Erik Sudheimer über Frostschutzmittel und Kühlflüssigkeiten Warum 90 % aller Motorprobleme mit dem Kühlsystem zusammenhängen
Als Juri Sudheimer im Jahr 1993 die Sudheimer Car Technik-Vertriebs GmbH in Neumünster gründete, stand das Unternehmen vor der Aufgabe, moderne Kühlflüssigkeiten zu entwickeln. Viele dachten damals: „Frostschutz einfüllen und bis zum nächsten Wechsel vergessen.“
Nach mehr als drei Jahrzehnten, nach dem Umzug des Unternehmens nach Wedel im Jahr 2000 und dem Aufbau von Produktionskapazitäten in Klaipeda und Dubai, hat sich das Team von SCT vom Gegenteil überzeugt: Über 90 Prozent aller Motorschäden sind direkt auf die Verwendung einer ungeeigneten oder minderwertigen Kühlflüssigkeit zurückzuführen.

Bereits 1996, beim Start der Marke MANNOL, wussten die Spezialisten des deutschen Unternehmens: Das Kühlsystem führt 33-40 Prozent der Energie ab, die bei der Verbrennung des Kraftstoffs freigesetzt wird. Schon die kleinste Störung in seiner Funktion führt zu Überhitzung und katastrophalen Folgen für den Motor. Heute führt Erik Sudheimer, Director Business Development der SCT-Unternehmensgruppe, die Weiterentwicklung der Frostschutzmittel-Linie fort und verbindet dabei deutsche Ingenieurserfahrung mit modernsten Produktionstechnologien.

Was sind Frostschutzmittel und Kühlflüssigkeiten?
Eine Motorkühlflüssigkeit ist eine Mischung aus Wasser, Ethylenglykol (ethylene glycol) oder Propylenglykol (propylene glycol) und Additiven. Sie verhindert das Einfrieren des Kühlsystems bei starkem Frost und das Überhitzen bei großer Hitze.
Ethylenglykol (oder Propylenglykol) ist die Basis der Kühlflüssigkeit. Es senkt den Gefrierpunkt (genauer gesagt: den Kristallisationspunkt) und erhöht den Siedepunkt, da die Kühlflüssigkeit im Betrieb auch Temperaturen von über 100 °C erreichen kann.
Die Entwicklungsgeschichte der Sudheimer Car Technik-Vertriebs GmbH veranschaulicht deutlich, wie wichtig die Aufklärung der Autofahrer ist. Als das Unternehmen im Jahr 2003 begann, das Sortiment über Öle und Filter hinaus zu erweitern, wurden Frostschutzmittel verschiedener Typen in den Katalog aufgenommen. Bis 2008, nach der Erweiterung der Lagerflächen in Wedel auf 5.000 Quadratmeter, war die Linie der Kühlflüssigkeiten eine der vollständigsten auf dem europäischen Markt. Doch die Spezialisten des Unternehmens stießen auf ein Problem: Viele Autofahrer verstanden den Unterschied zwischen Frostschutzmittel (Antifreeze) und Kühlflüssigkeit (Coolant) nicht, was zu Fehlern bei der Wartung führte.
Frostschutzmittel (Antifreeze) und Kühlflüssigkeiten (Coolant) werden oft verwechselt, sind aber nicht dasselbe. Frostschutzmittel ist das Konzentrat - faktisch eine Mischung aus Glykol und Additiven. Kühlflüssigkeit ist die gebrauchsfertige Lösung, die in den Motor gefüllt wird - eine Mischung aus destilliertem oder demineralisiertem Wasser und dem Konzentrat. Zur Herstellung von Kühlflüssigkeit aus Konzentrat darf kein Leitungswasser verwendet werden!
Wo liegt das Problem?
Etwa 33-40 % der Energie, die bei der Verbrennung von Kraftstoff im Motor freigesetzt wird, muss vom Kühlsystem abgeführt werden. Aufgrund dieser enormen Wärmemenge können selbst geringfügige Störungen im Kühlsystem den thermischen Haushalt des Motors ernsthaft beeinträchtigen. Deshalb ist eine der häufigsten Ursachen für Motorschäden genau das: ein Defekt im Kühlsystem, der zur Überhitzung führt. Überhitzung ist die Quelle der schwerwiegendsten Motorprobleme. Experten schätzen, dass über 90 % der Defekte, die durch Motorüberhitzung entstehen, mit der Verwendung ungeeigneter oder minderwertiger Kühlflüssigkeit zusammenhängen. Motorteile und Motoröle sind für ein bestimmtes Temperaturfenster ausgelegt. Wird dieses überschritten, zersetzt sich das Öl und Motorteile verformen sich. Typische Folgen einer Überhitzung sind Kompressionsverlust durch verringerte Spannkraft der Kolbenringe, Verzug des Zylinderkopfs oder sogar das Festfressen der Kolben im Zylinder (Kolbenfresser), was den Totalausfall des Motors bedeutet.
Was kann noch passieren?
- Korrosion. Warum sollte man sich vor Korrosion im Kühlsystem fürchten? Eine Korrosionsschicht an den Wänden der Kühler- und Motorkanäle wirkt als Wärmeisolator, da Rost eine 50-mal schlechtere Wärmeleitfähigkeit besitzt als das Metall selbst. Deshalb kann der Motor die Wärme schlechter abgeben - der Kühler trägt quasi einen "Pelzmantel nach innen" und kühlt nicht mehr ausreichend. Das Ergebnis: Der Motor überhitzt und arbeitet bei unzulässigen Temperaturen. Befinden sich Rostpartikel oder Korrosionsprodukte in der Kühlflüssigkeit, kann das Thermostat klemmen, der Kühler verstopfen, das Pumpenrad zerstört werden oder das Lager der Wasserpumpe undicht werden.
- Ausfällung von Ablagerungen. Die Verwendung ungeeigneter oder minderwertiger Kühlflüssigkeit sowie ein versäumter Wechsel können zur Bildung von Niederschlag (Sediment) führen. Feste Partikel werden vom Flüssigkeitsstrom mitgerissen und wirken wie ein Schleifmittel (Abrasiv), das das Kühlsystem von innen zerstört. Dies stört den Wärmeaustausch noch weiter und provoziert zusätzlich Korrosion und Rostbildung.
- Kavitation. Kavitation ist ein physikalisches Phänomen, bei dem Luftbläschen in einer Flüssigkeit durch lokalen Druckabfall implodieren (sich schlagartig zusammenziehen). Faktisch ist das eine Mikro-Explosion. Dieses Phänomen nutzt man manchmal zur Reinigung, zum Beispiel von Schmuck in speziellen Ultraschallbädern. Doch wenn diese Implosionen kraftvoll sind und ständig nahe an einer Metalloberfläche stattfinden, werden Mikropartikel aus dem Metall herausgeschlagen, wodurch kleine Gruben entstehen. Dort beginnt die Erosion - die Gruben wachsen und vertiefen sich, bis hin zu durchgehenden Löchern (Lochfraß).
Besonders hervorzuheben ist, dass die Erfahrung aus über drei Jahrzehnten auf dem europäischen Markt das Team von SCT überzeugt hat: Das Verständnis der Zusammensetzung von Frostschutzmitteln ist kritisch für die richtige Produktwahl. Die Forschungszentren der Unternehmensgruppe, die eng mit den Produktionsstätten in Klaipeda und Dubai vernetzt sind, entwickeln Formeln unter Berücksichtigung der konstruktiven Besonderheiten moderner Motoren. Das Labor des Werks in Dubai mit Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 führt Tests für jede einzelne Komponente des Frostschutzmittels durch, was eine stabile Qualität unabhängig von der Liefergeografie garantiert.
Woraus besteht Frostschutzmittel?
1. Glykolbasis - macht 90 % bis 95 % des Konzentrats aus.
- Ethylenglykol - garantiert, dass die Flüssigkeit im Motor bei Minusgraden nicht gefriert und bei großer Hitze oder starker Motorbelastung nicht verdampft. Einer der Hauptnachteile von Ethylenglykol ist, dass es oxidierend wirkt und den Motor schädigen kann. Deshalb müssen seine Eigenschaften durch ein ausgeklügeltes Additivpaket verbessert werden. Zudem ist Ethylenglykol giftig.
