EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel EZB stellt Zukunft von Stablecoins infrage
Warum öffentliches Geld der Anker des Finanzsystems bleiben soll.
Stablecoins gelten vielen als Brücke zwischen klassischem Geld und digitaler Finanzwelt. Sie sollen wertstabil sein, schnelle Zahlungen ermöglichen und sich gut in digitale Anwendungen einfügen. Doch aus Sicht der Europäischen Zentralbank bleiben erhebliche Risiken. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sieht Stablecoins nicht nur als technische Innovation, sondern als mögliche Herausforderung für Finanzstabilität, Geldpolitik und Währungssouveränität.
Ihr zentraler Punkt lautet: Auch im digitalen Zeitalter muss öffentliches Geld der Anker des Finanzsystems bleiben. Gemeint ist Geld, das von Zentralbanken ausgegeben oder garantiert wird. Es bildet die verlässliche Grundlage, an der sich private Geldformen orientieren.
Stablecoins zwischen Nutzen und Risiko
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Stablecoins sind digitale Werteinheiten, die meist an eine klassische Währung gekoppelt sind. Besonders verbreitet sind Stablecoins auf Basis des US-Dollar.
Sie können Zahlungen beschleunigen, digitale Geschäfte erleichtern und neue Anwendungen im Finanzsektor ermöglichen.
Der Nutzen liegt vor allem in der Technologie. Transaktionen können automatisiert, programmierbar und grenzüberschreitend abgewickelt werden. Für digitale Märkte, Wertpapierabwicklung oder internationale Zahlungen kann das interessant sein.
Gleichzeitig entstehen Risiken. Ein Stablecoin ist nur so stabil wie seine Deckung, seine Regeln und das Vertrauen in den Anbieter. Wenn Anleger in Stressphasen Zweifel bekommen, kann es zu schnellen Abflüssen kommen.
Solche digitalen Bank Runs könnten nicht nur einzelne Anbieter treffen, sondern auch Banken und Finanzmärkte belasten.
Gefahr für Banken und Geldpolitik
Schnabel warnt vor mehreren möglichen Folgen. Wenn viele Menschen oder Unternehmen Geld aus Bankeinlagen in Stablecoins umschichten, könnte das Bankensystem unter Druck geraten. Banken nutzen Einlagen, um Kredite zu vergeben und Liquidität zu steuern. Große Abflüsse können dieses Modell erschweren.
Auch die Geldpolitik könnte betroffen sein. Zentralbanken steuern Leitzinsen, damit diese über Banken und Finanzmärkte in der Wirtschaft wirken. Wenn ein wachsender Teil des Zahlungs- und Sparsystems in private digitale Geldformen abwandert, kann diese Übertragung schwächer werden.
Ein weiterer Punkt betrifft die internationale Währungsordnung. Da viele Stablecoins an den US-Dollar gekoppelt sind, könnte ihre Verbreitung die Dominanz des Dollar weiter stärken. Für Europa wäre das problematisch, wenn digitale Zahlungen zunehmend über dollarbasierte Instrumente laufen.
Wichtige Risiken sind daher:
- schnelle Abflüsse in Stressphasen,
- Belastung von Banken und Einlagenbasis,
- schwächere geldpolitische Steuerung,
- stärkere Dollar-Dominanz,
- Abhängigkeit von privaten Anbietern.
Diese Punkte erklären die vorsichtige Haltung der EZB.
Der digitale Euro als Antwort
Die EZB sieht Stablecoins nicht grundsätzlich als nutzlos an. Sie erkennt technologische Vorteile an, warnt aber vor erheblichen Risiken. Isabel Schnabel macht deutlich, dass Finanzstabilität, geldpolitische Kontrolle und Währungssouveränität nicht dem Zufall überlassen werden dürfen."
Die EZB setzt deshalb auf den digitalen Euro. Er soll eine digitale Form von Zentralbankgeld für private Nutzerinnen und Nutzer werden. Zentralbankgeld ist Geld, das direkt von der Zentralbank kommt. Bargeld ist heute die bekannteste Form davon.
Mit dem digitalen Euro will die EZB sicherstellen, dass öffentliches Geld auch in einer zunehmend digitalen Zahlungswelt verfügbar bleibt. Parallel arbeitet sie an tokenisiertem Zentralbankgeld für den Großhandel. Damit sind digitale Formen von Zentralbankgeld für Banken, Finanzinstitute und Wertpapierabwicklung gemeint.
Die Idee dahinter ist klar: Die Vorteile neuer Technologie sollen genutzt werden, ohne die Geldordnung vollständig privaten Anbietern zu überlassen. Wenn Programmierbarkeit, schnelle Abwicklung und digitale Infrastruktur wertvoll sind, müssen diese Fähigkeiten nicht zwingend über Stablecoins bereitgestellt werden.
Technologie statt Instrument
Schnabel betont, dass viele Vorteile von Stablecoins aus der zugrunde liegenden Technologie stammen, nicht aus dem Stablecoin selbst. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Digitale Register, Tokenisierung und automatisierte Abwicklung können auch mit anderen Instrumenten genutzt werden.
Tokenisierte Einlagen könnten eine solche Alternative sein. Dabei würden klassische Bankeinlagen in digitaler Form abgebildet und technisch besser nutzbar gemacht. Sie blieben stärker mit dem bestehenden Bankensystem verbunden als unabhängige Stablecoins.
Damit stellt sich die Frage, welche Lösung langfristig tragfähiger ist: private Stablecoins, digitale Zentralbankwährungen oder tokenisierte Bankeinlagen. Schnabel lässt offen, ob Stablecoins dauerhaft eine ähnliche Rolle finden werden wie Geldmarktfonds vor rund 50 Jahren. Sie hält es aber für möglich, dass andere Innovationen überzeugender werden.
Einordnung für Anleger und Verbraucher
Für private Anlegerinnen und Anleger sind Stablecoins keine risikofreie Bargeldalternative. Sie können im Kryptohandel oder bei digitalen Transaktionen nützlich sein. Dennoch bleiben Deckung, Regulierung, Anbieterqualität und technische Sicherheit entscheidend.
Auch für Europa ist die Frage größer als einzelne Produkte. Es geht darum, wer digitale Zahlungsinfrastruktur kontrolliert, welche Währungen dort dominieren und wie stabil das System in Krisen bleibt.
Fazit
Die EZB sieht Stablecoins nicht grundsätzlich als nutzlos an. Sie erkennt technologische Vorteile an, warnt aber vor erheblichen Risiken. Isabel Schnabel macht deutlich, dass Finanzstabilität, geldpolitische Kontrolle und Währungssouveränität nicht dem Zufall überlassen werden dürfen.
Der digitale Euro ist aus Sicht der EZB eine strategische Antwort. Er soll öffentliches Geld in die digitale Welt übertragen und damit den Anker des Finanzsystems sichern. Ob Stablecoins langfristig eine feste Rolle finden oder von tokenisierten Einlagen und digitalem Zentralbankgeld verdrängt werden, bleibt offen.
Für Europa wird entscheidend sein, Innovation zu ermöglichen, ohne die Kontrolle über zentrale Geldfunktionen zu verlieren.
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