Active ETFs galten in Europa lange als Randerscheinung

Active ETFs Der nächste Schritt im Portfolio-Aufbau

Active ETFs stehen in Europa noch nicht auf dem Niveau der USA, aber sie haben den Status eines Nischenprodukts erkennbar hinter sich gelassen.

Active ETFs galten in Europa lange als Randerscheinung. ETFs standen für passives Investieren: günstig, transparent und liquide. Dieses Bild verändert sich nun spürbar. Active ETFs wachsen schneller, gewinnen an Akzeptanz und werden zunehmend als fester Baustein im Portfolioaufbau gesehen. Genau darauf zielt auch die Argumentation von Columbia Threadneedle Investments: Active ETFs seien keine vorübergehende Mode, sondern eine strukturelle Weiterentwicklung der Investmentlandschaft.

Der Markt ist reifer als noch vor wenigen Jahren

Die Grundrichtung ist klar. Der europäische ETF-Markt ist stark gewachsen. ETFGI meldete für Europa zum Jahresende 2025 ein Gesamtvermögen von 3,22 Billionen US-Dollar in ETFs und ETPs. Morningstar berichtet zugleich, dass aktive ETFs in Europa per 31. März 2026 bereits auf 85,6 Milliarden Euro kamen und damit rund 3,1 Prozent des gesamten ETF-Vermögens ausmachten.

Das ist im Vergleich zu den USA noch wenig, zeigt aber, dass das Segment in Europa inzwischen sichtbar geworden ist.

Auch bei den Zuflüssen war die Entwicklung kräftig. Columbia Threadneedle verweist auf 19,1 Milliarden Euro Nettozuflüsse in aktive ETFs in Europa im Jahr 2024. EFAMA nennt für aktive UCITS-ETFs 16,3 Milliarden Euro Nettozuflüsse im Jahr 2024; die Abweichung erklärt sich wahrscheinlich durch unterschiedliche Marktdefinitionen.

In jedem Fall ist die Tendenz eindeutig: Das Wachstum war stark und lag deutlich über dem Vorjahr.

Nicht nur Produkttrend, sondern Nachfrageverschiebung

Hinter dem Wachstum steht mehr als nur Produktinnovation. State Street beschreibt aktive ETFs als einen der wichtigsten Produkttrends in Europa und verweist darauf, dass die Zahl der aktiven ETF-Produkte und die Zuflüsse 2024 stark gestiegen sind. Columbia Threadneedle formuliert denselben Punkt aus Anbietersicht: Anleger suchten zunehmend nach einer Verbindung aus Kostendisziplin, Transparenz und der Chance auf Outperformance.

Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Segments. Active ETFs versuchen, einen alten Zielkonflikt neu zu ordnen. Sie wollen die Vorteile aktiven Managements mit der Effizienz des ETF-Wrappers verbinden. Das heißt nicht automatisch, dass Outperformance sicher wird. Es heißt aber, dass der Markt diese Kombination heute stärker nachfragt als noch vor wenigen Jahren.

Das Kostenargument wird neu gefasst

Die alte Trennung zwischen passivem ETF und aktivem Fonds wird unschärfer. Active ETFs eröffnen eine Zwischenform, die Kostenbewusstsein mit aktivem Anspruch verbinden will. Nicht jede Strategie wird dadurch automatisch überlegen. Aber das Segment markiert einen echten Entwicklungsschritt in der Art, wie Portfolios künftig gebaut und differenziert werden könnten."

Wichtig ist dabei die sprachliche Verschiebung. Es geht nicht mehr nur um „billig“ gegen „teuer“. Columbia Threadneedle betont vielmehr den Gedanken der Kosteneffizienz. Gemeint ist: Ein Produkt darf Kosten verursachen, wenn die Struktur, Skalierung und das Management dafür einen spürbaren Mehrwert liefern. Genau hier setzen aktive ETFs an. Sie wollen nicht bloß günstiger sein als traditionelle aktive Fonds, sondern effizient genug, um aktives Management in einem liquiden und transparenten Format anzubieten.

Dazu passt, dass Columbia Threadneedle seine Erfahrung mit aktiven ETF-Strategien in den USA hervorhebt und berichtet, dass Kunden in EMEA nun ähnliche Strategien in einem europäischen Regulierungsrahmen nachfragen. Parallel dazu hat das Haus seine ETF-Palette zuletzt ausgebaut. Im Dezember 2025 startete Columbia Threadneedle in den USA sechs weitere ETFs, die ausdrücklich mit dem Ziel positioniert wurden, traditionelle Benchmarks zu übertreffen.

Die Mischung aus aktiv und passiv wird normaler

Die größere Entwicklung geht aber über das einzelne Produkt hinaus. Anleger kombinieren aktive und passive Bausteine heute bewusster. Passive ETFs bleiben für breite Marktsegmente wichtig. Active ETFs sollen dort ansetzen, wo Auswahl, Flexibilität und Selektivität stärker zählen. Morningstar beschreibt das europäische Segment deshalb nicht als Ersatz des passiven ETF-Markts, sondern als dessen wachsende Ergänzung.

Gerade im Portfolioaufbau ist das plausibel. Passive Bausteine liefern Marktbreite und Kostenvorteile. Aktive ETFs sollen zusätzliches Alpha-Potenzial schaffen, ohne auf Transparenz und Handelbarkeit zu verzichten. Ob das in jedem Einzelfall gelingt, bleibt eine Frage der Strategie und der tatsächlichen Managerleistung. Als Konstruktionsidee wird diese Mischung aber klar attraktiver.

Schlussbetrachtung

Active ETFs stehen in Europa noch nicht auf dem Niveau der USA, aber sie haben den Status eines Nischenprodukts erkennbar hinter sich gelassen. Die Vermögenszahlen steigen, die Zuflüsse waren stark, und große Anbieter sowie traditionelle Fondshäuser behandeln den ETF zunehmend als skalierbaren Vertriebsweg auch für aktives Management. Das spricht dafür, dass sich der ETF-Markt nicht nur vergrößert, sondern auch innerlich verändert.

Für den Portfolioaufbau bedeutet das vor allem eines: Die alte Trennung zwischen passivem ETF und aktivem Fonds wird unschärfer. Active ETFs eröffnen eine Zwischenform, die Kostenbewusstsein mit aktivem Anspruch verbinden will. Nicht jede Strategie wird dadurch automatisch überlegen. Aber das Segment markiert einen echten Entwicklungsschritt in der Art, wie Portfolios künftig gebaut und differenziert werden könnten.

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