Mehr als Industrieländer Der MSCI World investiert weltweit

Der Name führt leicht zu falschen Erwartungen.

Der Name klingt eindeutig: Wer in einen MSCI World investiert, legt sein Geld weltweit an. Genau deshalb gehört dieser Index heute zu den beliebtesten Geldanlagen überhaupt. Millionen Menschen besparen ihn Monat für Monat und gehen davon aus, automatisch an der Entwicklung der gesamten Weltwirtschaft beteiligt zu sein. Der MSCI World ist tatsächlich ein hervorragender Baustein für viele Anleger. Die Börsenweisheit "Der MSCI World investiert weltweit" stimmt jedoch nur teilweise. Der Name verspricht mehr, als der Index tatsächlich enthält.

Die Welt besteht aus mehr als Industrieländern

Der MSCI World umfasst große und mittelgroße Unternehmen aus den entwickelten Industrieländern. Dazu gehören beispielsweise die USA, Deutschland, Frankreich, Japan oder Australien.

Nicht enthalten sind dagegen viele Länder, deren Wirtschaft in den vergangenen Jahren besonders stark gewachsen ist. Dazu zählen unter anderem China, Indien, Brasilien oder Indonesien. Diese Staaten werden als Schwellenländer bezeichnet. Sie sind in einem anderen Index zusammengefasst und gehören nicht zum MSCI World.

Ein Anleger investiert mit dem MSCI World also nicht in die gesamte Welt, sondern in einen großen Teil der entwickelten Volkswirtschaften.

Die USA bestimmen die Entwicklung besonders stark

Ein weiterer Punkt überrascht viele Anleger. Obwohl der Index zahlreiche Länder enthält, verteilt sich das Vermögen nicht gleichmäßig.

Rund zwei Drittel des Index entfallen auf Unternehmen aus den USA. Länder wie Deutschland oder Frankreich machen dagegen jeweils nur einen kleinen Anteil aus.

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt die Größenordnung:

  • USA: rund 65 bis 70 Prozent
  • Japan: etwa 5 bis 6 Prozent
  • Großbritannien: etwa 3 bis 4 Prozent
  • Deutschland: etwa 2 bis 3 Prozent
  • übrige Länder: der verbleibende Anteil

Entwickeln sich amerikanische Unternehmen besonders gut, profitiert der MSCI World davon erheblich. Schwächelt der US-Aktienmarkt, wirkt sich das ebenfalls deutlich auf den gesamten Index aus.

Das ist kein Fehler des Index, sondern das Ergebnis der aktuellen Börsenwerte der enthaltenen Unternehmen.

Weltweit bedeutet nicht automatisch überall gleich

Kaufen Sie niemals einen Fonds allein wegen seines Namens. Schauen Sie sich immer an, worin tatsächlich investiert wird."

Viele Anleger verbinden den Begriff "weltweit" mit einer möglichst gleichmäßigen Verteilung über alle Regionen der Erde. Genau das verfolgt der MSCI World jedoch nicht.

Er bildet die tatsächliche Größe der Unternehmen an den internationalen Börsen ab. Deshalb nehmen besonders wertvolle Konzerne wie große Technologieunternehmen einen erheblichen Anteil ein.

Vor einer Anlage lohnt sich deshalb ein Blick auf den Inhalt des Index:

  • Welche Länder sind enthalten?
  • Welche Regionen fehlen?
  • Welche Branchen dominieren?
  • Wie stark sind einzelne Unternehmen gewichtet?

Wer diese Fragen beantworten kann, versteht deutlich besser, worin eigentlich investiert wird.

Ein hervorragender Baustein – aber keine komplette Welt

Die Börsenweisheit "Der MSCI World investiert weltweit" enthält also einen wahren Kern. Anleger investieren in Unternehmen aus vielen verschiedenen Ländern und erhalten dadurch eine breite Streuung. Gleichzeitig bildet der Index jedoch nicht die gesamte Weltwirtschaft ab. Schwellenländer fehlen vollständig und die Vereinigten Staaten bestimmen einen sehr großen Teil der Entwicklung.

Für die meisten privaten Anleger bleibt der MSCI World dennoch eine sehr gute Grundlage für den langfristigen Vermögensaufbau. Wichtig ist lediglich, die eigenen Erwartungen an den Index richtig einzuordnen. Wer weiß, was enthalten ist – und ebenso, was nicht enthalten ist –, trifft bewusstere Anlageentscheidungen und lässt sich später nicht von vermeintlichen Überraschungen verunsichern.

Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Kaufen Sie niemals einen Fonds allein wegen seines Namens. Schauen Sie sich immer an, worin tatsächlich investiert wird. Schon wenige Minuten Beschäftigung mit dem Inhalt eines Index helfen oft mehr als viele Stunden Diskussion über den vermeintlich besten Fonds. Wer versteht, was er besitzt, investiert langfristig meist deutlich entspannter.