets (Schwellenländer) sind Staaten, deren Wirtschaft und Kapitalmärkte bereits vergleichsweise weit entwickelt sind, aber noch nicht den Status klassischer Industrieländer erreicht haben. Sie können langfristig vom steigenden Wohlstand, einer wachsenden Mittelschicht und zunehmendem Konsum profitieren. Daraus folgt allerdings keineswegs automatisch eine höhere Aktienrendite.
Zusätzliche Chancen durch breitere Streuung
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Wer ausschließlich in entwickelte Märkte investiert, lässt einen erheblichen Teil der Weltwirtschaft außen vor. Eine Beimischung von Schwellenländern verbreitert die geografische Streuung und eröffnet Zugang zu Unternehmen, Branchen und Wachstumsmärkten, die in klassischen Industrieländer-Indizes kaum vertreten sind.
Für eine Beimischung sprechen insbesondere:
- zusätzliche regionale Diversifikation,
- langfristiges Wachstumspotenzial vieler Volkswirtschaften,
- Zugang zu Unternehmen außerhalb der bekannten europäischen und amerikanischen Märkte.
Ein Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont könnte beispielsweise einen breit gestreuten Weltfonds um einen Schwellenländer-ETF ergänzen. Damit hängt die Entwicklung seines Aktienvermögens etwas weniger ausschließlich von Nordamerika, Europa und anderen etablierten Märkten ab.
Höheres Wachstum bedeutet nicht automatisch höhere Rendite
Der häufigste Denkfehler besteht darin, Wirtschaftswachstum unmittelbar mit Aktienrendite gleichzusetzen. Ein Land kann über Jahre kräftig wachsen, während seine Börse trotzdem enttäuschend abschneidet. Entscheidend sind unter anderem die Bewertungen der Unternehmen, ihre Gewinne und die Frage, wie stark Aktionäre tatsächlich am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden.
Hinzu kommen Risiken, die in entwickelten Märkten meist weniger ausgeprägt sind. Dazu gehören politische Eingriffe, schwächere rechtliche Rahmenbedingungen, Veränderungen der Kapitalverkehrsregeln oder starke Währungsschwankungen. Auch die Zusammensetzung der Aktienmärkte kann sehr unterschiedlich sein. Einzelne Länder oder Branchen können in einem Schwellenländerindex zeitweise ein beträchtliches Gewicht erreichen.
Deshalb sollte eine höhere erwartete Wachstumsrate niemals als Garantie für höhere Anlageerträge verstanden werden.
Der Anteil entscheidet über das Risiko
Schwellenländer können ein langfristiges Aktienportfolio sinnvoll ergänzen und die geografische Streuung erweitern. Ihr wirtschaftliches Wachstum bieten Chancen, denen jedoch höhere Risiken gegenüberstehen."
Zwischen vollständigem Verzicht und einer sehr hohen Gewichtung liegt ein großer Spielraum. Wer Schwellenländer grundsätzlich interessant findet, muss deshalb nicht einen großen Teil seines Depots darauf ausrichten.
Ein Beispiel: Ein Anleger besitzt 100.000 Euro in breit gestreuten Aktienanlagen. Statt 30.000 oder 40.000 Euro auf Schwellenländer zu konzentrieren, könnte er lediglich einen kleineren Anteil ergänzen. Entwickeln sich diese Märkte gut, profitiert das Gesamtdepot davon. Kommt es dagegen zu einer länger anhaltenden Schwächephase, bleibt deren Einfluss überschaubar.
Gerade bei solchen Anlagen ist wichtig, eine Gewichtung zu wählen, die auch dann noch akzeptabel erscheint, wenn die Kurse über mehrere Jahre deutlich hinter den entwickelten Märkten zurückbleiben.
Ein globaler Fonds kann bereits ausreichen
Für viele Anleger muss die Entscheidung deshalb nicht zwischen einem großen Schwellenländeranteil und vollständigem Verzicht fallen. Eine moderate Beimischung oder ein globaler Fonds, der diese Märkte bereits enthält, kann einen vernünftigen Mittelweg darstellen."
Nicht jeder Anleger benötigt einen zusätzlichen Schwellenländer-ETF. Viele weltweit ausgerichtete Fonds und ETFs enthalten bereits sowohl Industrie- als auch Schwellenländer. Wer eine solche Lösung nutzt, besitzt die betreffenden Märkte möglicherweise bereits in einer Gewichtung, die den jeweiligen Indexregeln folgt.
Vor einer zusätzlichen Beimischung lohnt deshalb ein Blick auf das bestehende Depot:
- Sind Schwellenländer bereits enthalten?
- Wie hoch ist ihr tatsächlicher Anteil?
- Soll bewusst stärker gewichtet werden oder würde dadurch lediglich eine vorhandene Position verdoppelt?
Einfachheit ist ebenfalls ein Argument. Ein einziges breit gestreutes Weltinvestment kann leichter durchzuhalten sein als ein Depot aus vielen einzelnen Regionen, deren Gewicht regelmäßig überprüft werden muss.
Fazit
Schwellenländer können ein langfristiges Aktienportfolio sinnvoll ergänzen und die geografische Streuung erweitern. Ihr wirtschaftliches Wachstum, junge Bevölkerungen und aufstrebende Unternehmen bieten Chancen, denen jedoch höhere politische, rechtliche und währungsbedingte Risiken gegenüberstehen.
Für viele Anleger muss die Entscheidung deshalb nicht zwischen einem großen Schwellenländeranteil und vollständigem Verzicht fallen. Eine moderate Beimischung oder ein globaler Fonds, der diese Märkte bereits enthält, kann einen vernünftigen Mittelweg darstellen. Entscheidend bleibt, dass der Anteil zum eigenen Anlagehorizont und zur persönlichen Bereitschaft passt, auch längere Schwächephasen auszuhalten.
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