Unsichtbare Risiken Cyberangriffe und Datenrisiken

Wenn digitale Angriffe reale Werte treffen.

Unternehmen verwalten Geld, Produktionsanlagen, Kundendaten und Geschäftsgeheimnisse längst überwiegend digital. Damit entstehen neue Verwundbarkeiten, die in Bilanzen nur schwer zu erkennen sind. Ein Cyberangriff kann innerhalb weniger Stunden Fabriken stilllegen, Zahlungssysteme blockieren oder vertrauliche Daten offenlegen - und aus einem technischen Problem sehr schnell ein wirtschaftliches Risiko machen.

Bei klassischen Unternehmensrisiken lässt sich vieles zumindest grundsätzlich einschätzen. Produktionskapazitäten, Schulden, Marktanteile oder Rohstoffkosten sind sichtbar und häufig gut dokumentiert. Schwieriger wird es bei der digitalen Infrastruktur. Von außen ist kaum erkennbar, wie gut ein Unternehmen seine Systeme schützt, welche Altsoftware noch verwendet wird oder ob wichtige Prozesse von wenigen zentralen Anwendungen abhängen. Gerade deshalb gehören Cyberrisiken zu den typischen unsichtbaren Gefahren eines modernen Vermögens.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um gestohlene Passwörter. Cyberangriffe können Produktionsanlagen, Krankenhäuser, Logistiksysteme, Banken oder komplette Konzernnetzwerke treffen. Je stärker Unternehmen digitalisiert sind, desto größer kann paradoxerweise auch die wirtschaftliche Wirkung einer erfolgreichen Attacke werden.

Varta zeigt, wie schnell Produktion betroffen sein kann

Ein greifbares deutsches Beispiel lieferte der Batteriehersteller Varta. Nach einem Cyberangriff im Jahr 2024 musste das Unternehmen Teile seiner IT-Systeme herunterfahren.

Dadurch wurden auch Produktions- und Verwaltungsprozesse beeinträchtigt. Gleichzeitig erschwerte der Angriff die Erstellung wichtiger Finanzberichte.

Das Beispiel macht deutlich, dass ein Cyberangriff nicht isoliert in der IT-Abteilung bleibt.

Wenn Produktionsplanung, Warenwirtschaft oder Buchhaltung nicht verfügbar sind, kann ein Industriebetrieb selbst dann Probleme bekommen, wenn Maschinen, Mitarbeiter und Auftragsbestand eigentlich vorhanden sind.

Für Menschen, die Aktien eines Unternehmens besitzen oder über Fonds daran beteiligt sind, wird damit eine Abhängigkeit sichtbar, die vorher kaum wahrgenommen wurde: Ein moderner Produktionsstandort funktioniert nur noch, wenn auch seine digitalen Systeme funktionieren.

MGM Resorts wurde digital ausgebremst

Noch anschaulicher wurde die Verbindung zwischen IT und Tagesgeschäft beim Angriff auf MGM Resorts in den USA. Hotels und Casinos waren 2023 von erheblichen Systemausfällen betroffen. Digitale Zimmerzugänge, Zahlungssysteme und andere operative Anwendungen funktionierten zeitweise nur eingeschränkt.

Ein Hotelgebäude verschwindet durch einen Cyberangriff natürlich nicht. Die Zimmer sind weiterhin vorhanden, Restaurants können geöffnet sein und Gäste stehen vor der Rezeption. Trotzdem kann ein Unternehmen erhebliche Umsätze verlieren, wenn Buchung, Bezahlung oder Zugangssysteme nicht mehr zuverlässig funktionieren.

Genau darin liegt das Besondere digitaler Risiken: Physische Vermögenswerte können vollständig intakt bleiben und wirtschaftlich trotzdem vorübergehend kaum nutzbar sein.

Ransomware macht Daten zum Druckmittel

Eine besonders aggressive Form von Cyberkriminalität ist Ransomware (Schadsoftware, die Daten oder Systeme sperrt und Lösegeld verlangt). Angreifende verschlüsseln dabei häufig zentrale Unternehmensdaten und verlangen Geld für deren Freigabe. Zunehmend werden Informationen zusätzlich kopiert und mit ihrer Veröffentlichung gedroht.

Für betroffene Unternehmen können mehrere Belastungen gleichzeitig entstehen:

  • Produktions- oder Geschäftsausfälle während der Wiederherstellung,
  • Kosten für IT-Spezialisten, Rechtsberatung und neue Sicherheitssysteme,
  • Schadenersatzforderungen, regulatorische Folgen und Vertrauensverluste.

