Menschen, die Märkte bewegen Bill Gates – wie Software zum weltweiten Standard wurde

1975 entwickelten Gates und Allen eine Version der Programmiersprache BASIC für den Altair 8800, einen frühen Personal Computer. Daraus entstand Microsoft.

Bill Gates erkannte früh, dass der Erfolg des Personal Computers nicht allein von leistungsfähiger Hardware abhängen würde. Rückblickend brachte er diese Erkenntnis auf einen einfachen Satz: „We saw that there was one missing element, and that was software.“ („Wir erkannten, dass ein entscheidendes Element fehlte: die Software.“) In den 1970er-Jahren wurden Computer kleiner und erschwinglicher, doch ohne geeignete Programme blieben ihre Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Gates und sein Jugendfreund Paul Allen sahen deshalb ihre Chance nicht im Bau eigener Geräte, sondern in der Entwicklung der Software, die auf den Computern unterschiedlicher Hersteller laufen sollte.

Damit trafen sie eine Entscheidung, die die Computerbranche über Jahrzehnte prägen sollte: Microsoft konzentrierte sich auf die digitale Grundlage, ohne die der Personal Computer für die meisten Menschen kaum nutzbar gewesen wäre.

Der Computer braucht ein gemeinsames Fundament

1975 entwickelten Gates und Allen eine Version der Programmiersprache BASIC für den Altair 8800, einen frühen Personal Computer. Daraus entstand Microsoft. Der Name setzte sich aus den Begriffen Mikroprozessor und Software zusammen.

Der entscheidende Durchbruch folgte mit dem IBM-PC. Microsoft lieferte dafür das Betriebssystem MS-DOS. Als IBM seinen Personal Computer 1981 auf den Markt brachte, gehörten MS-DOS und weitere Microsoft-Programme zur angebotenen Ausstattung.

Ein Betriebssystem ist für einen Computer von grundlegender Bedeutung. Es verbindet die Hardware mit den Programmen, die der Nutzer verwenden möchte. Wer dieses Fundament kontrolliert, befindet sich an einer besonders attraktiven Stelle der Wertschöpfung.

Microsoft musste dabei nicht jeden Computer selbst produzieren. Das Unternehmen konnte seine Software an verschiedene Hersteller lizenzieren. Mit jedem zusätzlichen PC, der ein Microsoft-Betriebssystem nutzte, wuchs die Bedeutung der Plattform.

Warum Standards so wertvoll sind

Der Erfolg von Gates beruhte nicht nur auf guten Programmen. Microsoft schuf einen Standard, an dem sich Hersteller, Softwareentwickler, Unternehmen und private Nutzer orientierten.

Dabei entstand ein sich selbst verstärkender Kreislauf:

  • Je mehr Computer mit Microsoft-Software liefen, desto attraktiver wurde die Plattform für Entwickler.
  • Je mehr Programme verfügbar waren, desto nützlicher wurde das Betriebssystem für die Kunden.
  • Je mehr Kunden sich daran gewöhnten, desto schwieriger wurde der Wechsel zu einer anderen Lösung.

Später verstärkte Microsoft diese Position mit Windows und dem Programmpaket Office. Word, Excel und PowerPoint wurden in vielen Unternehmen und Privathaushalten zu alltäglichen Werkzeugen. Die erste Office-Suite wurde 1989 vorgestellt; 1990 folgte Office für Windows mit Word, Excel und PowerPoint.

Für Kunden hatte diese Verbreitung praktische Vorteile. Dokumente ließen sich austauschen, Beschäftigte mussten nicht für jedes Unternehmen neue Programme erlernen und Hersteller konnten ihre Angebote auf eine weit verbreitete Plattform ausrichten.

Wenn Stärke in Marktmacht umschlägt

Gates Erfolg zeigt, welche wirtschaftliche Kraft entsteht, wenn ein Produkt zum Standard einer ganzen Branche wird. Für Anleger liegt darin eine wichtige Lehre: Besonders interessant können Unternehmen sein, die nicht nur ein einzelnes Produkt verkaufen, sondern die Grundlage schaffen, auf der viele andere Angebote aufbauen."

Die gleiche Stellung, die Microsoft wirtschaftlich so erfolgreich machte, führte jedoch auch zu Kritik. In den 1990er-Jahren verfügte Windows bei Betriebssystemen für Intel-kompatible PCs über eine außergewöhnlich starke Marktstellung. Ein US-Gericht stellte fest, dass Microsoft in diesem Markt Monopolmacht besaß und dass hohe Eintrittsbarrieren mögliche Konkurrenten behinderten.

Im Mittelpunkt des Wettbewerbsverfahrens stand unter anderem die Frage, ob Microsoft seine Stellung bei Betriebssystemen nutzte, um konkurrierende Internetbrowser zurückzudrängen. Das US-Justizministerium warf dem Unternehmen vor, seine Marktmacht durch wettbewerbswidriges Verhalten abgesichert zu haben.

Das Beispiel zeigt eine wichtige wirtschaftliche Grenze: Netzwerkeffekte und Standards können großen Kundennutzen schaffen. Sie können aber zugleich dazu führen, dass Alternativen kaum noch eine Chance erhalten.

Gates war daher nicht nur der visionäre Programmierer, der den Personal Computer für Millionen Menschen nutzbar machte. Er war auch ein äußerst durchsetzungsstarker Unternehmer, der Microsofts Position konsequent verteidigte.

Was Anleger von Bill Gates lernen können

Die Geschichte von Microsoft zeigt, dass das wertvollste Produkt einer Branche nicht immer das sichtbarste sein muss. Computerhersteller verkauften die Geräte. Microsoft stellte jedoch die Software bereit, auf der viele dieser Geräte funktionierten.

Für Anleger lohnt es sich deshalb, nach Unternehmen zu suchen, deren Produkte:

  • von zahlreichen anderen Unternehmen benötigt werden,
  • sich als Standard etablieren können,
  • Kunden und Entwickler langfristig an eine Plattform binden,
  • mit vergleichsweise geringen Zusatzkosten vielfach verkauft werden können.

Solche Geschäftsmodelle können besonders hohe Gewinne erzielen. Sie bergen allerdings auch regulatorische Risiken. Je unverzichtbarer eine Plattform wird, desto stärker interessieren sich Wettbewerbsbehörden und Politik für ihre Macht.

Vom Unternehmer zum Stifter

Gates zog sich 2008 weitgehend aus dem Tagesgeschäft von Microsoft zurück und konzentrierte sich anschließend auf die Arbeit der Gates Foundation. Heute beschäftigt er sich unter anderem mit globaler Gesundheit, Armutsbekämpfung, Bildung, Klima und technologischer Innovation.

Der Grundgedanke blieb ähnlich: Gates sucht nach Bereichen, in denen eine neue Technologie oder eine gut organisierte Plattform eine möglichst große Wirkung entfalten kann.

Fazit: Das fehlende Element richtig erkennen

Bill Gates erkannte früh, dass Computer allein noch keine digitale Revolution auslösen würden. Erst die passende Software machte sie für Unternehmen und private Nutzer wirklich wertvoll.

Sein Erfolg zeigt, welche wirtschaftliche Kraft entsteht, wenn ein Produkt zum Standard einer ganzen Branche wird. Für Anleger liegt darin eine wichtige Lehre: Besonders interessant können Unternehmen sein, die nicht nur ein einzelnes Produkt verkaufen, sondern die Grundlage schaffen, auf der viele andere Angebote aufbauen.