Investmentstratege Wandelanleihen als Aktienalternative
Unsichere Märkte, strukturelle Risiken und die Suche nach einem ausgewogeneren Chance-Risiko-Profil.
Aktienmärkte können lange stabil wirken, obwohl sich im Hintergrund Risiken aufbauen. Genau darauf weist Beat Thoma, Anlagechef bei Fisch Asset Management, in einer aktuellen Markteinschätzung hin. Seine zentrale Aussage: Viele Anleger unterschätzen derzeit strukturelle Gefahren, während Wandelanleihen in diesem Umfeld ein attraktiveres Chance-Risiko-Profil bieten könnten als reine Aktienanlagen.
Wandelanleihen stehen zwischen Anleihe und Aktie. Sie zahlen in der Regel Zinsen und haben eine feste Laufzeit. Gleichzeitig enthalten sie ein Recht, unter bestimmten Bedingungen in Aktien des Unternehmens gewandelt zu werden. Dadurch entsteht ein hybrides Profil: begrenztere Verlustrisiken als bei Aktien, aber Beteiligung an steigenden Aktienkursen, wenn sich das Unternehmen positiv entwickelt.
Strukturelle Risiken rücken in den Vordergrund
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Thoma sieht vor allem die Entwicklung von Inflation und Staatsverschuldung kritisch. Besonders in den USA, aber auch weltweit, seien diese Faktoren seit längerer Zeit in eine problematische Richtung gelaufen. Hinzu kommen höhere Energiepreise, steigende Rüstungsausgaben und große Refinanzierungsbedarfe an den Anleihemärkten. Diese Belastungen wirken nicht wie kurzfristige Störungen, sondern eher wie strukturelle Trends.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig. Kurzfristige Marktschwankungen können sich schnell beruhigen. Strukturelle Belastungen wirken langsamer, aber oft hartnäckiger. Sie beeinflussen Zinsen, Liquidität, Unternehmensfinanzierung und Bewertungsniveaus. Genau deshalb können sie für Aktienmärkte gefährlich werden, auch wenn sie zunächst wenig beachtet werden.
Wichtige Risikofelder sind derzeit:
- steigende Staatsverschuldung und hoher Refinanzierungsbedarf
- hartnäckige Inflationsrisiken
- restriktivere Zentralbanken und geringere Liquidität
- geopolitische Belastungen und steigende Staatsausgaben
- mögliche Belastungen für Bewertungsniveaus am Aktienmarkt
Diese Faktoren müssen nicht sofort zu fallenden Kursen führen. Sie verändern aber das Risikobild.
Märkte reagieren noch gelassen
Laut Thoma wirken derzeit noch stabilisierende Faktoren. Die Geldmengenentwicklung bleibe moderat, weil Notenbanken restriktiv agieren. Gleichzeitig dämpfen hohe Steuereinnahmen in den USA das Defizit und damit den Druck auf langfristige Zinsen. Deshalb ignorierten die Finanzmärkte viele strukturelle Risiken im Moment noch weitgehend.
Gerade diese Ruhe kann trügerisch sein. Märkte reagieren häufig spät auf langsam wachsende Belastungen. Solange Liquidität, Gewinne und Risikobereitschaft ausreichen, bleiben Warnsignale im Hintergrund. Erst wenn mehrere Faktoren gleichzeitig kippen, kann es zu deutlicheren Bewegungen kommen.
Thoma nennt unter anderem den Dollar-Yen-Wechselkurs sowie Renditen von Staatsanleihen in den USA und Japan als wichtige Beobachtungspunkte. Solche Indikatoren zeigen, ob sich Stress im globalen Finanzsystem aufbaut.
Wandelanleihen als Mittelweg
In einem Umfeld struktureller Risiken kann es sinnvoll sein, reine Aktienrisiken zu reduzieren und Instrumente mit asymmetrischem Profil zu prüfen. Wandelanleihen können dabei eine Rolle spielen. Sie ersetzen aber keine saubere Vermögensstruktur und keine Prüfung der persönlichen Risikotragfähigkeit."
Wandelanleihen können in diesem Umfeld interessant sein, weil sie nicht vollständig wie Aktien funktionieren. Sie bieten eine Aktienkomponente, aber zugleich eine Anleihekomponente. Das kann helfen, stärker an positiven Märkten teilzunehmen, ohne das volle Aktienrisiko zu tragen.
Der besondere Reiz liegt in der Asymmetrie:
- Bei steigenden Aktienkursen kann die Wandeloption an Wert gewinnen.
- Bei fallenden Aktienkursen kann die Anleihekomponente stabilisieren.
- Laufende Zinsen können einen Teil des Ertrags liefern.
- Die Bonität des Emittenten bleibt trotzdem entscheidend.
- Komplexität und Auswahlrisiko sind höher als bei einfachen Anleihen.
Thoma empfiehlt deshalb, Aktienbestände teilweise in Wandelanleihen umzuschichten, weil diese ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil bieten.
Fazit: Keine bessere Aktie, aber ein anderes Risikoprofil
Wandelanleihen sind nicht automatisch die besseren Aktien. Sie sind ein anderes Instrument. Ihr Vorteil liegt nicht darin, Aktien vollständig zu ersetzen, sondern in einem ausgewogeneren Profil zwischen Beteiligung und Schutz. In unsicheren Marktphasen kann genau diese Zwischenstellung wertvoll sein.
Für normale Anleger bleibt die Einordnung entscheidend. Wandelanleihen reagieren auf Aktienkurse, Zinsen, Bonität und Vertragsbedingungen. Sie sind komplexer als klassische Anleihen und weniger direkt als Aktien. Wer sie nutzt, sollte daher nicht nur auf die Aktienchance achten, sondern auch auf Emittentenqualität, Laufzeit, Wandlungsbedingungen und Streuung.
Die Aussage des Investmentstrategen ist daher als strategischer Hinweis zu verstehen. In einem Umfeld struktureller Risiken kann es sinnvoll sein, reine Aktienrisiken zu reduzieren und Instrumente mit asymmetrischem Profil zu prüfen. Wandelanleihen können dabei eine Rolle spielen. Sie ersetzen aber keine saubere Vermögensstruktur und keine Prüfung der persönlichen Risikotragfähigkeit.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt












