Quereinstieg bei Sparkassen Fachkräftemangel verändert Personalstrategie
Banken öffnen sich stärker für neue Berufswege.
Der Fachkräftemangel erreicht zunehmend auch den Bankensektor. Besonders Sparkassen reagieren darauf mit einem stärkeren Fokus auf Quereinsteiger. Die Sparkassenakademie Bayern verzeichnet bei ihrer Qualifizierung zum Sparkassenkaufmann beziehungsweise zur Sparkassenkauffrau deutlich steigende Teilnehmerzahlen.
Zuletzt nahmen 215 Personen an der Weiterbildung teil. Gegenüber den Jahren 2015 oder 2020 entspricht das nach Angaben der Akademie ungefähr einer Verzehnfachung.
Hinter dieser Entwicklung stehen vor allem zwei Faktoren: zu wenige Bewerber für klassische Ausbildungsplätze und eine große Zahl älterer Beschäftigter, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen wird.
Demografie verschärft den Personalbedarf
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Viele Sparkassen stehen vor einem strukturellen Problem. Einerseits sinkt in manchen Regionen die Zahl junger Bewerber. Andererseits erreichen zahlreiche langjährige Beschäftigte das Rentenalter.
Damit wächst der Bedarf, offene Stellen auch mit Menschen zu besetzen, die ursprünglich aus anderen Branchen kommen.
Quereinsteiger bringen häufig Erfahrungen aus Bereichen wie:
- Einzelhandel,
- Tourismus,
- Verwaltung,
- Kundenservice,
- Studium ohne klassischen Bankabschluss.
Gerade im direkten Kundenkontakt können solche Erfahrungen wertvoll sein. Wer bereits gelernt hat, komplexe Produkte zu erklären oder mit unterschiedlichen Kundengruppen umzugehen, besitzt Fähigkeiten, die sich auf das Bankgeschäft übertragen lassen.
Die Qualifizierung erfolgt berufsbegleitend
Die Weiterbildung an der Sparkassenakademie Bayern dauert rund ein Jahr und findet berufsbegleitend statt. Große Teile des Unterrichts werden in Präsenz angeboten, teilweise auch direkt bei den jeweiligen Sparkassen.
Die Teilnehmer sollen dabei bankwirtschaftliche Grundlagen erwerben, die bei einer klassischen Ausbildung über mehrere Jahre vermittelt werden.
Zu den Inhalten gehören typischerweise:
- Zahlungsverkehr und Kontoführung,
- Kreditgeschäft,
- Geldanlage,
- rechtliche Grundlagen,
- Kundenberatung.
Nach erfolgreichem Abschluss werden viele Quereinsteiger zunächst im Service oder in der Kundenberatung eingesetzt.
Unterschiedliche Gruppen nutzen den Einstieg
Die Teilnehmerstruktur ist bemerkenswert vielfältig.
Etwa ein Drittel sind klassische Umschüler aus anderen Branchen. Ein weiteres Drittel besteht aus Studienabbrechern oder Hochschulabsolventen, die praktische bankwirtschaftliche Kenntnisse erwerben möchten.
Die dritte große Gruppe bilden Menschen mit ausländischen Abschlüssen, die in Deutschland teilweise nicht vollständig anerkannt werden.
Der Quereinstieg wird damit nicht nur zu einem Instrument gegen Fachkräftemangel, sondern auch zu einem alternativen Zugang für Menschen, deren bisheriger Berufsweg nicht dem klassischen Bankmodell entspricht.
Beratung verlangt trotzdem fundiertes Wissen
Ein anderer beruflicher Hintergrund darf nicht mit geringerer Beratungsqualität einhergehen. Gute Weiterbildung, klare Standards und kontinuierliche Qualifizierung bleiben deshalb entscheidend."
Für Kunden ist der stärkere Einsatz von Quereinsteigern zunächst weder positiv noch negativ. Entscheidend ist die Qualität der Ausbildung.
Bankberatung umfasst komplexe Themen wie Kredite, Versicherungen, Wertpapiere und Altersvorsorge. Fehler können erhebliche finanzielle Folgen haben.
Deshalb reicht reine Verkaufserfahrung nicht aus. Quereinsteiger müssen insbesondere regulatorische Vorgaben, Risiken und Produkte verstehen.
Eine gute Qualifizierung sollte deshalb nicht nur auf Vertrieb abzielen, sondern auch auf:
- Fachwissen,
- Beratungsqualität,
- Dokumentationspflichten,
- Verbraucherschutz.
Gerade bei Wertpapier- oder Vorsorgeprodukten muss gewährleistet sein, dass Kunden fachlich korrekt und verständlich beraten werden.
Karriere endet nicht beim Einstieg
Für viele Teilnehmer ist die Weiterbildung nur der erste Schritt. Nach Angaben der Akademie schließen einige später weitere Qualifikationen wie den Sparkassenfachwirt an.
Damit entstehen auch langfristige Karrierewege.
Das ist für Sparkassen wichtig, weil sie nicht nur kurzfristig offene Stellen füllen müssen. Sie brauchen auch künftig Fach- und Führungskräfte.
Quereinsteiger können deshalb dann besonders wertvoll sein, wenn sie nicht nur für Serviceaufgaben eingesetzt, sondern systematisch weiterentwickelt werden.
Sparkassen investieren bewusst in Personal
Die Kosten der Weiterbildung werden von den jeweiligen Sparkassen getragen und liegen pro Teilnehmer bei mehreren tausend Euro.
Das zeigt, dass der Quereinstieg nicht lediglich eine billige Ersatzlösung für fehlende Auszubildende ist. Die Institute investieren gezielt in die Qualifizierung neuer Mitarbeiter.
Gleichzeitig kann dieser Weg wirtschaftlich attraktiv sein. Eine einjährige berufsbegleitende Weiterbildung ermöglicht es, schneller auf Personalengpässe zu reagieren als eine klassische mehrjährige Ausbildung.
Der Arbeitsmarkt verändert die Banken
Die starke Zunahme der Quereinsteiger zeigt, wie tiefgreifend sich der Arbeitsmarkt verändert.
Banken können sich nicht mehr ausschließlich darauf verlassen, genügend junge Menschen über traditionelle Ausbildungswege zu gewinnen. Gleichzeitig müssen sie Wissen sichern, bevor erfahrene Beschäftigte in größerer Zahl ausscheiden.
Für Sparkassen entsteht daraus die Chance, neue berufliche Hintergründe stärker einzubeziehen. Entscheidend bleibt aber die Qualität der Qualifizierung.
Fazit: Quereinstieg wird zum festen Personalinstrument
Der Quereinstieg entwickelt sich bei Sparkassen zunehmend von einer Ausnahme zu einem festen Bestandteil der Personalstrategie.
Fachkräftemangel, demografischer Wandel und weniger Bewerber für klassische Ausbildungsplätze beschleunigen diese Entwicklung. Für die Institute eröffnet das neue Möglichkeiten, offene Stellen schneller zu besetzen und neue Zielgruppen anzusprechen.
Für Kunden ist dabei vor allem eines wichtig: Ein anderer beruflicher Hintergrund darf nicht mit geringerer Beratungsqualität einhergehen. Gute Weiterbildung, klare Standards und kontinuierliche Qualifizierung bleiben deshalb entscheidend.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt












