Serie Finanzwissen: Blackrock US-Fondsriese bringt Multi-Themen-ETF
Mit dem neuen Multi-Themen-ETF zeigt Blackrock, wie sich der ETF-Markt weiterentwickelt. Aktive Strategien, künstliche Intelligenz und thematische Investments rücken näher zusammen.
Themenfonds haben an den Kapitalmärkten seit Jahren einen festen Platz. Sie bündeln Aktien von Unternehmen, die von bestimmten Entwicklungen profitieren sollen. Dazu zählen etwa künstliche Intelligenz, Gesundheitstechnologie, Energiewende, Cybersecurity oder Infrastruktur. Nun erweitert Blackrock sein Angebot um einen aktiven ETF, der nicht nur ein einzelnes Thema verfolgt, sondern zwischen verschiedenen Trends wechseln kann.
Der neue iShares World Thematic Rotation Active ETF soll marktbestimmende Themen dynamisch nutzen. Damit verbindet Blackrock drei Elemente in einem Produkt: die Auswahl relevanter Themen, das richtige Timing und die laufende Steuerung des Portfolios. Für Anlegerinnen und Anleger ist dies ein Hinweis darauf, dass sich auch der ETF-Markt weiter ausdifferenziert.
Aktive ETFs gewinnen an Bedeutung
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ETFs werden häufig mit passiven Indexprodukten verbunden. Klassische ETFs bilden einen Index möglichst genau nach, etwa den MSCI World oder den DAX. Aktive ETFs funktionieren anders. Sie sind zwar ebenfalls börsengehandelte Fonds, werden aber durch ein Fondsmanagement gesteuert.
Das Management entscheidet, welche Werte aufgenommen, stärker gewichtet oder verkauft werden. Ziel ist es, Chancen gezielter zu nutzen als bei einem starren Index.
In den USA sind aktive ETFs bereits deutlich verbreiteter. In Europa ist das Segment noch klein. Nur ein geringer Teil des ETF-Vermögens entfällt bislang auf aktive Strategien. Dennoch wächst das Interesse. Immer mehr Anbieter bringen entsprechende Produkte auf den Markt.
Mögliche Gründe für diese Entwicklung sind:
- Wunsch nach flexibleren Anlagestrategien
- stärkere Nachfrage nach spezialisierten Themen
- Verbindung von ETF-Struktur und aktivem Management
- Suche nach Lösungen jenseits klassischer Indexprodukte
Der neue Blackrock-ETF passt in diese Entwicklung.
Themenfonds mit gemischter Bilanz
Themeninvestments können auf den ersten Blick überzeugend wirken. Viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends erscheinen langfristig plausibel. Digitalisierung, künstliche Intelligenz oder demografischer Wandel lassen sich leicht nachvollziehen.
Trotzdem ist die Erfolgsbilanz vieler Themenfonds gemischt. Ein zentrales Problem liegt im Timing. Häufig werden Fonds erst dann aufgelegt, wenn ein Thema bereits große Aufmerksamkeit erhalten hat. Zu diesem Zeitpunkt sind viele Aktienkurse oft schon stark gestiegen.
Dann kann es passieren, dass Anlegerinnen und Anleger in ein überzeugendes Zukunftsthema investieren, aber zu einem ungünstigen Preis einsteigen. Das Thema bleibt langfristig wichtig, während einzelne Aktien kurzfristig enttäuschen.
Themenfonds bergen daher besondere Risiken:
- hohe Bewertungen nach starken Kursanstiegen
- Konzentration auf wenige Branchen oder Unternehmen
- Abhängigkeit von Trends und Marktstimmung
- schwierige Abgrenzung echter Gewinner von Mitläufern
Gerade deshalb ist aktives Themenmanagement anspruchsvoll.
Rotation zwischen verschiedenen Trends
Mit dem neuen Multi-Themen-ETF zeigt Blackrock, wie sich der ETF-Markt weiterentwickelt. Aktive Strategien, künstliche Intelligenz und thematische Investments rücken näher zusammen. Der Ansatz bietet Chancen, weil er nicht starr an ein einzelnes Thema gebunden ist."
Der neue iShares-ETF versucht, genau an dieser Stelle anzusetzen. Statt dauerhaft auf ein einzelnes Thema festgelegt zu sein, soll die Strategie aktiv zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Marktthemen wechseln.
Das Portfolio soll regelmäßig angepasst werden und etwa 200 bis 300 Aktienpositionen enthalten. Damit ist der Fonds breiter gestreut als viele eng fokussierte Themenfonds.
Gesteuert wird der Ansatz vom Team für systematische Aktieninvestments bei Blackrock. Systematisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Entscheidungen nicht allein auf Einzeleinschätzungen beruhen. Vielmehr werden große Datenmengen strukturiert ausgewertet.
Nach Angaben von Blackrock nutzt die Strategie künstliche Intelligenz, um Finanznachrichten, Quartalsberichte sowie thematische Portfolios und Fonds zu analysieren. Sprachmodelle sollen daraus Marktthemen ableiten und Unternehmen mit branchenübergreifenden Trends verknüpfen.
Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,6 Prozent pro Jahr. Das ist höher als bei einfachen Welt-ETFs, aber im Bereich spezialisierter aktiver Strategien nicht ungewöhnlich.
Chancen und Grenzen für Anleger
Ein Multi-Themen-ETF kann den Zugang zu Zukunftsthemen vereinfachen. Anlegerinnen und Anleger müssen nicht selbst entscheiden, ob gerade KI, Energie, Gesundheit oder Infrastruktur besonders attraktiv erscheint. Diese Auswahl übernimmt das Fondsmanagement.
Gleichzeitig bleibt die Strategie anspruchsvoll. Auch datenbasierte Modelle können Trends falsch einschätzen oder zu spät erkennen. Zudem hängt der Erfolg davon ab, ob die aktive Themenrotation nach Kosten einen Mehrwert liefert.
Für private Anlegerinnen und Anleger kann ein solches Produkt daher eher eine Beimischung sein als ein Kernbaustein des Vermögens. Der Kern eines Portfolios sollte in der Regel breit, kostengünstig und gut nachvollziehbar strukturiert sein.
Ein aktiver Themen-ETF kann ergänzen, aber nicht die grundlegende Depotstruktur ersetzen.
Fazit
Mit dem neuen Multi-Themen-ETF zeigt Blackrock, wie sich der ETF-Markt weiterentwickelt. Aktive Strategien, künstliche Intelligenz und thematische Investments rücken näher zusammen. Der Ansatz bietet Chancen, weil er nicht starr an ein einzelnes Thema gebunden ist. Gleichzeitig bleiben Themeninvestments schwierig, da Trends oft erst spät erkannt und Bewertungen schnell überzogen sein können. Für Anlegerinnen und Anleger ist deshalb entscheidend, solche Produkte nüchtern einzuordnen: als mögliche Ergänzung, nicht als alleinige Grundlage einer langfristigen Geldanlage.
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