Zukunft im Portfolio Milliardenmarkt Stromnetz

Kabel, Transformatoren und Netztechnik als Engpass der Elektrifizierung.

Über Energiewende wird häufig gesprochen, wenn es um Windparks, Solaranlagen oder Elektroautos geht. Doch zwischen Stromerzeugung und Verbrauch liegt eine Infrastruktur, die lange deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten hat: das Stromnetz. Genau dort entsteht inzwischen ein enormer Investitionsbedarf. Neue Erzeugungsanlagen müssen angeschlossen, steigende Strommengen transportiert und bestehende Netze modernisiert werden.

Für Anleger eröffnet sich damit ein Zukunftsmarkt, der wesentlich breiter ist als klassische erneuerbare Energien. Hersteller von Kabeln, Transformatoren, Schaltanlagen und Netztechnik profitieren unabhängig davon, welche konkrete Form der Stromerzeugung am Ende besonders stark wächst.

Elektrifizierung erhöht den Investitionsbedarf

Der Stromverbrauch dürfte in vielen Ländern langfristig steigen. Industrieprozesse werden elektrifiziert, Wärmepumpen ersetzen fossile Heizungen, Elektrofahrzeuge benötigen zusätzliche Energie und neue Rechenzentren erhöhen den Bedarf ebenfalls. Gleichzeitig verändert sich die Stromerzeugung. Statt weniger großer Kraftwerke speisen immer mehr dezentrale Anlagen Strom an unterschiedlichen Orten in das Netz ein.

Dadurch entstehen gleich mehrere Herausforderungen. Strom muss teilweise über große Entfernungen transportiert werden, Verteilnetze müssen mehr Leistung aufnehmen und die Steuerung des gesamten Systems wird anspruchsvoller.

Besonders gefragt sind deshalb beispielsweise:

  • Hochspannungs- und Unterseekabel für neue Stromtrassen und Offshore-Windparks,
  • Transformatoren und Schaltanlagen, die Spannung umwandeln und Stromflüsse steuern,
  • digitale Netztechnik, mit der Stromnetze überwacht und flexibler betrieben werden können.

Gerade bei Transformatoren und anderen spezialisierten Komponenten haben sich in den vergangenen Jahren teilweise lange Lieferzeiten entwickelt. Das zeigt, wie begrenzt die vorhandenen Produktionskapazitäten in einzelnen Bereichen sind.

Profiteure jenseits der Energieerzeuger

Für Anleger liegt der Reiz darin, dass nicht zwingend darauf gewettet werden muss, ob sich beispielsweise Windkraft, Solarenergie oder Kernenergie stärker durchsetzt. Fast jede zusätzliche Stromerzeugung benötigt Netzinfrastruktur.

Unternehmen wie Siemens Energy, ABB oder Schneider Electric sind unter anderem in Bereichen der Stromübertragung und elektrischen Ausrüstung aktiv. Prysmian und Nexans gehören zu den bedeutenden Herstellern von Energie- und Hochspannungskabeln. Daneben existieren zahlreiche Spezialisten für Transformatoren, Leistungselektronik, Netzautomatisierung und elektrische Komponenten.

Dabei sollte allerdings nicht jede Aktie allein aufgrund des langfristigen Trends als attraktiv gelten. Hohe Nachfrage kann bereits in Bewertungen enthalten sein. Außerdem sind Großprojekte kapitalintensiv und anfällig für Verzögerungen, Kostensteigerungen und politische Entscheidungen.

Fonds und ETFs für das Stromnetz-Thema

Stromnetze gehören zu den weniger spektakulären Bestandteilen der Energiewende. Gerade darin kann ihre Stärke als Anlagethema liegen. Unabhängig davon, ob Strom künftig aus Windkraft, Solarenergie, Kernkraft oder anderen Quellen stammt, muss er zuverlässig transportiert und verteilt werden."

Wer nicht auf einzelne Unternehmen setzen möchte, kann das Thema auch über Fonds oder ETFs breiter abdecken. Ein sehr gezielter Ansatz ist der VanEck Electrification and Power Infrastructure UCITS ETF (ISIN IE000YYVSM16). Er investiert entlang der Elektrifizierungs-Wertschöpfungskette und umfasst ausdrücklich Netzmodernisierung, Strominfrastruktur, Übertragung, Speicherung und industrielle Elektrifizierung. Die Gesamtkostenquote liegt derzeit bei 0,55 Prozent. Der ETF wurde allerdings erst im Mai 2026 aufgelegt und ist damit noch vergleichsweise jung.

Breiter aufgestellt ist der iShares Global Infrastructure UCITS ETF (ISIN IE000CK5G8J7). Er bildet internationale Infrastrukturunternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab. Stromnetze sind hier nur ein Teil des Portfolios, dafür verteilt sich das Investment stärker auf unterschiedliche Infrastruktursegmente. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,65 Prozent.

Staatliche Investitionen schaffen langfristige Nachfrage

Viele Stromnetze in Europa und Nordamerika stammen teilweise aus einer Zeit, in der die heutige Elektrifizierung noch nicht absehbar war. Gleichzeitig müssen Schwellenländer neue Infrastruktur überhaupt erst aufbauen. Der Investitionsbedarf besteht deshalb nicht nur für einige Jahre.

Hinzu kommen politische Ziele. Versorgungssicherheit, stärkere heimische Energieproduktion und der Ausbau erneuerbarer Energien führen in vielen Ländern zu zusätzlichen Netzinvestitionen. Das macht Strominfrastruktur zu einem ungewöhnlichen Zukunftsmarkt: Wachstum entsteht sowohl durch neue Technologien als auch durch den notwendigen Ersatz alter Anlagen.

Für Unternehmen mit hoher technologischer Kompetenz und ausreichenden Produktionskapazitäten können sich dadurch attraktive Marktpositionen ergeben. Gleichzeitig profitieren bestimmte Hersteller von hohen Eintrittsbarrieren, denn Transformatoren oder Hochspannungskabel lassen sich nicht kurzfristig von beliebigen neuen Wettbewerbern produzieren.

Fazit: Unsichtbare Infrastruktur mit großem Bedarf

Stromnetze gehören zu den weniger spektakulären Bestandteilen der Energiewende. Gerade darin kann ihre Stärke als Anlagethema liegen. Unabhängig davon, ob Strom künftig aus Windkraft, Solarenergie, Kernkraft oder anderen Quellen stammt, muss er zuverlässig transportiert und verteilt werden.

Kabel, Transformatoren, Schaltanlagen und Netzsteuerung könnten deshalb über viele Jahre von hohen Investitionen profitieren. Für Anleger ist der Stromnetzausbau damit weniger eine Wette auf eine einzelne Zukunftstechnologie als auf eine grundlegende Voraussetzung der zunehmenden Elektrifizierung.

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