Edelmetall-Experte Fundamentale Neubewertung von Gold
Im Vergleich zu Gold ist Silber volatiler und stärker konjunkturabhängig.
Gold wird nicht nur teurer gehandelt, sondern anders eingeordnet. Diese Unterscheidung ist zentral für das Verständnis der aktuellen Marktentwicklung. Nach Einschätzung von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Gründer und Geschäftsführer der auf Edelmetallmärkte spezialisierten Beratung Fragold, hat sich die Rolle von Gold als Vermögenswert grundlegend verändert. Diese Veränderung rechtfertige dauerhaft höhere Preisniveaus als in den vergangenen 15 Jahren.
Wrzesniok-Roßbach spricht ausdrücklich von einer „fundamentalen Neubewertung“. Gemeint ist kein zyklischer Preisschub, sondern ein struktureller Wandel. Während Gold lange Zeit in einem Band zwischen etwa 1.000 und 2.500 US-Dollar schwankte, sieht er künftig ein neues langfristiges Preisumfeld zwischen 3.000 und 5.500 US-Dollar. Dieses Band solle das frühere Niveau dauerhaft ablösen.
Vom Krisenmetall zum strategischen Reservewert
box
Über viele Jahre wurde Gold vor allem als Absicherung gegen Inflation, Währungsabwertung oder akute Krisen verstanden.
Entsprechend stark reagierte der Preis auf geldpolitische Signale, reale Zinsen oder kurzfristige Stressphasen an den Finanzmärkten.
Dieses Muster habe sich aus Sicht des Edelmetallexperten verändert.
Gold werde zunehmend als strategischer Reservewert betrachtet.
Dabei stehe weniger die kurzfristige Preisentwicklung im Vordergrund als seine Funktion innerhalb größerer Vermögens- und Währungsstrukturen.
Diese Verschiebung verändere die Nachfragebasis grundlegend.
Zentralbanken als struktureller Nachfragefaktor
Ein wesentlicher Treiber dieser Neubewertung ist die Rolle staatlicher Akteure. Zentralbanken haben ihre Goldkäufe in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, insbesondere außerhalb der westlichen Industrieländer. Diese Nachfrage folgt nicht taktischen Überlegungen, sondern langfristigen strategischen Zielen.
Im Mittelpunkt stehen dabei mehrere Motive:
- Verringerung der Abhängigkeit von einzelnen Leitwährungen
- Absicherung gegen geopolitische und sanktionsbedingte Risiken
- Stärkung der eigenen Währungsreserven durch einen wertstabilen Vermögenswert
Diese Käufe wirken kontinuierlich und entziehen dem Markt physisches Angebot. Dadurch entsteht eine andere Preisstabilität als in früheren Phasen, in denen Gold stärker von Finanzinvestoren dominiert wurde.
Vertrauen als entscheidende Größe
Silber sei kein Ersatz für Gold, sondern eine Ergänzung mit anderem Risikoverlauf."
Nach Einschätzung von Wrzesniok-Roßbach ist der Goldpreis zunehmend ein Spiegel des Vertrauens in das globale Finanzsystem. Hohe Staatsverschuldung, expansive Geldpolitik und wiederholte Markteingriffe haben das Sicherheitsverständnis vieler Akteure verändert. Vertrauen wird nicht mehr als selbstverständlich angesehen.
Gold profitiert davon, weil es kein Gegenparteirisiko trägt. Es ist weder Schuldversprechen noch abhängig von der Zahlungsfähigkeit eines Emittenten. Diese Eigenschaft gewinnt in einem fragmentierteren und politisch geprägten Finanzsystem an Bedeutung.
Kurzfristige Schwankungen bleiben Teil des Bildes
Trotz der langfristig positiven Einschätzung warnt der Experte vor einer linearen Erwartungshaltung. Auch in einem strukturell höheren Preisumfeld bleiben Rücksetzer möglich und wahrscheinlich. Zinsbewegungen, Wechselkursentwicklungen oder Gewinnmitnahmen können jederzeit Druck auf den Goldpreis ausüben.
Diese Bewegungen seien jedoch Teil eines Anpassungsprozesses. Die Neubewertung verlaufe nicht gleichmäßig, sondern in Etappen. Entscheidend sei das übergeordnete Bewertungsniveau, nicht die kurzfristige Volatilität.
Silber als ergänzende Chance
Neben Gold verweist Wrzesniok-Roßbach auf Silber, das ein eigenständiges Profil aufweist. Silber ist stärker industriell geprägt und reagiert sensibler auf konjunkturelle Entwicklungen. Gleichzeitig profitiert es von strukturellen Trends wie Energiewende, Elektronik und Digitalisierung.
Aus dieser Doppelrolle ergeben sich besondere Eigenschaften:
- Höhere Volatilität im Vergleich zu Gold
- Stärkere Abhängigkeit von industrieller Nachfrage
- Größeres relatives Aufholpotenzial in bestimmten Marktphasen
Silber sei damit kein Ersatz für Gold, sondern eine Ergänzung mit anderem Risikoverlauf.
Fazit
Nach Einschätzung von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach befindet sich Gold in einer Phase dauerhafter Neubewertung. Getrieben wird diese Entwicklung durch strukturelle Nachfrage von Zentralbanken, ein verändertes Sicherheitsverständnis und wachsende Zweifel an klassischen Finanzankern. Kurzfristige Rücksetzer bleiben möglich, verändern jedoch nicht den langfristig höheren Bewertungsrahmen. Silber ergänzt dieses Bild mit einem zyklischeren, aber potenziell chancenreicheren Profil. Ein Einstieg am Tiefpunkt hätte Mut erfordert, wäre aber rückblickend reichlich belohnt worden.
Erst der Mensch, dann das Geschäft









