Studie zeigt Anleger vertrauen auf sich selbst
Die Studie zeigt, dass Finanzentscheidungen trotz wachsender Komplexität oft im engen Kreis getroffen werden.
Finanzentscheidungen gelten als individuell, rational und gut informiert. In der Praxis werden sie jedoch häufig allein getroffen. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage zeigt, dass viele Menschen ihre Geldfragen weitgehend ohne Rücksprache klären. Trotz wachsender Informationsangebote und digitaler Hilfsmittel bleibt das Vertrauen in die eigene Einschätzung hoch.
Die Studie basiert auf einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deka. Sie beleuchtet, wie Anleger Entscheidungen vorbereiten, wen sie einbeziehen und welche Rolle neue Technologien spielen. Das Ergebnis ist ernüchternd und aufschlussreich zugleich.
Allein entscheiden als verbreitetes Muster
box
Ein erheblicher Teil der Befragten trifft Finanzentscheidungen ohne breiten Austausch.
Rund 40 Prozent verlassen sich auf ihre eigene Einschätzung oder holen lediglich eine weitere Meinung ein.
Weitere 23 Prozent entscheiden vollständig allein.
Der Austausch mit Beratern, Familie oder Freunden bleibt damit oft begrenzt.
Diese Zurückhaltung ist bemerkenswert.
Noch nie war der Zugang zu Informationen so einfach.
Vergleichsportale, Finanzmedien und digitale Tools stehen jederzeit zur Verfügung.
Dennoch scheint die Bereitschaft gering, Entscheidungen systematisch abzusichern oder zu diskutieren.
Altersunterschiede prägen das Entscheidungsverhalten
Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Jüngere Anleger suchen häufiger den Austausch, während mit zunehmendem Alter die Eigenständigkeit zunimmt.
- Bei den 18- bis 30-Jährigen entscheiden 17 Prozent ohne Rücksprache
- In der Gruppe der 46- bis 64-Jährigen liegt der Anteil bei 26 Prozent
- Bei den 65- bis 75-Jährigen treffen bereits 29 Prozent Entscheidungen allein
Mit steigendem Alter wächst offenbar das Vertrauen in eigene Erfahrung. Gleichzeitig sinkt die Neigung, externe Perspektiven einzubeziehen. Das kann Ausdruck von Routine sein, aber auch von Abgrenzung gegenüber neuen Sichtweisen.
Erfahrung ersetzt nicht zwingend Reflexion
Viele Anleger vertrauen bei Finanzentscheidungen vor allem sich selbst. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Eigenständigkeit zu, während Austausch und digitale Hilfsmittel eine begrenzte Rolle spielen."
Eigenständigkeit wird oft mit Kompetenz gleichgesetzt. Die Studie legt jedoch nahe, dass Selbstvertrauen nicht automatisch mit systematischer Entscheidungsqualität einhergeht. Wer lange investiert, entwickelt feste Überzeugungen. Diese können hilfreich sein, aber auch blinde Flecken erzeugen.
Gerade in komplexen oder veränderten Marktumfeldern steigt das Risiko, bekannte Muster zu lange fortzuschreiben. Austausch wirkt hier nicht als Kontrolle, sondern als Korrektiv. Dass er häufig ausbleibt, verweist auf eine strukturelle Eigenheit privater Finanzentscheidungen.
Digitale Hilfsmittel bleiben Randerscheinung
Überraschend gering ist die Rolle digitaler Entscheidungshilfen. Künstliche Intelligenz, Chatbots oder automatisierte Beratung spielen in der Praxis bislang kaum eine Rolle. Sie werden selten aktiv genutzt und offenbar nicht als vertrauenswürdige Ergänzung wahrgenommen.
Das deutet auf Zurückhaltung gegenüber algorithmischer Unterstützung hin. Finanzentscheidungen bleiben für viele eine persönliche Angelegenheit. Technik wird als Informationsquelle akzeptiert, aber nicht als Mitentscheider.
Vertrauen, Kontrolle und Verantwortung
Die Ergebnisse zeigen ein Spannungsfeld zwischen Autonomie und Absicherung. Viele Anleger bevorzugen Kontrolle und Eigenverantwortung. Beratung wird selektiv genutzt, Technik eher beobachtet als integriert. Entscheidungen bleiben damit stark subjektiv geprägt.
Diese Haltung ist weder eindeutig positiv noch negativ. Sie erklärt jedoch, warum Informationsvielfalt nicht automatisch zu breiterer Abstimmung führt. Entscheidend ist weniger der Zugang zu Wissen als die Bereitschaft, Perspektiven zuzulassen.
Fazit
Viele Anleger vertrauen bei Finanzentscheidungen vor allem sich selbst. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Eigenständigkeit zu, während Austausch und digitale Hilfsmittel eine begrenzte Rolle spielen. Erfahrung ersetzt dabei häufig Reflexion, Technik bleibt Beobachter. Die Studie zeigt, dass Finanzentscheidungen trotz wachsender Komplexität oft im engen Kreis getroffen werden.
fair, ehrlich, authentisch - die Grundlage für das Wohl aller Beteiligten











