Mit dem ersten ETF mit Performance-Fee in Europa beginnt eine neue Phase im ETF-Markt

Europas erster ETF mit Performance-Fee

Ein neues Gebührenmodell erreicht den ETF-Markt.

Der europäische ETF-Markt hat lange als Inbegriff für einfache, transparente und kostengünstige Anlageprodukte gegolten. Mit dem Start des IMGP Sirios Absolute Return Fund ETF betritt nun ein neues Modell die Bühne: ein börsengehandelter Fonds mit erfolgsabhängiger Vergütung. Entwickelt wurde die Strategie vom US-Hedgefonds Sirios Capital Management in Zusammenarbeit mit der Pariser Investmentboutique IM Global Partner.

Damit hält ein Konzept Einzug in die ETF-Welt, das bislang vor allem aus klassischen Hedgefonds bekannt ist. Neben einer festen jährlichen Gebühr fällt eine zusätzliche Beteiligung an der erzielten Mehrrendite an. Für den europäischen Markt ist das ein Novum und zugleich ein Signal dafür, dass sich die Grenzen zwischen aktiven Fonds und ETFs weiter verschieben.

Gebührenstruktur: Fixkosten plus Erfolgsbeteiligung

Die Kostenstruktur des neuen Produkts unterscheidet sich deutlich von klassischen Index-ETFs. Während diese häufig mit sehr niedrigen Gesamtkostenquoten auskommen, setzt der neue Fonds auf ein zweistufiges Modell.

Die wesentlichen Bestandteile sind:

  • Gesamtkostenquote von rund 1,2 Prozent pro Jahr
  • zusätzliche Performance-Fee von 20 Prozent auf die erzielte Outperformance

Bemerkenswert ist, dass sich die ETF-Anteilsklasse in ihrer Gebührenstruktur nicht von anderen Anteilsklassen des Fonds unterscheidet. Das bedeutet: Die ETF-Hülle wird hier nicht genutzt, um Kosten zu reduzieren, sondern um eine neue Vertriebs- und Zugangsform für eine aktive Strategie zu schaffen.

Für den Markt ist das ein klarer Hinweis darauf, dass ETFs zunehmend als Struktur verstanden werden, nicht mehr ausschließlich als kostengünstige Indexprodukte.

Strategie: Long-Short statt klassischer Indexabbildung

Auch inhaltlich unterscheidet sich der Fonds deutlich von traditionellen ETFs. Statt einen Index passiv nachzubilden, verfolgt er eine aktive Long-Short-Strategie. Das bedeutet, dass sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse gesetzt wird. Ziel ist es, unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung eine positive Rendite zu erzielen.

Solche Strategien sind komplexer und erfordern aktives Management. Sie basieren auf Einschätzungen zu einzelnen Unternehmen, Märkten oder makroökonomischen Entwicklungen. Die Performance hängt damit stärker von der Qualität der Entscheidungen des Fondsmanagements ab als von der Entwicklung eines breiten Marktes.

Typische Merkmale dieser Strategie sind:

  • aktive Auswahl von Positionen statt Indexabbildung
  • gleichzeitige Nutzung von Chancen auf steigende und fallende Kurse
  • Ziel einer möglichst stabilen Rendite unabhängig vom Marktumfeld

Damit nähert sich der ETF inhaltlich klassischen Hedgefonds-Strukturen an, bleibt aber gleichzeitig börsengehandelt und damit grundsätzlich liquide und transparent.

Einordnung: Verschiebung der ETF-Definition

Mit dem ersten ETF mit Performance-Fee in Europa beginnt eine neue Phase im ETF-Markt. Die klare Trennung zwischen passiven Indexfonds und aktiv gemanagten Strategien wird weiter aufgeweicht. ETFs entwickeln sich zunehmend zu einer flexiblen Hülle, in der unterschiedliche Investmentansätze umgesetzt werden können."

Der Start dieses Produkts wirft eine grundsätzliche Frage auf: Was ist ein ETF heute eigentlich noch? Lange Zeit stand der Begriff für passive Investments mit klarer Kostenstruktur und hoher Transparenz. Diese Definition wird zunehmend aufgeweicht.

In den vergangenen Jahren hat sich der Markt bereits durch sogenannte aktive ETFs erweitert. Diese kombinieren aktives Management mit der Handelbarkeit eines ETFs. Der neue Fonds geht nun einen Schritt weiter, indem er zusätzlich eine Performance-Fee integriert.

Damit entsteht ein hybrides Modell mit mehreren Eigenschaften:

  • ETF-Struktur mit Börsenhandel und täglicher Liquidität
  • aktives Management mit individueller Strategie
  • Gebührenmodell aus fixer Kostenquote und Erfolgsbeteiligung

Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Die Bezeichnung ETF allein reicht nicht mehr aus, um ein Produkt einzuordnen. Die dahinterliegende Strategie und Kostenstruktur müssen genauer betrachtet werden.

Chancen und Herausforderungen für den Markt

Das neue Modell bietet sowohl Chancen als auch Risiken. Auf der einen Seite eröffnet es Zugang zu Strategien, die bisher oft institutionellen Investoren oder vermögenden Privatkunden vorbehalten waren. Die ETF-Hülle kann dabei helfen, diese Ansätze breiter zugänglich zu machen.

Auf der anderen Seite steigt die Komplexität. Performance-Gebühren sind für viele Anleger schwerer einzuschätzen als feste Kosten. Zudem hängt der Erfolg stärker von der Qualität des Managements ab. Während ein klassischer Index-ETF die Marktentwicklung widerspiegelt, kann ein aktiv gemanagter Fonds deutlich davon abweichen – nach oben wie nach unten.

Der Markt steht damit vor einer Entwicklung, die mehr Auswahl bietet, aber auch mehr Differenzierung erfordert.

Fazit

Mit dem ersten ETF mit Performance-Fee in Europa beginnt eine neue Phase im ETF-Markt. Die klare Trennung zwischen passiven Indexfonds und aktiv gemanagten Strategien wird weiter aufgeweicht. ETFs entwickeln sich zunehmend zu einer flexiblen Hülle, in der unterschiedliche Investmentansätze umgesetzt werden können.

Für Anleger entsteht dadurch ein erweitertes Angebot, aber auch ein höherer Bedarf an Einordnung. Kostenstrukturen, Strategien und Risiken unterscheiden sich stärker als bisher. Die einfache Gleichung „ETF gleich günstig und passiv“ gilt damit nicht mehr uneingeschränkt.

Der neue Fonds steht exemplarisch für diese Entwicklung. Er zeigt, dass Innovation im Fondsmarkt nicht nur über neue Strategien, sondern auch über neue Strukturen und Gebührenmodelle erfolgt.

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