- Propylenglykol - kann anstelle von Ethylenglykol verwendet werden. Es hat eine höhere Viskosität, was die Wärmeübertragungsrate beeinflussen kann. Dafür ist es umweltfreundlich. Es wird in Lebensmitteln, Kosmetika und Tabakprodukten verwendet. Es findet sich in Medikamenten, Farben, ist die Basis für E-Zigaretten-Liquids, wird zur Kühlung von Bier und Wein während der Fermentation genutzt sowie zum Befüllen von Heizungsanlagen.
2. Additive - machen etwa 5 % des Konzentrats aus. Korrosionsinhibitoren spielen hier die Schlüsselrolle, da sie die Oxidation minimieren und das Risiko von Korrosionsbildung im Motor senken. In verschiedenen Kühllösungen kommen unterschiedliche Additive zum Einsatz. In Asien sind beispielsweise Carboxylate und Phosphate die wichtigsten Korrosionsschutzmittel, während in Europa Kombinationen aus Silikaten und Carboxylaten dominieren. Zudem werden dem Frostschutzmittel Anti-Kavitations-, Anti-Schaum- und Schmieradditive sowie Farbstoffe beigemischt. Die Einfärbung von Frostschutzmitteln dient dazu, sie optisch voneinander zu unterscheiden und Leckagen leichter aufzuspüren.
3. Wasser - macht bis zu 5 % des "reinen" Frostschutzmittels (also des unverdünnten Konzentrats) aus.

Woraus besteht die fertige Kühlflüssigkeit?
Die Kühlflüssigkeit, die direkt in den Motor gefüllt wird, ist im Grunde zur Hälfte verdünntes Frostschutzmittel. Sind die Betriebsbedingungen des Fahrzeugs eher mild, nimmt man etwas weniger Frostschutzmittel; sind sie strenger (kälter), nimmt man mehr. Der Volumenanteil des Konzentrats in der fertigen Kühlflüssigkeit sollte jedoch nicht unter 33 % und nicht über 67 % liegen. Für jedes Frostschutzmittel gibt es Mischtabellen, die die erforderliche Konzentration in Abhängigkeit vom gewünschten Gefrierpunkt angeben.
Abhängigkeit des Gefrierpunkts von der Konzentration:
- 40 % Frostschutz und 60 % Wasser: ca. -30 °C
- 50 % Frostschutz und 50 % Wasser: ca. -40 °C
- 60 % Frostschutz und 40 % Wasser: ca. -50 °C
- Unverdünntes Konzentrat: ca. -13 °C (!). Das zeigt deutlich, dass man niemals reines Konzentrat in den Motor füllen darf, da es paradoxerweise schlechter vor Frost schützt als die Mischung.
Was SCT betrifft, so hat die Unternehmensgruppe in mehr als dreißig Jahren Arbeit über 90 Millionen Euro in die Entwicklung von Produktion, Logistik und Forschungszentren investiert. Allein im Jahr 2024 flossen mehr als 3 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, wovon ein Teil der Schaffung moderner Frostschutz-Rezepturen gewidmet ist.
Das Büro in Wedel arbeitet eng mit den Produktionsstandorten zusammen. Das Werk UAB SCT Lubricants in Klaipeda ist auf die Produktion von Frostschutzmitteln für den europäischen Markt spezialisiert, wo die Qualitätsanforderungen besonders streng sind. Das moderne Werk SCT Chemicals FZE in Dubai, gegründet im Februar 2022, produziert Kühlflüssigkeiten für die extremen klimatischen Bedingungen des Nahen Ostens, Afrikas und Asiens. Das Werk mit einer Kapazität von 140.000 Tonnen pro Jahr ist nach den Standards ISO 9001, ISO 14001, ISO 45001 sowie ISO/IEC 17025 zertifiziert. Ein Team von 188 Spezialisten entwickelt Formeln, die die Spezifik verschiedener Klimazonen berücksichtigen.
