Mageres Jahr Flaute im deutschen Games-Markt
Der deutsche Games-Markt steht nach den Boomjahren während der Corona-Pandemie vor einer ernüchternden Realität. Während die vergangenen Jahre von starkem Wachstum und einem massiven Anstieg der Spielerzahlen geprägt waren, zeigte sich 2024 als ein durchwachsenes Jahr für die Branche.
Zwar gab es einige Überraschungserfolge, die für Aufmerksamkeit sorgten, doch insgesamt bleibt der Enthusiasmus der Pandemiezeit in weiter Ferne. Die Flaute betrifft verschiedene Bereiche: Publisher und Entwickler haben mit stagnierenden Verkaufszahlen zu kämpfen, der Hardwaremarkt schwächelt, und selbst große Blockbuster-Titel konnten nicht immer die Erwartungen erfüllen. Gleichzeitig verändern sich die Spielgewohnheiten der Konsumenten, und neue Herausforderungen wie steigende Produktionskosten, veränderte Vertriebsmodelle und regulatorische Hürden erschweren die Marktlage zusätzlich.
Das Nachlassen des Corona-Effekts
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In den Jahren 2020 bis 2022 erlebte der Games-Markt einen massiven Aufschwung. Millionen von Menschen verbrachten mehr Zeit zu Hause und fanden in Videospielen eine willkommene Ablenkung. Die Verkaufszahlen für Konsolen, Spiele und Abonnements schossen in die Höhe, während Streaming und Multiplayer-Gaming neue Nutzerrekorde verzeichneten.
Doch dieser Boom war nicht nachhaltig. Bereits 2023 begann eine Abkühlung, die sich 2024 weiter fortsetzte. Viele Gelegenheitsspieler, die in der Pandemie erstmals in die Welt der Games eintauchten, kehrten nach und nach zu ihren früheren Freizeitaktivitäten zurück. Zudem sorgte die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit – inklusive Inflation und steigender Lebenshaltungskosten – dafür, dass Gaming-Budgets schrumpften.
- Weniger Impulskäufe: Während in den Boomjahren viele Spieler schnell zu Neuveröffentlichungen griffen, ist die Kaufzurückhaltung inzwischen spürbar.
- Längere Spielzeiten pro Titel: Gamer investieren mehr Zeit in bereits erworbene Spiele, anstatt regelmäßig neue zu kaufen. Service-Games mit langen Content-Zyklen profitieren davon.
- Zurückgehender Hardware-Absatz: Die Nachfrage nach neuen Konsolen und Gaming-PCs ist deutlich geringer als in den Vorjahren. Viele Spieler bleiben bei älterer Hardware.
Überraschungserfolge, aber wenige Blockbuster
Trotz der allgemein verhaltenen Marktlage gab es 2024 einige Überraschungserfolge. Indie-Titel und kreative Konzepte konnten sich in einer Zeit, in der große AAA-Produktionen oft enttäuschten, bemerkbar machen.
- Indie-Games im Aufwind: Kleinere Studios konnten mit innovativen Ideen und frischen Spielerfahrungen punkten. Titel mit originellen Mechaniken oder einzigartigem Storytelling fanden ein engagiertes Publikum.
- Nostalgie-Trends: Remakes und Remasters alter Klassiker verkauften sich gut, da viele Spieler vertraute Marken bevorzugen.
- Erfolge im Multiplayer-Bereich: Obwohl der Markt gesättigt erscheint, konnten einige neue Online-Spiele starke Communities aufbauen, insbesondere in Nischen-Genres.
Dagegen hatten viele der erwarteten AAA-Titel mit Problemen zu kämpfen. Entweder blieben sie hinter den Erwartungen zurück, wurden aufgrund langer Entwicklungszeiten verschoben oder konnten den hohen Hype nicht erfüllen. Gerade große Publisher mussten erkennen, dass sich die Spielerschaft kritischer zeigt und nicht mehr blind zu jedem neuen Release greift.
Der Kampf der Plattformen: Abos, Streaming und klassische Verkäufe
Trotz der momentanen Flaute bleibt die Games-Industrie eine der innovativsten und dynamischsten Branchen."
Ein weiteres zentrales Thema des Jahres war der Wandel in den Vertriebsmodellen. Der klassische Kauf eines Spiels weicht zunehmend Abo- und Streaming-Modellen, doch dieser Übergang ist nicht ohne Herausforderungen.
- Abodienste unter Druck: Modelle wie Xbox Game Pass oder PlayStation Plus haben sich etabliert, stehen aber unter wirtschaftlichem Druck. Die steigenden Lizenzkosten und eine wachsende Skepsis der Publisher gegenüber zu geringen Margen führen zu Unsicherheiten in der langfristigen Strategie.
- Cloud-Gaming bleibt Nische: Trotz technischer Fortschritte konnte sich Cloud-Gaming nicht als Massenphänomen durchsetzen. Probleme wie Latenz, Bandbreitenanforderungen und mangelnde Nutzerakzeptanz bremsen die Entwicklung.
- Klassische Verkäufe weiter relevant: Trotz aller Trends bleibt der Kauf einzelner Spiele – ob digital oder physisch – für viele Gamer die bevorzugte Option, insbesondere für Titel mit langfristigem Wiederspielwert.
Regulierungen und wirtschaftliche Hürden
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor für den deutschen Games-Markt sind regulatorische Vorgaben und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die Debatte um Lootboxen, Jugendschutz und mögliche Werbeeinschränkungen für bestimmte Spiele sorgt für Unsicherheiten bei Entwicklern und Publishern.
Zudem sind die Produktionskosten in der Branche stark gestiegen. Große AAA-Titel verschlingen inzwischen Budgets, die an Hollywood-Blockbuster heranreichen, und das Risiko, dass ein Spiel floppt, wächst. Immer mehr Studios setzen deshalb auf Live-Service-Modelle, Mikrotransaktionen oder kostenpflichtige Zusatzinhalte, was jedoch von der Community nicht immer gut aufgenommen wird.
Blick in die Zukunft: Konsolidierung und neue Strategien
Wie geht es weiter mit dem deutschen Games-Markt? Die aktuellen Trends deuten darauf hin, dass die Branche sich auf eine Phase der Konsolidierung und strategischen Neuausrichtung einstellt.
- Weniger, aber gezieltere Investitionen: Publisher werden vorsichtiger, was große Projekte angeht, und setzen verstärkt auf bewährte Marken oder kosteneffizientere Entwicklungen.
- Fokus auf Langfristigkeit: Statt kurzfristiger Verkaufserfolge rücken langfristige Monetarisierungskonzepte wie Battle Passes und In-Game-Events in den Mittelpunkt.
- Technologische Innovationen als Chance: Neue Entwicklungen in KI und prozeduraler Generierung könnten es Studios ermöglichen, Kosten zu senken und gleichzeitig kreative Experimente zu wagen.
Trotz der momentanen Flaute bleibt die Games-Industrie eine der innovativsten und dynamischsten Branchen. Auch wenn 2024 kein Rekordjahr war, könnten sich die nächsten Jahre als entscheidend für die zukünftige Richtung des Marktes erweisen. Spieler, Entwickler und Publisher stehen vor der Herausforderung, neue Wege zu finden, um in einem sich verändernden Umfeld zu bestehen.
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