Die Rentenlücke beschreibt die Differenz zwischen den voraussichtlichen monatlichen Ausgaben im Ruhestand und den zu erwartenden Einnahmen

Klarheit schaffen Rentenlücke berechnen

Vorsorgeansprüche, Inflation und Ausgaben realistisch zusammenführen.

Viele Menschen wissen, wie hoch ihre gesetzliche Rente voraussichtlich ausfallen wird. Deutlich schwieriger ist die Antwort auf eine andere Frage: Reicht das Einkommen im Ruhestand tatsächlich aus, um den gewünschten Lebensstandard zu finanzieren? Genau darum geht es bei der Rentenlücke. Sie beschreibt die Differenz zwischen den voraussichtlichen monatlichen Ausgaben im Ruhestand und den zu erwartenden Einnahmen. Wer diese Lücke frühzeitig kennt, kann seine Vorsorge gezielt anpassen und muss nicht erst kurz vor Rentenbeginn reagieren.

Einnahmen vollständig erfassen

Der erste Schritt besteht darin, alle späteren Einkommensquellen zusammenzustellen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • gesetzliche Altersrente,
  • betriebliche Altersversorgung,
  • private Rentenversicherungen,
  • Beamtenversorgung oder Versorgungswerke,
  • Mieteinnahmen,
  • regelmäßige Kapitalerträge.

Hilfreich kann dabei die Digitale Rentenübersicht sein. Sie bündelt zahlreiche Vorsorgeansprüche und erleichtert den Überblick. Nicht alle Vermögenswerte werden dort allerdings automatisch erfasst. ETF-Depots, Tagesgeld oder Immobilien müssen weiterhin selbst berücksichtigt werden.

Ausgaben im Ruhestand realistisch einschätzen

Ebenso wichtig ist die Frage, wie viel Geld im Ruhestand tatsächlich benötigt wird.

Viele Ausgaben sinken später, andere steigen sogar.

Oft verändern sich unter anderem:

  • Fahrtkosten zur Arbeit,
  • Aufwendungen für Kinder,
  • Kredite oder Immobilienfinanzierungen,
  • Freizeit- und Reisekosten,
  • Gesundheits- und Pflegeausgaben.

Ein häufiger Fehler besteht darin, einfach das heutige Nettoeinkommen als Maßstab zu verwenden. Sinnvoller ist eine möglichst realistische Haushaltsrechnung für den Ruhestand.

Inflation nicht unterschätzen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Kaufkraft.

Wer heute eine Versorgungslücke von 500 Euro monatlich berechnet, wird in 20 oder 30 Jahren deutlich mehr Geld benötigen, um dieselbe Kaufkraft zu erreichen.

Schon eine durchschnittliche Inflation von zwei Prozent pro Jahr kann dazu führen, dass sich die Kaufkraft innerhalb von rund 35 Jahren nahezu halbiert. Deshalb sollten alle langfristigen Planungen möglichst in heutigen und zukünftigen Preisen betrachtet werden.

Gerade jüngere Arbeitnehmer unterschätzen diesen Effekt häufig.

Steuern und Sozialabgaben berücksichtigen

Die Rentenlücke ist keine feste Größe, sondern eine Planungsrechnung. Sie hilft dabei, die spätere finanzielle Situation möglichst realistisch einzuschätzen und rechtzeitig gegenzusteuern."

Die ausgewiesenen Rentenansprüche entsprechen nicht automatisch dem Betrag, der später tatsächlich zur Verfügung steht.

Je nach persönlicher Situation können unter anderem anfallen:

  • Einkommensteuer,
  • Beiträge zur Krankenversicherung,
  • Beiträge zur Pflegeversicherung.

Auch Betriebsrenten und private Vorsorgeprodukte werden steuerlich unterschiedlich behandelt. Deshalb sollte möglichst mit realistischen Nettobeträgen gerechnet werden.

Vermögen sinnvoll einbeziehen

Zur Altersvorsorge gehören nicht nur Rentenansprüche.

Auch vorhandenes Vermögen kann später Einkommen liefern, beispielsweise:

  • ETF- oder Aktiendepots,
  • Investmentfonds,
  • Tages- und Festgeld,
  • vermietete Immobilien.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Vermögenshöhe, sondern auch, wie daraus später regelmäßige Entnahmen finanziert werden können.

Wer Vermögen ausschließlich als einmaligen Betrag betrachtet, unterschätzt häufig dessen langfristige Bedeutung für die Ruhestandsplanung.

Regelmäßig nachrechnen

Die Rentenlücke verändert sich im Laufe des Berufslebens.

Gründe können sein:

  • Gehaltserhöhungen,
  • Arbeitgeberwechsel,
  • längere Erwerbsunterbrechungen,
  • zusätzliche Sparleistungen,
  • Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Deshalb empfiehlt es sich, die persönliche Vorsorgeplanung alle paar Jahre zu aktualisieren und nicht erst kurz vor Rentenbeginn.

Kleine Anpassungen wirken langfristig

Viele Menschen erschrecken zunächst über eine berechnete Versorgungslücke. Dabei muss diese nicht sofort vollständig geschlossen werden.

Schon kleinere Maßnahmen können langfristig einen großen Unterschied machen:

  • Sparrate erhöhen,
  • früher mit dem Vermögensaufbau beginnen,
  • Arbeitgeberzuschüsse zur betrieblichen Altersversorgung nutzen,
  • breit gestreut in renditeorientierte Anlagen investieren,
  • regelmäßige Anpassung der Sparbeiträge an steigende Einkommen.

Je länger der Anlagehorizont ist, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.

Eine realistische Planung schafft Sicherheit

Die Rentenlücke ist keine feste Größe, sondern eine Planungsrechnung. Sie hilft dabei, die spätere finanzielle Situation möglichst realistisch einzuschätzen und rechtzeitig gegenzusteuern.

Wer alle Einnahmen, Ausgaben, Inflation sowie steuerliche Auswirkungen berücksichtigt, erhält ein deutlich aussagekräftigeres Bild als allein durch die gesetzliche Renteninformation. So wird aus einer oft abstrakten Altersvorsorge eine konkrete Finanzplanung mit klaren Handlungsmöglichkeiten.

Es fließen viele Daten in die Planung ein und es werden einige Parameter für die Berechnung benötigt. Auch beinflussen sich einzelne Bereiche gegenseitig. Ohne entsprechende Software dürfte die Erstellung einer Ruhestandsplanung kaum möglich sein. Dafür und auch für die Interpretation der Ergebnisse ist es daher oft sinnvoll, sich an einen Finanz- bzw. Ruhestandsplaner zu wenden.