Studie zum Bürgergeld Jobcenter: Verwaltung zu teuer
Das Bürgergeld sollte das bisherige Hartz-IV-System ablösen und die soziale Absicherung in Deutschland reformieren.
Die Ziele waren klar: weniger Bürokratie, mehr Anreize zur Arbeitsaufnahme und eine stärkere Förderung der Bezieher durch individuelle Qualifizierungsmaßnahmen. Doch eine aktuelle Bertelsmann-Studie zeigt ein besorgniserregendes Bild: Statt mehr Menschen in Arbeit zu bringen, verursacht das Bürgergeld hohe Verwaltungskosten in den Jobcentern.
Die Studie wirft eine grundlegende Frage auf: Ist das Bürgergeld tatsächlich effizient oder versickern die Mittel vor allem in der Bürokratie? Während Befürworter argumentieren, dass die Reform noch Zeit zur Entfaltung brauche, kritisieren Gegner die hohen Kosten und die mangelnde Wirkung auf den Arbeitsmarkt.
Verwaltungskosten steigen – Vermittlungserfolge bleiben aus
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Die Untersuchung zeigt, dass ein erheblicher Teil der für das Bürgergeld vorgesehenen Mittel in die Verwaltung der Jobcenter fließt, anstatt direkt für Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration genutzt zu werden. Besonders auffällig sind folgende Erkenntnisse:
- Wachsende Bürokratie: Obwohl das Bürgergeld eigentlich für eine Vereinfachung der Prozesse sorgen sollte, sind die Verwaltungskosten vieler Jobcenter in den letzten Jahren weiter gestiegen.
- Hoher Aufwand für Antragsprüfung: Die neuen Regeln, insbesondere die großzügigeren Freibeträge und Karenzzeiten, erfordern eine detailliertere Prüfung der Berechtigung und führen zu zusätzlichem Personalbedarf.
- Zu wenig direkte Förderung für Arbeitslose: Nur ein begrenzter Teil der finanziellen Mittel fließt in Weiterbildungen, Umschulungen oder Jobvermittlung – stattdessen werden hohe Summen für organisatorische Prozesse aufgewendet.
Diese Entwicklungen werfen Zweifel auf, ob das Bürgergeld tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt. Kritiker bemängeln, dass die Jobcenter zu stark mit Verwaltungsaufgaben belastet sind, anstatt sich auf ihre eigentliche Kernaufgabe – die Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt – zu konzentrieren.
Wo entstehen die größten Verwaltungskosten?
Die Studie identifiziert mehrere Bereiche, in denen die Verwaltungskosten besonders hoch sind:
1. Antragsprüfung und Berechnung der Ansprüche
- Durch die Einführung des Bürgergelds mussten viele Antragsverfahren neu gestaltet werden.
- Besonders die Karenzzeiten für Vermögen und Wohnkosten führen dazu, dass Mitarbeiter der Jobcenter komplexe Berechnungen durchführen müssen.
- In einigen Jobcentern dauert die Bearbeitung von Neuanträgen länger als früher – was paradoxerweise nicht zu einer Effizienzsteigerung, sondern zu mehr Personalaufwand führt.
2. Dokumentations- und Kontrollpflichten
- Die Vorschriften zur Berechnung von Zuverdienstmöglichkeiten und Freibeträgen sind komplexer geworden.
- Jeder Fall muss detailliert dokumentiert und geprüft werden, was den Verwaltungsaufwand erhöht.
- Auch Sanktionen müssen sorgfältig begründet und nachgehalten werden, was zusätzliche Kapazitäten bindet.
3. Langfristige Betreuung statt schneller Vermittlung
- Das Bürgergeld setzt stärker auf langfristige Förderung und individuelle Beratung.
- In der Praxis bedeutet dies jedoch, dass mehr Personal für Fallmanagement und Beratung eingesetzt wird – wodurch weniger Mittel für direkte Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.
