Künstliche Intelligenz prägt derzeit viele Diskussionen an den Aktienmärkten

J.P. Morgan Asset Management Renditechancen abseits des KI-Hypes

Internationale Value-Aktien als Gegenpol zu Technologie, Konzentration und hohen Erwartungen.

Künstliche Intelligenz prägt derzeit viele Diskussionen an den Aktienmärkten. Große Technologiewerte, Halbleiterhersteller und die sogenannten Magnificent Seven stehen im Mittelpunkt. Ihre Kursgewinne ziehen Aufmerksamkeit, Kapital und Erwartungen an. Doch genau diese Konzentration kann den Blick auf andere Renditechancen verstellen.

Paul Quinsee, globaler Aktienchef von J.P. Morgan Asset Management, verweist deshalb auf internationale Value-Aktien. Er betont, dass solche Portfolios weit entfernt vom Technologie- und KI-Hype liegen können. Laut Bloomberg sagte Quinsee, internationale Value-Aktien seien „so weit weg von Technologie und den Magnificent Seven, wie man nur sein kann“; ein solcher Korb könne etwa zum Elffachen der Gewinne gehandelt werden, bei nur drei bis vier Prozent Technologieanteil.

Value als bewusster Gegenpol

Value-Aktien sind Unternehmen, die im Verhältnis zu Gewinnen, Buchwerten oder Cashflows günstiger bewertet erscheinen als Wachstumswerte. Dahinter steht keine Garantie auf bessere Renditen. Der Ansatz setzt vielmehr darauf, dass solide Unternehmen zeitweise zu niedrig bewertet werden, weil sie weniger beliebt, weniger spektakulär oder stärker zyklisch geprägt sind.

Gerade im aktuellen Umfeld ist dieser Gedanke interessant. Viele Anleger zahlen hohe Preise für Unternehmen, denen sie starkes künftiges Wachstum zutrauen. Bei KI- und Technologiewerten kann das gerechtfertigt sein, wenn Gewinne tatsächlich entsprechend wachsen. Es erhöht aber auch das Risiko, dass bereits sehr viel Optimismus im Kurs enthalten ist.

Internationale Value-Aktien bieten einen anderen Zugang:

  • niedrigere Bewertungen als viele Wachstumswerte
  • geringerer Technologieanteil im Portfolio
  • stärkere Gewichtung von Banken, Energie, Industrie und Grundstoffen
  • breitere regionale Streuung außerhalb der USA
  • weniger Abhängigkeit von wenigen dominierenden Aktien

Damit können sie ein Depot ergänzen, das stark auf US-Technologie ausgerichtet ist.

Europäische Banken als Beispiel

Quinsee verweist besonders auf europäische Banken. Lange galten viele dieser Titel als schwer investierbar. Niedrige Zinsen, schwache Profitabilität, Regulierung und Altlasten nach der Finanzkrise belasteten den Sektor. Inzwischen hat sich das Bild teilweise verändert. Höhere Zinsen, bessere Kapitalausstattung und gestiegene Erträge haben viele Institute wieder attraktiver gemacht.

Reuters berichtete Anfang 2026, dass mehrere große europäische Banken ihre Profitabilitätsziele angehoben haben. Gründe waren unter anderem anhaltend hohe Margen, kontrollierte Kosten und robuste Kreditqualität. Auch europäische Aktienmärkte erreichten im Februar 2026 neue Höchststände, wobei Bankaktien wesentlich zur Entwicklung beitrugen.

Das heißt nicht, dass Banken risikolos geworden sind. Sie bleiben abhängig von Konjunktur, Kreditausfällen, Regulierung und Zinsstruktur. Aber sie zeigen, dass Renditen auch in Sektoren entstehen können, die lange vernachlässigt wurden.

Energiewerte und reale Erträge

Die Aussage von Paul Quinsee ist kein Aufruf, den KI-Trend zu ignorieren. Technologie bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber. Aber Märkte bestehen nicht nur aus einem Thema. Banken, Energie, Industrie, Grundstoffe und andere Value-Sektoren können ebenfalls attraktive Renditen liefern."

Auch Energiewerte passen in diese Logik. Sie wurden in vielen Portfolios zeitweise reduziert, weil der Fokus auf Digitalisierung, Technologie und Dekarbonisierung lag. Gleichzeitig bleiben Energieversorgung, Rohstoffe, Infrastruktur und geopolitische Risiken wichtige wirtschaftliche Themen. Steigende Energiepreise können die Gewinne bestimmter Unternehmen stützen, erhöhen aber auch Risiken für Verbraucher, Industrie und Inflation.

Value-Investoren schauen hier weniger auf modische Erzählungen und stärker auf Cashflows, Dividenden, Bewertungen und reale Nachfrage. Gerade Energieunternehmen, Rohstoffwerte oder Industriekonzerne können in bestimmten Marktphasen hohe Erträge liefern, obwohl sie weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten als KI-Aktien.

Streuung statt Einseitigkeit

Der zentrale Punkt ist Diversifikation. Wer nur auf KI und große US-Technologiewerte setzt, nimmt ein Klumpenrisiko in Kauf. Das kann lange gutgehen, solange Wachstum, Margen und Erwartungen steigen. Es kann aber schmerzhaft werden, wenn Bewertungen korrigieren oder einzelne Erwartungen enttäuscht werden.

J.P. Morgan Asset Management betont in den langfristigen Kapitalmarkterwartungen für 2026 ebenfalls die Bedeutung veränderter Marktlandschaften, höherer Bewertungsunterschiede und breiterer Chancen über verschiedene Regionen und Anlageklassen hinweg.

Für private Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Internationale Value-Aktien sind keine Alternative zu jeder Technologieanlage. Sie können aber ein Gegengewicht sein. Besonders sinnvoll wird das, wenn ein Depot bereits stark von US-Aktien, Wachstumswerten oder wenigen großen Titeln geprägt ist.

Fazit

Die Aussage von Paul Quinsee ist kein Aufruf, den KI-Trend zu ignorieren. Technologie bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber. Aber Märkte bestehen nicht nur aus einem Thema. Banken, Energie, Industrie, Grundstoffe und andere Value-Sektoren können ebenfalls attraktive Renditen liefern, besonders wenn ihre Bewertungen niedriger sind und die Erwartungen weniger überzogen wirken.

Internationale Value-Aktien bieten deshalb einen sachlichen Gegenpol zum KI-Hype. Sie verbinden niedrigere Bewertungen mit breiterer Streuung und stärkerer Orientierung an laufenden Gewinnen. Das kann in einem unsicheren Marktumfeld hilfreich sein.

Für Anleger zählt am Ende nicht die lauteste Marktgeschichte, sondern die passende Vermögensstruktur. Wer Renditechancen breiter sucht, sollte nicht nur auf die Gewinner der vergangenen Jahre schauen. Gerade abseits des Rampenlichts können solide Unternehmen entstehen, die langfristig einen wichtigen Beitrag zum Depot leisten.

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