Value-Strategien setzen auf Unternehmen mit soliden Bilanzen, stabilen Cashflows und nachvollziehbarer Bewertung

Substanzwerte gewinnen wieder Bedeutung Wachstumsrally mit Ablaufdatum

US-Wachstumsaktien dominieren seit Jahren die Schlagzeilen. Technologie-Konzerne liefern starke Gewinne, treiben Indizes nach oben und prägen das Bild eines scheinbar endlosen Aufwärtstrends. Gleichzeitig geraten Substanzwerte – klassische Value-Titel – ins Hintertreffen.

Die Performance-Unterschiede sind deutlich, und der Eindruck entsteht, Wachstum sei die einzige relevante Anlagelogik. Doch diese Wahrnehmung trügt. Marktzyklen folgen langfristigen Strukturen, und kein Faktor bleibt dauerhaft dominant. Fondsmanager wie Christian Funke betonen deshalb, dass Value nicht in der Vergangenheit steckt, sondern ein essenzieller Teil robuster Portfolios bleibt. Gerade in Phasen extremer Bewertungsausweitungen liefert Substanz Stabilität.

Warum Wachstumswerte über Jahre dominieren konnten

Value-Strategien behalten ihren Platz, weil sie Stabilität und Bewertungssicherheit bieten. In einer Welt steigender Kapitalkosten und zunehmender Zyklik gewinnt Substanz an Bedeutung. Eine ausgewogene Mischung beider Stile schafft die robustesten Portfolios."

Die jüngste Wachstumsphase beruht auf mehreren gleichzeitigen Entwicklungen: Digitalisierungsschub, Skaleneffekte großer Plattformunternehmen, niedrige Zinsen, hoher Kapitalzufluss und eine enorme Erwartungsdynamik.

In einem Umfeld, in dem die Kapitalkosten nahe Null lagen, spielten langfristige Gewinnperspektiven eine größere Rolle als aktuelle Cashflows. Das begünstigte Technologieunternehmen und innovative Geschäftsmodelle, deren Bewertung primär auf Zukunftserwartungen basiert.

Treiber der Wachstumsdominanz:

  • anhaltende Digitalisierung und datenbasierte Geschäftsmodelle
  • extrem niedrige Zinsen bis 2022
  • Skalenvorteile globaler Plattformen
  • hohe Margen und starkes Gewinnwachstum
  • starke Kapitalströme aus ETFs und thematischen Fonds

Doch diese Bedingungen verändern sich. Höhere Zinsen, steigende Kapitalkosten und Bewertungsgrenzen führen dazu, dass Zukunftserwartungen neu austariert werden müssen.

Warum Value zurückkehren kann

Value-Strategien setzen auf Unternehmen mit soliden Bilanzen, stabilen Cashflows und nachvollziehbarer Bewertung. In Marktphasen, in denen Unsicherheit steigt oder Wachstumserwartungen sinken, verschieben Anleger ihren Fokus häufig zu genau diesen Titeln.

Christian Funke weist darauf hin, dass viele Substanzwerte derzeit günstiger bewertet sind als langfristige historische Mittelwerte. Einige Branchen – Industrie, Finanzen, Energie, Grundstoffe – erzielen robuste Gewinne, werden aber im Marktgespräch häufig übersehen.

Argumente für eine Rückkehr des Value-Segments:

  • steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität kurzfristiger Cashflows
  • Bewertungsdifferenzen zwischen Growth und Value sind historisch hoch
  • zyklische Sektoren profitieren von Reindustrialisierung und Infrastrukturprogrammen
  • robuste Unternehmensgewinne in klassischen Branchen
  • geringere Risikoanfälligkeit gegenüber Stimmungswechseln

Value ist kein Ersatz für Wachstum, sondern ein Gegengewicht. Die Strategie wirkt dort stabilisierend, wo Wachstumswerte anfällig für Bewertungsrevisionen sind.

Portfoliologik: Balance statt Einseitigkeit

Funke betont, dass Anleger nicht in den Extremmodus verfallen sollten: weder „nur Growth“ noch „nur Value“. Der langfristige Erfolg resultiert aus Diversifikation über verschiedene Bewertungs- und Gewinnerwartungsmodelle hinweg.

Gerade institutionelle Anleger nutzen Value-Bausteine, um die Volatilität zu reduzieren und Portfolioresilienz zu erhöhen. Wachstumstitel bleiben zentral, doch sie funktionieren am besten in Kombination mit Substanzwerten, die Bewertungsrisiken abfedern.

Zudem zeigt die Markthistorie:

Value erlebt oft verzögerte, aber kraftvolle Phasen der Outperformance – typischerweise nach übermäßigen Bewertungsdehnungen im Wachstumsteil der Märkte.

Eine Frage der Marktstruktur, nicht des Stils

Die Debatte zwischen Growth und Value ist weniger ein Entweder-oder als eine Frage des Makroumfelds. Höhere Zinsen, ruhigere Innovationszyklen oder stärkere Regulierung können das Kräfteverhältnis neu verteilen.

Wichtig ist: Kein Stil gewinnt dauerhaft. Marktzyklen rotieren, und Portfolioarchitektur sollte diese Rotationen berücksichtigen. Wachstumswerte bleiben Antriebskräfte moderner Märkte – aber Substanz ist der Stabilitätsanker, der in Korrekturphasen trägt.

Fazit

Der aktuelle Wachstumsvorsprung ist nicht selbstverständlich und nicht unbegrenzt. Value-Strategien behalten ihren Platz, weil sie Stabilität und Bewertungssicherheit bieten. In einer Welt steigender Kapitalkosten und zunehmender Zyklik gewinnt Substanz an Bedeutung. Eine ausgewogene Mischung beider Stile schafft die robustesten Portfolios.

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