Der IWF hat etwa 2600 Mitarbeiter aus 142 Staaten

Immer nur Deutschland? Woher kommen die weltweiten Ungleichgewichte

Nicht nur der IWF beklagt die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse, auch Donald Trump hat sich argumentativ darauf eingeschossen. Investieren deutsche Unternehmen wirklich zu wenig oder ist die Kritik überzogen?

Es gibt zahlreiche kritische Stimmen, die den stabil hohen Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands als Ursache einiger Ungleichgewichte ausmachen. Dabei sind Überschüsse in der Leistungsbilanz per se nichts schlechtes, es ist vielmehr eine Frage der Verhältnismäßigkeit der verschiedenen Faktoren zueinander.

Volkswirtschaftliches Geschäftsmodell Deutschland mit besonderen Herausforderungen

Der IWF ermittelte für 2017 einen Überschuss von 2,8 Prozent des deutschen BIP - konjunkturell bereinigt beträgt dieser jedoch tatsächlich 8,3 Prozent. Diese große Abweichung erklärt der IWF mit fehlenden Fiskalimpulsen, die aber nur 1,2 Prozentpunkte der Differenz ausmachen. Für die verbleibenden 4,3 Prozentpunkte bleibt der Internationale Währungsfonds die Erklärung schuldig - was eine Kritik umso schwerer macht. Selbst eine expansivere Finanzpolitik inklusive höherer Lohnabschlüsse könnte nur rund 20 Prozent der Diskrepanz auflösen. Außerdem stimmt die Behauptung, deutsche Unternehmen würden zu wenig investieren, auch nicht: Angesichts des hohen Exportsaldos scheint die Wettbewerbsfähigkeit gegeben zu sein, die natürlich auch durch die relativ niedrigen Lohnstückkosten gestützt werden.

Es sind wohl insbesondere der hohe Industrieanteil und die intensive Investitionsgüterproduktion, die für den Überschuss in der Leistungsbilanz verantwortlich sind. Und hier kann Deutschland als Beispiel fungieren: Mit einem eng verzahnten Industrie-Dienstleistungs-Verbund, der profilierten Cluster-Struktur, der Innovationsstärke sowie dem hohen Anteil an Weltmarktführern und Hidden Champions lässt sich der Exporterfolg plausibel erklären. 

Auswirkungen der Lohnpolitik

Doch auch die Rolle der Lohnpolitik ist nicht zu unterschätzen - zumal sich eine traditionelle Argumentation seit 2009 in Deutschland in Luft aufgelöst hat: der Phillipskurven-Zusammenhang. Dieser besagt, dass sinkende Arbeitslosigkeit zu einem Anstieg der Nominallöhne führt - die statistischen Erhebungen können dies nicht bestätigen. Als Begründung werden Arbeitsmigration, die fehlende Abdeckung mit Flächentarifverträgen und der Druck in Richtung Wettbewerbsfähigkeit angeführt.

Die USA sollten zunächst ihre folgenreiche öffentliche und private Verschuldung ins Visier nehmen."

Auch wenn die Auswirkungen einer Korrektur auf die Leistungsbilanz nicht von der Hand zu weisen sind, spielen doch auch andere Faktoren wichtige Rollen: Sowohl exorbitant hohe Auslandsvermögen, als auch eine übermäßige Auslandsverschuldung verursachen nämlich die weltweiten Ungleichgewichte.

Da die Kapitalbilanz jedoch die auf kürzere Sicht ausgelegte Leistungsbilanz dominiert, sollten die USA zunächst ihre ebenso folgenreiche öffentliche und private Verschuldung ins Visier nehmen - und ihre Fiskalposition anpassen.

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