Wirtschaftsdenker: Herbert Simon Begrenzte Rationalität
Gute Entscheidungen berücksichtigen Realität, nicht Ideale.
Die Vorstellung perfekt rationaler Entscheidungen prägt viele ökonomische Modelle. Herbert Simon stellte diese Annahme grundlegend infrage. Menschen, so argumentierte er, entscheiden nicht optimal, sondern unter Bedingungen begrenzter Informationsverarbeitung, begrenzter Zeit und begrenzter kognitiver Kapazität. Sein Konzept der "begrenzten Rationalität" beschreibt damit ein realistisches Entscheidungsumfeld. Es zeigt, wie Individuen und Organisationen handeln, wenn ideale Voraussetzungen fehlen - also in der Welt, wie sie tatsächlich ist. Weitere Aphorismen und Konzepte sind hier.
Idee / Kernprinzip: Entscheidungen unter Beschränkungen
Simon machte sichtbar, dass rationales Verhalten nicht aus der Maximierung eines Ziels besteht, sondern aus der Suche nach hinreichend guten Lösungen.
Rationalität ist eine Fähigkeit mit Grenzen, keine perfekte Methode."
Menschen "satisfizieren" - sie streben nicht nach Perfektion, sondern nach Optionen, die ausreichend passen.
Sein Ansatz liefert drei zentrale Einsichten:
- Informationen sind unvollständig und oft schwer zu bewerten.
- Kognitive Kapazitäten sind begrenzt; Menschen können nur einen Teil der Optionen überblicken.
- Entscheidungen entstehen in Sequenzen, nicht in einem einzigen optimierenden Schritt.
Dadurch entsteht ein anderer Entscheidungsbegriff: nicht idealisiert, sondern realitätsnah. Simon zeigt, dass die Form der Entscheidung stärker vom Kontext abhängt als von theoretischer Rationalität. Dies gilt für Individuen ebenso wie für Institutionen.
Der Denker: Herbert Simon
Herbert Simon war ein interdisziplinärer Forscher, der Psychologie, Ökonomie, Informatik und Verwaltungswissenschaften miteinander verband. Seine Arbeiten prägten moderne Entscheidungstheorie, die Kognitionsforschung und die Organisationstheorie. Er betrachtete Rationalität nicht als abstraktes Ideal, sondern als menschliche Fähigkeit mit klaren Grenzen.
Simon war überzeugt, dass Entscheidungen besser verstanden werden, wenn sie als Prozess beschrieben werden - nicht als Ergebnis eines mathematischen Optimums. Seine Forschung war empirisch geprägt und zugleich theoretisch grundlegend. Er entwickelte Modelle, die zeigen, wie Individuen und Organisationen mit Komplexität umgehen und welche Strukturen Entscheidungen erleichtern oder erschweren.
Rationalität unter digitalen und organisatorischen Bedingungen
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Simons Konzept gewinnt in einer komplexen und datenreichen Gegenwart an Bedeutung. Technische Systeme verarbeiten mehr Informationen als einzelne Menschen, doch Entscheidungen bleiben an menschliche Interpretation gebunden. Komplexe Märkte, institutionelle Rahmenbedingungen und Zeitdruck verstärken die Grenzen individueller Rationalität.
Begrenzte Rationalität erklärt, warum Fehlanreize, Informationsüberflutung und Organisationsstrukturen wichtige Einflussfaktoren auf Entscheidungen sind. Sie zeigt auch, weshalb Modelle, die vollkommene Rationalität voraussetzen, oft zu Fehlinterpretationen führen.
In Unternehmen und Politik wird der Ansatz genutzt, um Entscheidungsprozesse realistischer zu gestalten - etwa durch klare Optionen, strukturierte Informationsaufbereitung oder durch institutionelle Mechanismen, die Komplexität reduzieren. Simon liefert damit ein Fundament für moderne Verhaltensökonomie, künstliche Intelligenz und Organisationstheorie.
Fazit
Herbert Simon hat den Rationalitätsbegriff neu definiert. Er machte sichtbar, dass Entscheidungen nicht idealtypisch, sondern begrenzt und kontextabhängig sind. Sein Konzept legt offen, warum reale Entscheidungsprozesse häufig anders verlaufen, als Modelle erwarten.
Merksätze:
- Rationalität ist eine Fähigkeit mit Grenzen, keine perfekte Methode.
- Entscheidungen entstehen unter Zeitdruck, Informationsmängeln und kognitiven Beschränkungen.
- Gute Entscheidungen berücksichtigen Realität, nicht Ideale.
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