Die unmittelbare Lösegeldforderung ist damit häufig nur ein kleiner Teil des wirtschaftlichen Schadens. Besonders teuer kann es werden, wenn ein Unternehmen seine Systeme über Wochen neu aufbauen oder Kunden nach einem Datenverlust entschädigen muss.

Gesundheitsdaten zeigen den Wert gestohlener Informationen

Cyberangriffe zeigen besonders deutlich, wie sehr sich die Grundlagen wirtschaftlichen Wertes verändert haben. Eine Fabrik kann stehen, ein Hotel vollständig eingerichtet und ein Unternehmen finanziell solide sein - und trotzdem kann ein Angriff auf wenige zentrale Systeme große Teile des Geschäfts zeitweise lahmlegen."

Der Angriff auf Change Healthcare in den USA zeigte 2024 eine weitere Dimension. Das Unternehmen verarbeitet einen erheblichen Teil der digitalen Abläufe zwischen Ärzten, Apotheken und Versicherungen. Nach einem Ransomware-Angriff entstanden weitreichende Störungen bei Abrechnungen und Zahlungen.

Das Beispiel zeigt, warum Cyberrisiken nicht nur einzelne Unternehmen betreffen. Manche Anbieter bilden digitale Knotenpunkte einer ganzen Branche. Fällt ein solches Unternehmen aus, können zahlreiche Kunden und Geschäftspartner gleichzeitig betroffen sein.

Damit ähnelt die digitale Wirtschaft zunehmend den globalen Lieferketten: Nicht jede Abhängigkeit ist auf den ersten Blick sichtbar, und manchmal genügt der Ausfall eines einzigen zentralen Dienstleisters, um viele Unternehmen gleichzeitig zu treffen.

Datenverlust kann länger wirken als der Angriff selbst

Noch schwieriger zu beziffern sind gestohlene Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse. Ein Server lässt sich ersetzen und ein Netzwerk wiederherstellen. Einmal veröffentlichte personenbezogene Daten können dagegen nicht einfach zurückgeholt werden.

Werden Namen, Adressen, Kontodaten oder Zugangsinformationen entwendet, drohen nicht nur direkte Kosten. Kunden können das Vertrauen verlieren, Aufsichtsbehörden Untersuchungen einleiten und Unternehmen müssen über Jahre zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen finanzieren. Werden technische Zeichnungen, Forschungsdaten oder Entwicklungsinformationen gestohlen, kann sogar ein Wettbewerbsvorteil verloren gehen.

Die Qualität der Datensicherheit wird damit zunehmend selbst zu einem wirtschaftlichen Faktor.

Auch das private Vermögen ist digital geworden

Cyberrisiken enden nicht beim Unternehmen. Konten, Depots, Kreditkarten, Versicherungen und zahlreiche Verträge werden heute online verwaltet. Gleichzeitig versuchen Kriminelle zunehmend, über Phishing, gefälschte Bankseiten oder gestohlene Zugangsdaten unmittelbar auf private Vermögenswerte zuzugreifen.

Einige einfache Grundregeln können die persönliche Verwundbarkeit deutlich reduzieren:

  • unterschiedliche starke Passwörter und möglichst Zwei-Faktor-Authentifizierung verwenden,
  • Zahlungs- und Depotbewegungen regelmäßig kontrollieren,
  • bei unerwarteten Nachrichten, Links oder angeblichen Bankanrufen besonders vorsichtig sein.

Gerade bei größeren Vermögen lohnt es sich außerdem, digitale Zugänge ebenso systematisch zu organisieren wie klassische Finanzunterlagen.

Fazit: Der digitale Teil des Vermögens bleibt oft unsichtbar

Cyberangriffe zeigen besonders deutlich, wie sehr sich die Grundlagen wirtschaftlichen Wertes verändert haben. Eine Fabrik kann stehen, ein Hotel vollständig eingerichtet und ein Unternehmen finanziell solide sein - und trotzdem kann ein Angriff auf wenige zentrale Systeme große Teile des Geschäfts zeitweise lahmlegen.

Für die Beurteilung eines Vermögens reicht deshalb der Blick auf sichtbare Werte immer weniger aus. Digitale Infrastruktur, Daten und Zugangssysteme sind längst Teil davon geworden, auch wenn sie in keiner Vermögensübersicht als eigenes Gebäude oder Maschine erscheinen. Der gefährlichste Angriff trifft deshalb manchmal nicht das sichtbare Vermögen selbst, sondern genau jene unsichtbaren Systeme, ohne die es seinen Wert nicht entfalten kann.

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