Finanzwissen im Rentenalter Vermögen planmäßig entnehmen
Im Berufsleben geht es meist darum, Vermögen aufzubauen. Im Rentenalter dreht sich die Aufgabe um: Das angesparte Kapital soll nun den Lebensstandard ergänzen, größere Ausgaben ermöglichen und möglichst lange reichen.
Dabei entsteht eine neue Schwierigkeit. Niemand weiß genau, wie lange das Geld benötigt wird, wie sich Preise entwickeln und welche Renditen das verbleibende Vermögen erzielt. Ein guter Entnahmeplan darf deshalb nicht nur festlegen, wie viel monatlich ausgezahlt wird. Er muss auch berücksichtigen, welche Reserven benötigt werden, wie flexibel die Entnahmen bleiben sollen und ob das Kapital vollständig verbraucht oder teilweise erhalten werden soll.
Zuerst die tatsächliche Versorgungslücke bestimmen
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Nicht das vorhandene Vermögen ist der Ausgangspunkt, sondern der monatliche Bedarf. Dafür werden die regelmäßigen Einkünfte aus gesetzlicher Rente, Pension, Versorgungswerk, Betriebsrente und anderen Quellen den laufenden Ausgaben gegenübergestellt.
Erhält ein Haushalt beispielsweise monatlich 3.200 Euro sichere Alterseinkünfte, benötigt aber dauerhaft 4.000 Euro, entsteht zunächst eine Versorgungslücke von 800 Euro. Hinzukommen möglicherweise unregelmäßige Ausgaben für Reisen, Fahrzeuge, Reparaturen an der Immobilie oder gesundheitliche Unterstützung.
Sinnvoll ist deshalb eine Trennung in:
- den regelmäßigen monatlichen Zusatzbedarf,
- absehbare größere Ausgaben der kommenden Jahre,
- eine Reserve für unerwartete Belastungen.
Erst danach lässt sich beurteilen, wie viel Kapital tatsächlich für regelmäßige Entnahmen eingesetzt werden kann.
Kapital erhalten oder bewusst verbrauchen?
Eine der wichtigsten Entscheidungen lautet, ob das Vermögen möglichst erhalten bleiben oder im Laufe des Rentenalters planmäßig aufgebraucht werden soll.
Beim Kapitalerhalt werden im Idealfall nur Zinsen, Ausschüttungen oder andere Erträge entnommen. Das Grundvermögen bleibt bestehen und kann später weiter genutzt oder vererbt werden. Der mögliche monatliche Betrag fällt dadurch meist geringer aus.
Beim Kapitalverzehr werden neben den Erträgen auch Teile des angesparten Vermögens ausgezahlt. Dadurch ist ein höheres Zusatzeinkommen möglich. Gleichzeitig besteht aber das Risiko, dass das Geld früher als geplant aufgebraucht ist.
Ein einfaches Beispiel zeigt den Unterschied: Aus einem Vermögen von 300.000 Euro sollen monatlich 1.200 Euro entnommen werden. Ohne Rendite, Kosten, Steuern und Inflation würde das Kapital rechnerisch für knapp 21 Jahre reichen. Beginnen die Entnahmen mit 67 Jahren, wäre das Vermögen ungefähr mit 88 Jahren verbraucht. Ob diese Planung ausreicht, hängt aber davon ab, wie lange das Geld tatsächlich benötigt wird und welche weiteren Reserven vorhanden sind.
Es gibt nicht die eine sichere Entnahmerate
Entscheidend ist nicht, den maximal möglichen Betrag auszuzahlen. Die Entnahmen sollten so gestaltet sein, dass auch lange Lebensdauer, Inflation, schwache Kapitalmarktphasen und unerwartete Kosten berücksichtigt werden können. Regelmäßige Überprüfungen sind dabei wichtiger als eine einmal festgelegte starre Monatsrate."
Häufig wird versucht, die Planung auf eine feste Prozentzahl zu reduzieren. Eine pauschale Regel, nach der jährlich ein bestimmter Anteil des Anfangsvermögens sicher entnommen werden kann, ist jedoch problematisch. Selbst die häufig genannte Vier-Prozent-Regel funktioniert nicht unter allen Marktbedingungen zuverlässig. Entscheidend ist insbesondere, wie sich die Kapitalmärkte in den ersten Jahren der Entnahme entwickeln.
Fallen die Börsenkurse direkt nach Rentenbeginn stark, müssen für dieselbe Auszahlung mehr Fonds- oder Aktienanteile verkauft werden. Dieses Kapital kann an einer späteren Erholung nicht mehr teilnehmen. Zwei Anleger mit identischem Startvermögen und derselben durchschnittlichen Langfristrendite können deshalb sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen, wenn die guten und schlechten Börsenjahre in einer anderen Reihenfolge auftreten.
