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Finanzlexikon Aktiensplit, neue Aktien

Ein Aktiensplit ist ein wichtiges Ereignis bei börsennotierten Unternehmen, bei dem die Anzahl der ausstehenden Aktien eines Unternehmens erhöht wird, ohne den Gesamtwert des Unternehmens zu verändern. Unternehmen entscheiden sich aus verschiedenen Gründen für einen Aktiensplit, meist um die Handelbarkeit ihrer Aktien zu verbessern und den Zugang für kleinere Anleger zu erleichtern.

Während ein Aktiensplit auf den ersten Blick eine rein technische Maßnahme zu sein scheint, hat er dennoch wirtschaftliche und psychologische Auswirkungen auf Investoren und den Aktienmarkt insgesamt.

Was ist ein Aktiensplit?

Ein Aktiensplit bezeichnet die Aufteilung existierender Aktien in eine größere Anzahl von Aktien mit einem entsprechend angepassten Kurswert. Dabei bleibt der Gesamtwert des Unternehmens (Marktkapitalisierung) unverändert. Der Hauptzweck eines Aktiensplits ist es, den Preis pro Aktie zu senken, sodass die Aktie für eine breitere Anlegerschicht zugänglicher wird.

Ein Beispiel: Falls ein Unternehmen einen 2:1-Split durchführt, bedeutet dies, dass jeder Aktionär für eine gehaltene Aktie zwei neue Aktien erhält. Der Aktienkurs halbiert sich in diesem Fall, sodass sich am Gesamtwert der Aktienposition eines Anlegers nichts ändert.

Gründe für einen Aktiensplit

Unternehmen führen Aktiensplits aus verschiedenen Gründen durch, die sowohl auf praktischen als auch auf psychologischen Faktoren beruhen.

  • Erhöhte Attraktivität für Kleinanleger: Ein hoher Aktienkurs kann abschreckend wirken, insbesondere für Privatanleger mit begrenztem Kapital. Durch einen Aktiensplit wird der Preis pro Aktie gesenkt, wodurch die Aktie für eine größere Anzahl von Investoren erschwinglicher wird.
  • Verbesserung der Liquidität: Eine größere Anzahl an ausstehenden Aktien kann die Handelbarkeit verbessern, da mehr Aktien verfügbar sind und die Spreads (Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis) reduziert werden können.
  • Psychologischer Effekt: Viele Anleger empfinden eine Aktie mit einem niedrigeren Kurs als attraktiver. Obwohl der Gesamtwert einer Investition unverändert bleibt, kann die Wahrnehmung eines "günstigeren" Preises zu einer erhöhten Nachfrage führen.
  • Signalwirkung an den Markt: Unternehmen, die einen Aktiensplit durchführen, befinden sich häufig in einer Wachstumsphase. Ein Split kann als Vertrauenssignal des Managements gewertet werden, dass der Kurs weiter steigen könnte.

Arten von Aktiensplits

Klassischer Aktiensplit

Beim klassischen Aktiensplit wird die Anzahl der ausstehenden Aktien erhöht, während der Kurs pro Aktie entsprechend sinkt. Übliche Split-Verhältnisse sind:

  • 2:1 (eine alte Aktie wird in zwei neue Aktien aufgeteilt)
  • 3:1 (eine alte Aktie wird in drei neue Aktien aufgeteilt)
  • 4:1 oder höher (seltener, aber insbesondere bei stark gestiegenen Kursen möglich)

Ein Beispiel:
Ein Unternehmen mit einem Aktienkurs von 500 Euro führt einen 2:1-Split durch. Ein Anleger, der zuvor 10 Aktien besaß, hat nach dem Split 20 Aktien, allerdings zu einem neuen Kurs von 250 Euro je Aktie. Der Gesamtwert der Position bleibt mit 5.000 Euro unverändert.

Reverse Split (Aktiensplit im umgekehrten Verhältnis)

Ein Reverse Split ist das Gegenteil eines klassischen Aktiensplits. Hierbei wird die Anzahl der ausgegebenen Aktien reduziert, während der Kurs pro Aktie entsprechend steigt. Unternehmen entscheiden sich häufig für einen Reverse Split, wenn der Aktienkurs zu niedrig ist und die Aktie möglicherweise Gefahr läuft, aus einem Index oder von einer Börse delistet zu werden.