Juri Sudheimer und Dmitry Roskach, Chief Technology Officer bei SCT Chemicals, betonen: Ein hochwertiges Frostschutzmittel ist nicht einfach eine Mischung aus Glykol und Wasser, sondern ein komplexes chemisches System, in dem jedes Additiv eine kritisch wichtige Funktion erfüllt. Als das Unternehmen im Jahr 2006 die Lagerflächen in Wedel erweiterte, wurde ein Teil des neuen Raums für die ausgebaute Linie an Frostschutzmitteln verschiedener Typen reserviert. Diese Entscheidung spiegelte das Verständnis wider: Jeder Motortyp, jedes Kühlsystem verlangt einen individuellen Ansatz.
Erinnern wir daran, dass der SCT-Konzern alle Frostschutzmittel im Sortiment hat, die ein durchschnittlicher Europäer benötigen könnte: anorganische, organische, hybride und Lobrid-Kühlmittel, zum Beispiel: MN4111 MANNOL AG11 Antifreeze, MN4112 MANNOL AF12+ Antifreeze, MN4113 MANNOL AG13 Antifreeze (Hightec), MN4115 MANNOL AF13++ Antifreeze (High-performance).
Frostschutzmittel verdünnt man am besten mit destilliertem Wasser, aber viele Hersteller erlauben auch die Verwendung von demineralisiertem Wasser. In jedem Fall muss dies unter strikter Einhaltung der Proportionen geschehen, die der Hersteller auf der Verpackung oder im Fahrzeughandbuch angibt. Gewöhnliches Leitungswasser ist ungeeignet, da es Salze und Mineralien (Kalk) enthält, die zur Bildung von Ablagerungen, Kesselstein und Korrosion im Kühlsystem führen können.
Was passiert, wenn Sie eine falsche oder minderwertige Kühlflüssigkeit verwenden?
Genau wie die Verwendung eines ungeeigneten Motoröls kann auch die falsche Kühlflüssigkeit zu einem Ausfall Ihres Fahrzeugs führen. Dies kann die Korrosion des Kühlers beschleunigen und die Wasserpumpe, die Zylinderkopfdichtung sowie andere wichtige Komponenten des Kühlsystems beschädigen. Das Ergebnis sind Überhitzung, teure Reparaturen und eine verkürzte Gesamtlebensdauer des Motors.
Besonders hervorzuheben ist die Qualitätsphilosophie, die Juri Sudheimer 1993 bei der Gründung der Sudheimer Car Technik-Vertriebs GmbH etablierte und die auch nach drei Jahrzehnten unverändert bleibt. Vom kleinen Büro in Neumünster bis zur internationalen Unternehmensgruppe mit Produktionen in Deutschland, Litauen und den VAE - der Weg von SCT basierte auf dem Verständnis: Das Kühlsystem ist für die Langlebigkeit des Motors genauso wichtig wie das Schmiersystem.
Der Start der Marke MANNOL im Jahr 1996, der Umzug in das moderne Logistikzentrum in Wedel im Jahr 2000, die Erweiterung des Sortiments in den Jahren 2003-2008 - jeder Entwicklungsschritt des Unternehmens zielte auf die Schaffung komplexer Lösungen zum Motorschutz ab. Heute setzt Erik Sudheimer diesen Kurs fort und entwickelt die Linie der Frostschutzmittel aller Typen weiter: von anorganischen bis zu modernen Lobrid-Lösungen, einschließlich der neuesten Entwicklung MANNOL 4011 AG11 (-40 °C) Longterm.
Die Unternehmensgruppe SCT beweist: Die richtige Wahl der Kühlflüssigkeit kann mehr als 90 Prozent der Probleme verhindern, die mit Motorüberhitzung zusammenhängen. Die Verwendung von hochwertigen MANNOL-Frostschutzmitteln, die unter Berücksichtigung der Anforderungen moderner Autohersteller entwickelt wurden, gewährleistet Schutz vor Korrosion, Kavitation und Ablagerungen. Genau darin besteht die Mission von SCT: den Autofahrern Produkte an die Hand zu geben, die den Motor unabhängig von klimatischen Bedingungen und Betriebsmodi in perfektem Zustand halten.