Im September dieses Jahres gab es 19,5 Prozent Unternehmensinsolvenzen mehr als im gleichen Vorjahresmonat

Leichte Entwarnung Wohl keine Pleitewelle

Im September dieses Jahres gab es 19,5 Prozent Unternehmensinsolvenzen mehr als im gleichen Vorjahresmonat. Das hat das Statistische Bundesamt mitgeteilt. Damit setzt sich ein bereits seit einigen Monaten zu beobachtender Trend fort. Trotzdem befürchten Experten derzeit keine Pleitewelle.

Im August war der Insolvenzanstieg sogar noch ausgeprägter. Hier war eine Zunahme um 35,7 Prozent festzustellen gewesen. Betrachtet man die Insolvenzentwicklung über einen längeren Zeitraum, so zeigt die Entwicklung in den vergangenen Jahren allerdings eindeutig nach unten. Sowohl absolut als auch relativ gesehen ist die Zahl der Insolvenzen zurückgegangen. Wurden 2012 noch rund 28.300 oder 0,87 Prozent Unternehmen insolvent, waren es 2022 gerade noch 14.600 oder 0,48 Prozent - gut die Hälfte. Das Jahr mit den wenigsten Insolvenzen war 2021. Hier gingen nur rund 14.000 Unternehmen pleite.

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Normalisierung nach Ende von Corona-Hilfen und Ausnahmeregeln

Die positive Insolvenzentwicklung der letzten Jahre war zu einem guten Teil der guten Wirtschaftslage geschuldet. Sie sorgte für weniger Firmenzusammenbrüche. 2020 endete mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie diese Zeit der Prosperität. Dass es in der Folge trotzdem nicht zu mehr Unternehmensinsolvenzen kam, lag vor allem an den umfangreichen Staatshilfen und den teilweise ausgesetzten Insolvenzregeln während der Corona-Monate. Diese Maßnahmen halfen vielen Unternehmen über die schwierigen Zeiten ohne oder mit schwachem Umsatz aufgrund von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen hinweg.

Die Zunahme der Insolvenzen ist eine notwendige Bereinigung."

Der Wiederanstieg der Insolvenzzahlen seit gut einem Jahr darf insofern als ein Zeichen der Normalisierung gewertet werden. Die Corona-Hilfen sind mittlerweile ausgelaufen und auch bei der Insolvenzantragspflicht gibt es keine Ausnahmen mehr. Nun müssen sich die Geschäftsmodelle wieder am Markt bewähren. Und hier erweist sich offenbar manches Modell unter Normalbedingungen nicht als tragfähig. Das geschäftliche Aus ist die logische Konsequenz.

Eine notwendige Marktbereinigung

Für Christoph Niering, den Vorsitzenden des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) ist der Anstieg der Insolvenzzahlen denn auch nicht besonders beunruhigend. Er sieht in der Zunahme der Insolvenzen eine notwendige Bereinigung, bei der unter den heutigen Bedingungen nicht mehr tragfähige Geschäftsmodelle vom Markt verschwinden. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage befürchtet Niering keine Situation wie in den Jahren nach der Jahrtausendwende mit über 30.000 Insolvenzen pro Jahr - eine erfreuliche Prognose!

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