Ein Entnahmeplan sollte daher nicht unveränderbar sein. Er kann beispielsweise vorsehen, dass freiwillige Ausgaben nach schwachen Börsenjahren zeitweise reduziert werden oder dass Entnahmen zunächst aus einer separaten Liquiditätsreserve erfolgen.
Drei Vermögensbereiche können die Planung erleichtern
In der Praxis kann es helfen, das Vermögen nach seinem zeitlichen Zweck aufzuteilen.
Der erste Bereich dient den nächsten Jahren. Hier liegen die Beträge, die regelmäßig entnommen oder für bereits absehbare größere Ausgaben benötigt werden. Tagesgeld, gestaffeltes Festgeld oder andere schwankungsarme Anlagen können verhindern, dass Wertpapiere zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft werden müssen.
Der zweite Bereich ist für spätere Jahre vorgesehen und kann etwas länger angelegt werden. Der dritte Bereich bleibt langfristig investiert und soll Erträge liefern sowie einen gewissen Ausgleich für steigende Preise ermöglichen.
Die BaFin nennt Sicherheit, Verfügbarkeit und Rendite als die drei klassischen Ziele einer Geldanlage. Sie lassen sich jedoch nicht gleichzeitig maximieren: Besonders sichere und jederzeit verfügbare Anlagen bieten häufig geringere Ertragschancen.
Unterschiedliche Wege zur regelmäßigen Auszahlung
Für die Entnahme kommen mehrere Modelle infrage. Bei einem Bankauszahlplan wird ein größerer Betrag für eine vereinbarte Laufzeit angelegt und anschließend regelmäßig ausgezahlt. Je nach Gestaltung werden nur die Zinsen oder zusätzlich Teile des Kapitals entnommen. Die Auszahlung ist gut planbar, endet aber nach der vereinbarten Laufzeit.
Bei einem selbst organisierten Entnahmeplan bleiben Teile des Vermögens beispielsweise in Fonds oder anderen Wertpapieren investiert. Monatlich oder jährlich werden Anteile verkauft. Dieses Modell bietet mehr Flexibilität und langfristige Renditechancen, ist aber mit Kursschwankungen verbunden.
Eine lebenslange private Rente kann dagegen das Risiko absichern, sehr alt zu werden. Das eingezahlte Kapital steht anschließend jedoch nicht mehr frei zur Verfügung. Leistungen für Hinterbliebene müssen gesondert vereinbart werden und verringern regelmäßig die Höhe der garantierten Rente.
Häufig kann eine Kombination sinnvoller sein als eine einzige Lösung: ein sicherer Betrag für den unverzichtbaren Lebensunterhalt, eine flexible Reserve für größere Ausgaben und ein langfristig investierter Teil für spätere Jahre.
Inflation in die Planung einbeziehen
Eine gleichbleibende Auszahlung besitzt nicht dauerhaft dieselbe Kaufkraft. Bei steigenden Preisen lässt sich mit 1.000 Euro in zehn oder zwanzig Jahren weniger kaufen als heute. Die Bundesbank weist darauf hin, dass Inflation den Geldwert und damit die Kaufkraft vermindert.
Deshalb sollte ein Entnahmeplan nicht nur den heutigen Bedarf betrachten. Denkbar sind steigende Auszahlungen, regelmäßige Überprüfungen oder ein langfristig investierter Vermögensteil, der die Kaufkraft zumindest teilweise erhalten soll. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht.
Fazit: Aus Vermögen wird ein planbares Einkommen
Ein guter Entnahmeplan verbindet Sicherheit mit Flexibilität. Er beginnt bei den tatsächlichen Ausgaben, trennt laufenden Bedarf und größere Sonderausgaben und beantwortet die Frage, ob das Kapital erhalten oder bewusst verbraucht werden soll.
Entscheidend ist nicht, den maximal möglichen Betrag auszuzahlen. Die Entnahmen sollten so gestaltet sein, dass auch lange Lebensdauer, Inflation, schwache Kapitalmarktphasen und unerwartete Kosten berücksichtigt werden können. Regelmäßige Überprüfungen sind dabei wichtiger als eine einmal festgelegte starre Monatsrate.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer-, Versicherungs- oder Rechtsberatung dar. Kapitalanlagen können im Wert schwanken und Verluste verursachen. Die geeignete Entnahmehöhe und Vermögensstruktur hängen insbesondere vom persönlichen Einkommen, Vermögen, Lebensalter, Risikoprofil, Anlagehorizont und dem gewünschten Kapitalerhalt ab.
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