Finanzlexikon Zinsbausteine: Unternehmensanleihen

Kupon, Rating und Laufzeit als Maßstab für Schuldnerqualität.

Unternehmensanleihen sind Kredite an Unternehmen. Wer eine solche Anleihe kauft, wird nicht Miteigentümer wie bei einer Aktie, sondern Gläubiger. Das Unternehmen verpflichtet sich, Zinsen zu zahlen und den Nennwert am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Genau darin liegt der Reiz: Es gibt einen planbaren Zahlungsstrom, solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt.

Trotzdem sind Unternehmensanleihen keine sicheren Sparkonten. Ihr Wert kann schwanken, und die Rückzahlung hängt von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens ab. Deshalb zählen Bonität, Laufzeit, Kupon, Kaufkurs und Rendite.

Kupon und Rendite unterscheiden

Der Kupon ist der feste Zinssatz, den eine Anleihe auf ihren Nennwert zahlt. Die Rendite zeigt dagegen, was Käuferinnen und Käufer beim aktuellen Kurs ungefähr erwarten können, wenn die Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten wird. Diese Unterscheidung ist wichtig.

Ein Beispiel: Eine BMW-Finance-Anleihe mit 2,625 Prozent Kupon und Fälligkeit 2028 lag zuletzt grob bei rund 3 Prozent Rendite. Der Kupon allein sagt also nicht alles. Auch der Kaufkurs entscheidet. Eine ältere Siemens-Anleihe mit 2,875 Prozent Kupon und Fälligkeit 2028 kann je nach Kurs eine andere Rendite bieten als ihr Kupon vermuten lässt.

Bei US-Dollar-Anleihen, etwa von Apple, lagen längere Laufzeiten zuletzt grob im Bereich von gut 4 Prozent Rendite. Diese Werte ändern sich laufend und dienen nur als Orientierung.

Für die Praxis gilt: Entscheidend ist nicht der höchste Kupon, sondern die Rendite im Verhältnis zum Risiko.

Bonität und Rating

Die Bonität beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Schulden zu bedienen. Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch vergeben dafür Einschätzungen. Sehr gute Schuldner erhalten hohe Ratings. Schwächere Schuldner müssen meist höhere Zinsen bieten.

Anleihen guter Bonität werden häufig als Investment Grade bezeichnet. Darunter beginnt der Bereich der Hochzinsanleihen. Dort sind die Zinsen höher, das Ausfallrisiko aber ebenfalls. Ein bekannter Name allein reicht nicht aus. Auch große Unternehmen können hohe Schulden, schwache Geschäftsbereiche oder schwierige Marktphasen erleben.

Wichtige Prüfpunkte sind:

  • Rating und Verschuldung des Unternehmens
  • Laufzeit und Fälligkeit der Anleihe
  • Kupon, Kaufkurs und Rendite
  • Rang der Anleihe im Insolvenzfall
  • Währung und mögliche Wechselkursrisiken

Diese Punkte helfen, eine Anleihe nicht nur nach dem Zinsversprechen zu beurteilen.

Laufzeit und Kursbewegungen

Unternehmensanleihen können laufende Erträge und planbare Rückzahlungen verbinden. Sie stehen zwischen Bankeinlagen, Staatsanleihen und Aktien. Der mögliche Mehrertrag gegenüber sehr sicheren Staatsanleihen ist eine Risikoprämie für Unternehmensbonität, Laufzeit und Marktbewegungen."

Unternehmensanleihen schwanken im Kurs. Steigen die Marktzinsen, fallen in der Regel die Kurse bestehender Anleihen. Fällt die Bonität eines Unternehmens, kann der Kurs ebenfalls deutlich sinken. Lange Laufzeiten reagieren stärker auf Zinsänderungen als kurze Laufzeiten.

Wer eine einzelne Anleihe bis zur Fälligkeit hält, kann die Rückzahlung besser planen. Das setzt voraus, dass das Unternehmen zahlungsfähig bleibt. Wer vorher verkauft, ist vom aktuellen Marktpreis abhängig. Deshalb sollte die Laufzeit zum eigenen Geldbedarf passen.

Eine Anleihe, die in drei Jahren fällig wird, ist anders zu bewerten als eine Anleihe mit zwanzig Jahren Restlaufzeit. Höhere Renditen bei langen Laufzeiten können attraktiv wirken, bringen aber mehr Kursrisiko.

Streuung statt Einzelwette

Einzelne Unternehmensanleihen können sinnvoll sein, wenn Schuldner, Laufzeit und Stückelung passen. Viele Anleihen haben Mindestbeträge von 1.000 Euro, manche institutionelle Anleihen aber auch 100.000 Euro. Für private Anlegerinnen und Anleger ist das ein praktischer Punkt.

Streuung ist wichtig. Wer nur eine Unternehmensanleihe kauft, hängt stark an einem Schuldner. Fällt dieses Unternehmen aus, kann ein großer Teil des Kapitals verloren gehen. Anleihefonds und -ETFs streuen breiter, haben aber keine feste Rückzahlung zu einem bestimmten Termin.

Für Einzelanleihen bietet sich eine klare Struktur an:

  • mehrere Schuldner statt nur ein Unternehmen
  • unterschiedliche Laufzeiten
  • überwiegend gute Bonität
  • Währung passend zum eigenen Bedarf
  • keine zu hohe Gewichtung einzelner Titel

So wird aus Unternehmensanleihen ein geordneter Zinsbaustein statt eine versteckte Einzelwette.

Fazit

Unternehmensanleihen können laufende Erträge und planbare Rückzahlungen verbinden. Sie stehen zwischen Bankeinlagen, Staatsanleihen und Aktien. Der mögliche Mehrertrag gegenüber sehr sicheren Staatsanleihen ist eine Risikoprämie für Unternehmensbonität, Laufzeit und Marktbewegungen.

Für private Anlegerinnen und Anleger sind Unternehmensanleihen dann sinnvoll, wenn sie nicht nur auf den Kupon schauen. Entscheidend sind Rendite, Rating, Laufzeit, Währung, Rang und Streuung. Beispiele wie BMW, Siemens oder Apple zeigen, dass auch bekannte Unternehmen Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Renditen begeben. Trotzdem bleibt jede Unternehmensanleihe ein Kredit an einen Schuldner. Wer diesen Schuldner nicht tragen möchte, sollte breiter streuen.