Der Dollar bleibt auch durch politische Faktoren beeinflusst

Politische Risiken Dollar im Abwind

Strukturelle Kräfte hinter der erwarteten Schwäche 2026.

Der US-Dollar steht vor einer Phase veränderter globaler Rahmenbedingungen. Mehrere große Banken, darunter Deutsche Bank und Goldman Sachs, erwarten 2026 eine erneute Abschwächung der US-Währung. Die Gründe liegen weniger in einzelnen Datenpunkten als in einer Kombination struktureller Trends: einer sich verändernden Geldpolitik, einer robusteren Dynamik anderer Wirtschaftsregionen und Kapitalflüssen, die zunehmend außerhalb der USA attraktive Renditen finden.

Der Dollar hat sich zwar nach seinem historischen Rückgang in der ersten Jahreshälfte stabilisiert – dem stärksten Verlust seit den frühen 1970er-Jahren, verstärkt durch Handelskonflikte unter US-Präsident Donald Trump. Doch die Erholung wirkt eher technisch als grundlegend. Die großen Linien sprechen aus Sicht vieler Banken für ein Umfeld, in dem der Dollar weniger Rückenwind erhält als in der vergangenen Dekade.

Geldpolitik als laufender Belastungsfaktor

Die Geldpolitik zählt zu den zentralen Treibern der erwarteten Dollarentwicklung.

Die Federal Reserve hat bereits Zinssenkungen eingeleitet und signalisiert einen weiteren, schrittweisen Abbau des Zinsniveaus.

Diese Bewegung steht im Kontrast zu Teilen der übrigen Welt, wo die geldpolitischen Zyklen teilweise stabiler oder restriktiver bleiben.

Für globale Kapitalströme bedeutet das:

  • US-Renditen verlieren an relativer Attraktivität, sobald Zinsdifferenzen schrumpfen.
  • Kapital könnte stärker in Märkte fließen, die höhere oder stabilere Realzinsen bieten.

Die vergangenen Jahre waren durch eine deutliche Überrendite US-amerikanischer Anlagen geprägt.

Dieser Vorteil wird kleiner – und damit auch der Rückenwind für den Dollar.

Stabilere Dynamik außerhalb der USA

Ein weiterer struktureller Faktor ist die Stärke anderer Wirtschaftsregionen. Europa, Japan und Teile Asiens zeigen Anzeichen einer stabileren Investitionstätigkeit und kräftigerer Konsumnachfrage. Die Wachstumsunterschiede zwischen den USA und der übrigen Welt, über lange Zeit ein Treiber des Dollarbooms, flachen ab.

Diese Entwicklung wirkt sich über mehrere Kanäle aus:

  • Aufwertungstendenzen in Volkswirtschaften mit höheren Kapitalrenditen.
  • stärkere Nachfrage nach lokalen Anleihen und Unternehmensanleihen.
  • Rückgang des Safe-Haven-Bedarfs, wenn globale Risiken abnehmen.

Der Dollar verliert damit nicht an Bedeutung, aber an exklusiver Stärke.

Kapitalmärkte reagieren auf Verschiebungen in den Risikoprämien

Der Dollar bleibt eine Weltleitwährung, verliert jedoch zeitweise an relativer Stärke."

Währungsbewegungen reflektieren oft veränderte Risikoprämien. Sinkende US-Zinsen, diversifizierte Wachstumstreiber und steigende Renditen außerhalb der USA führen dazu, dass Anleger Portfolios breiter ausrichten. Kapitalmärkte werden weniger von einer dominanten Region getragen und stärker von globalen Strukturen geprägt.

Zu den relevanten Verschiebungen zählen:

  • höhere Nachfrage nach Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen außerhalb der USA
  • zunehmende Bedeutung asiatischer Kapitalmärkte
  • stärkere Gewichtung europäischer Infrastruktur- und Industrieinvestitionen

Diese Trends entsprechen der Einschätzung großer Banken, dass der Dollar 2026 unter strukturellem Druck stehen dürfte.

Politische Risiken und Unsicherheiten

Der Dollar bleibt auch durch politische Faktoren beeinflusst. Handelskonflikte, steuerpolitische Diskussionen und Unsicherheiten in der Fiskalpolitik wirken auf Kapitalströme. Die starke Abwertung in der ersten Jahreshälfte – der markanteste Rückgang seit den 1970er-Jahren – verdeutlicht, wie sensibel die Währung auf geopolitische und handelspolitische Signale reagiert.

Ein Teil dieser Risiken könnte 2026 weiterwirken, insbesondere wenn globale Lieferketten in Teilen neu gestaltet werden und internationale Handelsstrukturen weiter unter Spannung stehen.

Fazit

Die erwartete Dollarschwäche 2026 basiert weniger auf kurzfristigen Ereignissen als auf einem Zusammenspiel struktureller Kräfte: einer sich normalisierenden US-Geldpolitik, engeren Wachstumsunterschieden zu anderen Regionen und einem globalen Kapitalmarkt, der neue Renditequellen erschließt. Der Dollar bleibt eine Weltleitwährung, verliert jedoch zeitweise an relativer Stärke. Die Entwicklung zeigt, wie eng Währungsbewegungen mit globalen Zinsdifferenzen, Investitionsströmen und wirtschaftlicher Dynamik verbunden sind.

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