Wirtschaftsdenker: Herman Daly (1938–2022) Ökologische Ökonomik – Wirtschaft mit Grenzen
Ein wirtschaftstheoretischer Ansatz, der ökonomische Aktivität als Teil eines begrenzten ökologischen Systems versteht.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde zunehmend sichtbar, dass wirtschaftliches Wachstum nicht folgenlos bleibt. Umweltbelastungen, Ressourcenverbrauch und ökologische Schäden nahmen parallel zur Ausweitung wirtschaftlicher Aktivität zu. In diesem Kontext entwickelte Herman Daly die ökologische Ökonomik. Sie setzt dort an, wo klassische Wirtschaftstheorien an ihre Grenzen stoßen: bei der Annahme unbegrenzter natürlicher Voraussetzungen.
Die ökologische Ökonomik betrachtet Wirtschaft nicht als in sich geschlossenes System von Preisen und Märkten. Sie versteht wirtschaftliche Prozesse als eingebettet in natürliche Kreisläufe. Produktion, Konsum und Wachstum sind demnach nur möglich, weil Energie und Rohstoffe aus der Umwelt entnommen und Abfälle an sie zurückgegeben werden. Weitere Aphorismen und Konzepte sind hier.
Denken in Systemgrenzen
Herman Daly war stark von Systemtheorie und Umweltökonomie geprägt. Sein Denken richtet sich weniger auf Marktmechanismen als auf Rahmenbedingungen. Wirtschaft ist für ihn kein abstraktes Rechenmodell, sondern ein physisch verankertes System. Diese Perspektive verschiebt den Blick von Effizienz auf Tragfähigkeit.
Wirtschaft ist Teil eines begrenzten ökologischen Systems."
Zentral ist dabei die Unterscheidung zwischen Wachstum und Entwicklung. Wachstum bezeichnet die quantitative Ausdehnung wirtschaftlicher Aktivität. Entwicklung meint qualitative Verbesserung innerhalb bestehender Grenzen. Daly argumentierte, dass moderne Volkswirtschaften häufig Wachstum mit Fortschritt gleichsetzen, obwohl steigender Ressourcenverbrauch langfristig die eigenen Grundlagen untergräbt.
Diese Sichtweise stellt gängige Erfolgsmaßstäbe infrage. Nicht jede wirtschaftliche Ausweitung erhöht Wohlstand, wenn ökologische Kosten dauerhaft ignoriert werden.
Grundstruktur des Ansatzes
Die ökologische Ökonomik folgt einer klaren systemischen Logik:
- Wirtschaft ist in natürliche Systeme eingebettet.
- Ressourcen und Senken sind begrenzt.
- Wirtschaftliches Wachstum stößt an physische Grenzen.
- Stabilität erfordert die Beachtung ökologischer Tragfähigkeit.
Daly sprach in diesem Zusammenhang von einer „stationären Wirtschaft“. Gemeint ist kein Stillstand, sondern ein Zustand, in dem wirtschaftliche Aktivität innerhalb ökologischer Belastungsgrenzen stattfindet. Ziel ist Stabilität statt permanentem Wachstum.
Einordnung in die heutige Wirtschaft
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Die Bedeutung der ökologischen Ökonomik hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Klimawandel, Artenverlust und Ressourcenknappheit zeigen, dass ökologische Grenzen reale wirtschaftliche Folgen haben. Dalys Ansatz bietet einen Rahmen, um diese Entwicklungen systematisch einzuordnen.
In der heutigen Wirtschaft gewinnen Konzepte wie Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft oder langfristige Risikobewertung an Gewicht. Ökonomische Entscheidungen werden zunehmend daran gemessen, ob sie dauerhaft tragfähig sind. Die ökologische Ökonomik hilft, Zielkonflikte zwischen Wachstum, Wohlstand und Umweltbelastung analytisch sichtbar zu machen.
Auch politische und unternehmerische Strategien greifen implizit auf diese Denkweise zurück. Umweltregulierung, Nachhaltigkeitsberichterstattung und langfristige Investitionskriterien beruhen auf der Einsicht, dass wirtschaftliche Stabilität ohne ökologische Stabilität nicht erreichbar ist.
Fazit
Die ökologische Ökonomik rückt die Grenzen wirtschaftlichen Handelns in den Mittelpunkt. Sie zeigt, dass Wirtschaft nicht losgelöst von natürlichen Voraussetzungen existiert. Als Analyseansatz schafft sie Klarheit darüber, unter welchen Bedingungen wirtschaftliche Entwicklung langfristig möglich bleibt.
Merksätze:
- Wirtschaft ist Teil eines begrenzten ökologischen Systems.
- Wachstum ist physisch begrenzt, Entwicklung nicht zwingend.
- Langfristige wirtschaftliche Stabilität setzt ökologische Tragfähigkeit voraus.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.












