Serie Finanzwissen: Institut für Wirtschaftsforschung Firmenpleiten auf höchstem Stand
Breite Betroffenheit statt einzelner Problembranchen.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland hat 2025 einen historischen Höchststand erreicht. Sie liegt inzwischen sogar über dem Niveau der Finanzkrise 2009. Betroffen sind nicht nur einzelne Branchen, sondern ein breites Spektrum der Wirtschaft – von Hotels über Handel bis hin zu Autozulieferern. Die Entwicklung markiert einen strukturellen Einschnitt, keinen vorübergehenden Ausreißer.
Nach Berechnungen des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ist die Zahl der Firmenpleiten so hoch wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Damit endet eine lange Phase vergleichsweise niedriger Insolvenzzahlen, die maßgeblich durch staatliche Stützungsmaßnahmen geprägt war.
Mehr Insolvenzen als in der Finanzkrise
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Besonders auffällig ist der Vergleich mit der globalen Finanzkrise.
Trotz des massiven wirtschaftlichen Einbruchs 2009 lagen die Insolvenzzahlen damals niedriger als heute.
Der Unterschied erklärt sich weniger durch die aktuelle Konjunktur als durch veränderte Rahmenbedingungen.
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Unternehmen durch Hilfsprogramme, Sonderregelungen und Kreditstundungen stabilisiert.
Diese Schutzmechanismen laufen nun aus.
Gleichzeitig steigen Kosten, Finanzierung wird teurer und Nachfrage bleibt in vielen Bereichen verhalten.
Breite Betroffenheit statt einzelner Problembranchen
Die aktuellen Zahlen zeigen keine Konzentration auf wenige Sektoren. Insolvenzen treten quer durch die Wirtschaft auf. Besonders sichtbar sind sie in Bereichen mit hoher Kostenintensität und geringer Preissetzungsmacht.
Häufig betroffen sind:
- Hotel- und Gastgewerbe mit hohen Fixkosten
- Industrieunternehmen mit energieintensiven Prozessen
- Autozulieferer unter strukturellem Transformationsdruck
- Handelsbetriebe mit rückläufiger Nachfrage
Diese Breite unterscheidet die aktuelle Welle von früheren Phasen, in denen Insolvenzen oft branchenspezifisch auftraten.
Spätfolgen außergewöhnlicher Jahre
Die Insolvenzzahlen des Jahres 2025 liegen über dem Niveau der Finanzkrise und spiegeln das Ende einer langen Phase staatlicher Stabilisierung wider."
Ein Teil der Entwicklung ist eine Nachwirkung der Pandemiezeit. Insolvenzen wurden damals bewusst verzögert. Unternehmen, die unter normalen Marktbedingungen bereits ausgeschieden wären, blieben vorübergehend bestehen. Diese sogenannte Nachholeffekt verstärkt die Dynamik nun.
Hinzu kommen neue Belastungen. Steigende Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten. Energiepreise und Löhne bleiben hoch. Gleichzeitig ist die Investitionsbereitschaft vieler Kunden gedämpft. Diese Kombination trifft besonders Unternehmen mit schwacher Eigenkapitalbasis.
Strukturwandel verstärkt den Druck
Neben konjunkturellen Faktoren wirkt ein tieferer Strukturwandel. Geschäftsmodelle, die lange funktioniert haben, geraten unter Anpassungsdruck. Digitalisierung, verändertes Konsumverhalten und der Umbau industrieller Wertschöpfungsketten erhöhen die Anforderungen.
Insolvenzen sind in diesem Kontext nicht nur Ausdruck von Schwäche, sondern auch Teil wirtschaftlicher Neuordnung. Sie zeigen, wo Anpassungen ausbleiben oder zu spät erfolgen.
Bedeutung für Arbeitsmarkt und Regionen
Die hohe Zahl an Firmenpleiten hat reale Folgen. Arbeitsplätze gehen verloren, regionale Wirtschaftsstrukturen geraten unter Druck. Besonders betroffen sind Regionen mit hoher Abhängigkeit von einzelnen Branchen oder mittelständischen Zuliefernetzwerken.
Gleichzeitig entsteht Unsicherheit bei Investitionen. Unternehmen reagieren vorsichtiger, Projekte werden verschoben. Die Insolvenzwelle wirkt damit über die betroffenen Firmen hinaus.
Fazit
Die Insolvenzzahlen des Jahres 2025 markieren einen Wendepunkt. Sie liegen über dem Niveau der Finanzkrise und spiegeln das Ende einer langen Phase staatlicher Stabilisierung wider. Breite Kostenbelastungen, struktureller Wandel und auslaufende Hilfen treffen auf eine fragile Konjunktur. Die Entwicklung ist weniger Schock als Bereinigung – mit spürbaren wirtschaftlichen und sozialen Folgen.
Erst der Mensch, dann das Geschäft










