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Finanzlexikon Wirkungskapital: Zusätzlichkeit prüfen

Kapitalanlagen mit Wirkungsanspruch und ihr tatsächlicher Beitrag.

Bei Impact Investments reicht es nicht, dass ein Unternehmen oder Projekt grundsätzlich sinnvoll erscheint. Entscheidend ist auch, welchen Beitrag das eingesetzte Kapital tatsächlich leistet. Genau hier beginnt das Thema Zusätzlichkeit. Gemeint ist die Frage, ob eine soziale oder ökologische Veränderung ohne dieses Kapital ebenfalls entstanden wäre oder ob das Investment einen echten Unterschied macht.

Für normale Finanzanleger ist dieser Punkt wichtig, weil viele Anlagen überzeugend klingen. Ein Fonds investiert in erneuerbare Energien, ein Unternehmen arbeitet im Gesundheitsbereich, eine Anleihe finanziert soziale Infrastruktur. Das kann sinnvoll sein. Es sagt aber noch nicht automatisch, ob das Kapital wirklich etwas ermöglicht, beschleunigt oder verbessert hat.

Kapital als Auslöser oder Beschleuniger

Zusätzlichkeit entsteht besonders dann, wenn Kapital eine Entwicklung ermöglicht, die sonst nicht oder deutlich später stattgefunden hätte. Das kann bei neuen Projekten, kleineren Unternehmen, Mikrofinanz, sozialer Infrastruktur oder innovativen Technologien der Fall sein. Kapital wird dann nicht nur angelegt, sondern schafft Handlungsspielraum.

Ein Solarpark, der ohne Finanzierung nicht gebaut worden wäre, kann ein klares Beispiel sein. Auch ein Gesundheitsunternehmen, das mit frischem Kapital neue Regionen erreicht, kann zusätzlichen Nutzen schaffen. Ähnliches gilt für Mikrofinanz, wenn Menschen Zugang zu Krediten erhalten, die sie über klassische Banken nicht bekommen hätten.

Zusätzlichkeit kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen:

  • ein Projekt wird überhaupt erst finanziert
  • ein Unternehmen kann schneller wachsen
  • eine soziale Dienstleistung erreicht mehr Menschen
  • eine Technologie kommt früher zur Anwendung
  • Kapital fließt in Bereiche, die sonst unterfinanziert bleiben

Je konkreter dieser Zusammenhang beschrieben wird, desto besser lässt sich der Beitrag einordnen.

Mitlaufen, ermöglichen und verstärken unterscheiden

Nicht jede Anlage mit nachhaltigem Bezug ist automatisch zusätzlich. Wer eine Aktie eines großen börsennotierten Unternehmens kauft, finanziert dieses Unternehmen nicht immer direkt mit neuem Kapital. Häufig wechselt nur der Eigentümer der Aktie am Markt. Das kann trotzdem Teil einer nachhaltigen Anlagestrategie sein, ist aber nicht dasselbe wie die Finanzierung eines neuen Projekts.

Deshalb sollte zwischen Mitlaufen, Ermöglichen und Verstärken unterschieden werden. Mitlaufen bedeutet, dass Kapital in Unternehmen oder Projekte fließt, die ohnehin aktiv sind. Ermöglichen bedeutet, dass eine Finanzierung die Umsetzung überhaupt erst schafft. Verstärken bedeutet, dass vorhandene Aktivitäten durch Kapital ausgeweitet oder beschleunigt werden.

Diese Unterscheidung schützt vor überhöhten Erwartungen. Ein Impact-Fonds kann glaubwürdig sein, auch wenn nicht jede einzelne Anlage denselben direkten Beitrag leistet. Wichtig ist aber, dass der Anbieter offen erklärt, wo der Kapitalbeitrag liegt und wo die Grenzen bestehen.

Zusätzlichkeit bei Projekten, Fonds und Unternehmen

Der gute Zweck allein reicht nicht aus. Es sollte erkennbar sein, ob Kapital etwas ermöglicht, verstärkt oder nur begleitet. Diese Unterscheidung macht Impact Investing glaubwürdiger und schützt vor überzogenen Versprechen."

Bei direkten Projektfinanzierungen lässt sich Zusätzlichkeit oft leichter erkennen. Ein Windpark, eine Schule, ein Pflegezentrum oder eine Mikrofinanzstruktur benötigt konkretes Kapital. Hier kann geprüft werden, ob das Investment zur Umsetzung beigetragen hat.

Bei Fonds ist die Prüfung schwieriger. Anleger investieren nicht in ein einzelnes Vorhaben, sondern in ein Portfolio. Dann kommt es darauf an, wie der Fonds Kapital auswählt, welche Unternehmen oder Projekte finanziert werden und wie über den Beitrag berichtet wird. Besonders wichtig ist, ob neues Kapital bereitgestellt wird oder ob überwiegend bestehende Wertpapiere gehandelt werden.

Bei Unternehmen sollte geprüft werden, ob das Geschäftsmodell selbst auf soziale oder ökologische Verbesserung ausgerichtet ist. Ein Unternehmen, das saubere Energie produziert, hat einen anderen Wirkungsbezug als ein Konzern, der lediglich einzelne Nachhaltigkeitsziele berichtet. Entscheidend bleibt die Frage, ob Umsatz, Wachstum und Nutzen des Unternehmens tatsächlich mit dem angestrebten Beitrag verbunden sind.

Prüfpunkte für Anleger können sein:

  • Zweck der Finanzierung
  • Verwendung des eingesetzten Kapitals
  • Art der Anlageklasse und Laufzeit
  • Bericht über konkrete Ergebnisse
  • nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen Kapital und Beitrag

Diese Prüfung muss nicht perfekt sein. Sie sollte aber verhindern, dass Wirkung nur aus dem Namen eines Produkts abgeleitet wird.

Fazit

Zusätzlichkeit ist eines der anspruchsvollsten Merkmale von Wirkungskapital. Sie fragt nach dem tatsächlichen Beitrag des Investments. Nicht jedes nachhaltige Unternehmen, nicht jeder grüne Fonds und nicht jede soziale Anleihe erfüllt diesen Anspruch in gleicher Weise. Gerade deshalb ist eine sorgfältige Einordnung wichtig.

Für normale Finanzanleger bedeutet das: Der gute Zweck allein reicht nicht aus. Es sollte erkennbar sein, ob Kapital etwas ermöglicht, verstärkt oder nur begleitet. Diese Unterscheidung macht Impact Investing glaubwürdiger und schützt vor überzogenen Versprechen.

Zusätzlichkeit lässt sich nicht immer eindeutig beweisen. Manche Beiträge sind direkt sichtbar, andere nur indirekt. Trotzdem sollte ein Anbieter erklären können, warum das eingesetzte Kapital gebraucht wird und welchen Unterschied es machen soll. Wirkungskapital gewinnt an Substanz, wenn dieser Zusammenhang nachvollziehbar bleibt.

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