Diese strukturellen Probleme führen dazu, dass ein erheblicher Teil der Mittel nicht direkt den Bürgergeld-Empfängern zugutekommt, sondern in der Verwaltung bleibt.
Hat das Bürgergeld sein Ziel verfehlt?
Ob das Bürgergeld in seiner jetzigen Form langfristig bestehen bleibt, ist unklar. Doch eins ist sicher: Ohne gezielte Reformen droht die Sozialleistung zu einer bürokratischen Kostenfalle zu werden, die mehr verwaltet als tatsächlich hilft."
Die Einführung des Bürgergelds war von der Idee getragen, Menschen besser auf dem Arbeitsmarkt zu unterstützen und langfristig Erwerbsperspektiven zu schaffen. Doch die bisherige Umsetzung wirft Fragen auf:
- Zu wenig Anreize zur schnellen Arbeitsaufnahme? Kritiker argumentieren, dass das Bürgergeld nicht genügend Anreize setzt, um Arbeitslose schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die großzügigeren Freibeträge und längeren Karenzzeiten könnten dazu führen, dass viele Bezieher weniger Druck verspüren, sich kurzfristig eine Beschäftigung zu suchen.
- Fehlende Effizienz der Jobcenter? Die steigenden Verwaltungskosten legen nahe, dass das System nicht optimal funktioniert. Wenn ein großer Teil der Gelder für Bürokratie anstatt für Qualifizierungsmaßnahmen ausgegeben wird, ist der langfristige Nutzen des Bürgergelds fraglich.
- Komplizierte Regeln statt echter Vereinfachung? Eigentlich sollte das Bürgergeld bürokratische Hürden abbauen – stattdessen scheinen die Prozesse in vielen Bereichen noch aufwendiger geworden zu sein. Die Berechnung individueller Ansprüche bleibt kompliziert, was nicht nur für die Verwaltung, sondern auch für die Bürgergeld-Bezieher selbst eine Belastung darstellt.
Wie könnte das System effizienter gestaltet werden?
Die Bertelsmann-Studie gibt keine direkten Handlungsempfehlungen, doch aus den Ergebnissen lassen sich einige Reformansätze ableiten:
- Digitalisierung der Verwaltung verbessern: Viele Jobcenter arbeiten noch mit veralteten Systemen, was die Bearbeitung von Anträgen unnötig verlangsamt. Eine stärkere Automatisierung von Prozessen könnte Kosten sparen und Bearbeitungszeiten verkürzen.
- Mehr Mittel in Qualifizierungsprogramme statt in Verwaltung stecken: Anstatt immer mehr Ressourcen für Bürokratie aufzuwenden, sollten verstärkt Programme finanziert werden, die Menschen tatsächlich in Arbeit bringen. Eine stärkere Verzahnung mit Unternehmen und Bildungsanbietern könnte helfen, gezieltere Weiterbildungsangebote zu schaffen.
- Anreizsysteme überdenken: Um Arbeitslose schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren, könnten stärkere finanzielle Anreize für Arbeitsaufnahme geschaffen werden. Modelle wie "Workfare" (Arbeit gegen Sozialleistungen) oder abgestufte Prämien für Eigeninitiative könnten eine Lösung sein.
- Effizienz der Jobcenter überprüfen: Nicht alle Jobcenter arbeiten gleich effizient – regionale Unterschiede in der Verwaltung könnten analysiert und Best Practices eingeführt werden. Eine Entbürokratisierung und bessere Verteilung der Aufgaben könnten Kosten senken.
Fazit: Ein teures Experiment mit Reformbedarf
Das Bürgergeld ist eine der größten Sozialreformen der letzten Jahre – doch die Studie zeigt, dass das System in seiner aktuellen Form nicht optimal funktioniert. Statt mehr Menschen in Arbeit zu bringen, verschlingt die Verwaltung enorme Summen.

Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt