Das geplante Altersvorsorgedepot könnte die geförderte private Altersvorsorge deutlich verändern

Altersvorsorgedepot Versicherern drohen enorme Abflüsse

Warum das neue Modell die Riester-Welt grundlegend verändern könnte.

Die private Altersvorsorge steht erneut vor einem größeren Umbau. Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot soll ab 2027 ein neues Fördermodell entstehen, das stärker auf Kapitalmarktanlagen setzt. Für viele Sparerinnen und Sparer könnte das attraktiv wirken. Für bestehende Riester-Anbieter, vor allem Lebensversicherer, kann es dagegen erhebliche Folgen haben.

Wenn die prognostizierten Wechsel eintreten, könnten rund 49 Milliarden Euro aus Riester-Rentenversicherungen in das neue Altersvorsorgedepot fließen. Zusätzlich würden laufende Beitragseinnahmen sinken. Gemeinsam mit Beitragsfreistellungen könnten die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer für Riester-Rentenpolicen laut Studie um 3,4 Milliarden Euro jährlich zurückgehen.

Für Versicherer wäre das mehr als ein normales Marktproblem. Riester-Bestände sind langfristig kalkuliert. Sinkende Beiträge, Kündigungen und Kapitalabflüsse verändern die wirtschaftliche Grundlage solcher Vertragsbestände.

Auch andere Anbieter betroffen

Die möglichen Verschiebungen betreffen nicht nur Versicherer. Auch Riester-Fondssparpläne, Wohn-Riester-Verträge und Banksparpläne könnten Kapital verlieren. Die Wechselbereitschaft fällt dort laut Studie geringer aus, aber die Summen bleiben relevant.

Genannt werden Abflüsse von 5,1 Milliarden Euro bei Fondsgesellschaften, 6,9 Milliarden Euro bei Bausparkassen und zwei Milliarden Euro bei Banken.

Insgesamt könnten 64,8 Milliarden Euro angespartes Vermögen in das neue Fördersystem überführt werden. Das wäre deutlich mehr als ein Viertel des gesamten Riester-Kapitalstocks.

Auch laufende Beiträge könnten sich stark verschieben. Die Studie erwartet einen Rückgang der Beitragseinnahmen in Riester-Verträgen von 10,4 Milliarden Euro jährlich auf 4,3 Milliarden Euro.

Das entspräche einem Rückgang um mehr als die Hälfte.

Beratung wird entscheidend

Das geplante Altersvorsorgedepot könnte die geförderte private Altersvorsorge deutlich verändern. Die Studie von Sirius Campus und Aeiforia zeigt eine hohe Wechselbereitschaft, besonders bei Riester-Rentenversicherungen. Für Lebensversicherer könnten daraus erhebliche Kapitalabflüsse und sinkende Beitragseinnahmen entstehen."

Für Sparerinnen und Sparer bedeutet das neue Altersvorsorgedepot nicht automatisch, dass ein Wechsel sinnvoll ist. Bestehende Riester-Verträge können Garantien, Zulagenhistorie, steuerliche Besonderheiten oder individuelle Vorteile enthalten. Eine Kündigung kann Kosten, steuerliche Folgen oder den Verlust bestimmter Vertragsmerkmale auslösen.

Deshalb ist Beratung wichtig. Viele Befragte wollen laut Studie zunächst prüfen lassen, wie mit dem bestehenden Vertrag umzugehen ist. Das ist vernünftig. Die Entscheidung sollte nicht nur vom neuen Modell abhängen, sondern vom konkreten Vertrag, dem Alter, der Renditeerwartung, den Kosten, den Zulagen und dem persönlichen Anlagehorizont.

Wichtige Prüfpunkte sind:

  • bisherige Vertragskosten und aktuelle Rendite,
  • Höhe der Zulagen und steuerlichen Vorteile,
  • Garantien und mögliche Nachteile bei Kündigung,
  • Anlagehorizont bis zur Rente,
  • persönliche Bereitschaft, Schwankungen auszuhalten.

Erst daraus ergibt sich, ob Fortführung, Beitragsfreistellung, Wechsel oder Neuordnung sinnvoll sein kann.

Fazit

Das geplante Altersvorsorgedepot könnte die geförderte private Altersvorsorge deutlich verändern. Die Studie von Sirius Campus und Aeiforia zeigt eine hohe Wechselbereitschaft, besonders bei Riester-Rentenversicherungen. Für Lebensversicherer könnten daraus erhebliche Kapitalabflüsse und sinkende Beitragseinnahmen entstehen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher entsteht zugleich eine neue Entscheidungssituation. Das Altersvorsorgedepot kann Chancen bieten, vor allem durch stärkere Kapitalmarktorientierung. Es ersetzt aber nicht die individuelle Prüfung bestehender Verträge. Ein Wechsel kann sinnvoll sein, muss es aber nicht.

Die Riester-Welt steht damit vor einer Bewährungsprobe. Anbieter müssen erklären, welche Vorteile ihre Bestände noch bieten. Sparerinnen und Sparer müssen prüfen, ob ihre bestehende Vorsorge noch zur eigenen Lebensplanung passt. Klar ist: Altersvorsorge wird transparenter, vergleichbarer und stärker am Kapitalmarkt ausgerichtet werden müssen.

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