Ein Beispiel:
Falls ein Unternehmen einen 1:10-Reverse-Split durchführt, werden zehn bestehende Aktien zu einer neuen Aktie zusammengelegt. Ein Anleger, der zuvor 100 Aktien zu je 1 Euro hielt, besitzt danach nur noch 10 Aktien, deren Kurs nun bei 10 Euro liegt. Auch hier bleibt der Gesamtwert der Investition unverändert.

Reverse Splits werden oft von Unternehmen durchgeführt, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, oder um einen stabileren Eindruck zu vermitteln. Während normale Aktiensplits meist als positives Zeichen gewertet werden, ist ein Reverse Split oft mit Skepsis behaftet.

Auswirkungen eines Aktiensplits

Für Investoren ist es wichtig, einen Aktiensplit nicht isoliert zu betrachten, sondern die fundamentalen Daten und langfristigen Perspektiven des Unternehmens im Blick zu behalten. Ein Split allein macht eine Aktie nicht attraktiver – entscheidend bleibt die wirtschaftliche Stärke des Unternehmens."

Auswirkungen auf den Aktienkurs

In der Theorie sollte ein Aktiensplit keine Veränderung des Gesamtwerts eines Unternehmens mit sich bringen. In der Praxis jedoch kann ein Split den Aktienkurs kurzfristig beeinflussen. Studien zeigen, dass Aktien nach einem Split häufig eine erhöhte Nachfrage erfahren, da Investoren psychologisch durch den niedrigeren Preis beeinflusst werden.

Allerdings hängt der langfristige Kursverlauf von fundamentalen Faktoren ab. Falls ein Unternehmen bereits vor dem Split ein solides Geschäftsmodell und steigende Gewinne aufweist, kann der Split das Wachstum weiter beflügeln. Falls ein Split jedoch nur aus kosmetischen Gründen erfolgt, bleibt der langfristige Effekt oft aus.

Auswirkungen auf bestehende Aktionäre

Für bestehende Aktionäre ändert sich durch einen Split zunächst nichts, da sie proportional die gleiche Anzahl von Aktien besitzen wie zuvor. Allerdings profitieren sie potenziell von einer erhöhten Liquidität und einer verbesserten Marktpsychologie. Falls der Aktienkurs nach dem Split steigt, kann dies den Gesamtwert der Investition weiter erhöhen.

Auswirkungen auf Unternehmen

Ein Unternehmen kann durch einen Aktiensplit seinen Investorenkreis erweitern. Institutionelle Investoren und Indexfonds können jedoch andere Kriterien haben – beispielsweise gibt es Fonds, die nur Aktien mit einem bestimmten Mindestkurs aufnehmen. Falls ein Split den Kurs zu stark senkt, könnte dies institutionelle Käufer abschrecken.

Einfluss auf den Markt

In Zeiten eines Bullenmarktes sind Aktiensplits häufig, da Unternehmen oft stark an Wert gewinnen und die Notwendigkeit sehen, die Aktienkurse für Anleger attraktiver zu gestalten. In Bärenmärkten hingegen sind Splits seltener, da die Aktienkurse meist ohnehin schon gesunken sind.

Bekannte Beispiele für Aktiensplits

Einige der weltweit größten Unternehmen haben in der Vergangenheit mehrfach Aktiensplits durchgeführt. Dazu gehören:

  • Apple Inc.: Apple hat in seiner Geschichte bereits mehrere Aktiensplits durchgeführt. Der bekannteste Split fand 2020 statt, als Apple einen 4:1-Split vollzog, wodurch der Aktienkurs von über 400 US-Dollar auf rund 100 US-Dollar sank.
  • Tesla Inc.: Tesla führte 2020 einen 5:1-Split durch, der zu einem starken Anstieg der Nachfrage nach der Aktie führte.
  • Amazon: Amazon führte 2022 einen 20:1-Split durch, nachdem der Kurs auf über 3.000 US-Dollar gestiegen war.

Fazit

Ein Aktiensplit ist eine rein technische Maßnahme, die den Wert eines Unternehmens nicht verändert. Dennoch kann er psychologische und praktische Auswirkungen haben, indem er den Handel mit der Aktie erleichtert, neue Investoren anzieht und in bestimmten Fällen sogar eine Kurssteigerung begünstigt. Während klassische Aktiensplits in der Regel positiv aufgenommen werden, sind Reverse Splits oft ein Zeichen für wirtschaftliche Probleme eines Unternehmens.

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