Asset-Allokation Europa neu entdecken
Lange Zeit war Europa in den Depots internationaler Investoren eher unterrepräsentiert. Schwaches Wachstum, politische Spannungen und strukturelle Probleme in einigen Volkswirtschaften haben dazu geführt, dass viele Anleger ihr Kapital lieber in den dynamischen US-Markt oder in wachstumsstarke Schwellenländer lenkten. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden: Immer mehr institutionelle Investoren richten ihren Blick erneut auf Europa – und passen ihre Asset-Allokation entsprechend an.
Ein Beispiel dafür ist Pictet Asset Management, deren Strategy Unit kürzlich die Gewichtung europäischer Aktien angehoben hat. Die Entscheidung ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer wachsenden Zuversicht in den europäischen Markt. Doch worauf stützt sich dieser Strategiewechsel – und welche Argumente sprechen aktuell für eine Übergewichtung Europas im globalen Portfolio?
Gewinnstarke Unternehmen in einem stabileren Umfeld
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Einer der zentralen Gründe für das neue Interesse an europäischen Aktien ist die Renditestärke vieler Unternehmen auf dem Kontinent.
Nach Jahren der Unsicherheit zeigen sich zahlreiche Konzerne – von Industrie bis Konsumgüter – robust, innovativ und profitabel.
Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Kostenstrukturen optimiert,
ihre Geschäftsmodelle internationalisiert und sich in wachstumsstarken Nischen positioniert.
Besonders auffällig ist: Zahlreiche europäische Unternehmen melden starke Gewinnzahlen – und das nicht nur als einmalige Erholung nach der Pandemie, sondern als Zeichen eines strukturellen Wandels.
Branchen wie Luxusgüter, Automobilzulieferung, grüne Technologien oder Gesundheit stehen beispielhaft für diese Entwicklung.
Zudem hat sich das wirtschaftliche Umfeld stabilisiert.
Die Energiekrise scheint überstanden, Lieferketten normalisieren sich, und die Inflation geht zurück – was sowohl Konsum als auch Unternehmensinvestitionen beflügelt.
Attraktive Bewertungen im internationalen Vergleich
Ein weiteres Argument für die Reallokation zugunsten Europas liegt in der Bewertung der Aktienmärkte. Während US-Aktien – insbesondere im Tech-Segment – mittlerweile mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt werden, gelten europäische Werte als vergleichsweise günstig bewertet.
Für Investoren, die nach attraktiven Einstiegsmöglichkeiten suchen, bietet Europa damit nicht nur substanzielles Ertragspotenzial, sondern auch einen gewissen Schutz vor überzogenen Erwartungen. Die Kombination aus niedrigerer Bewertung und steigenden Gewinnen wirkt überzeugend – zumal viele europäische Unternehmen über solide Dividendenrenditen verfügen.
Besonders für value-orientierte Investoren kann Europa in dieser Phase interessanter sein als die USA, wo Wachstumstitel in vielen Portfolios bereits stark gewichtet sind.
Makroökonomische Stabilisierung und Reformimpulse
Ob als Beimischung oder strategischer Schwerpunkt: Die europäische Aktienlandschaft zeigt, dass sie mehr ist als ein Nebenschauplatz der Weltwirtschaft. Für viele Marktteilnehmer ist sie inzwischen wieder ein Kernbaustein moderner, ausgewogener Portfolios."
Neben der Unternehmensseite spielt auch das makroökonomische Umfeld eine zunehmend positive Rolle. In vielen europäischen Ländern zeichnet sich eine konjunkturelle Erholung ab, getragen von steigender Inlandsnachfrage, fiskalpolitischen Impulsen und einem insgesamt robusteren Arbeitsmarkt.
Hinzu kommen strukturelle Reformen in wichtigen Volkswirtschaften – etwa Frankreichs Arbeitsmarktmodernisierung, Investitionen in Digitalisierung und Energieinfrastruktur sowie die Umsetzung des EU-Wiederaufbauprogramms („Next Generation EU“).
- Die Eurozone als Ganzes zeigt eine höhere fiskalische Koordination.
- Der grüne Umbau der Industrie könnte Europa zum Vorreiter machen.
- Auch geopolitisch wird Europa als eigenständiger Akteur stärker wahrgenommen.
Diese Faktoren führen dazu, dass der europäische Markt nicht mehr nur als „anhängsel“ der globalen Konjunktur betrachtet wird, sondern wieder eigenständig an Bedeutung gewinnt.
Strategische Allokation: Europa nicht länger untergewichtet
Für lange Zeit war es fast schon Standard, europäische Aktien im globalen Portfolio unterzugewichten. Besonders in den Jahren nach der Eurokrise setzten viele Großinvestoren lieber auf US-Aktienmärkte mit höherem Wachstum und mehr Dynamik.
Nun aber wird diese Haltung zunehmend überdacht. Asset Manager wie Pictet oder auch andere globale Häuser, darunter Amundi, BlackRock oder Allianz Global Investors, erkennen neue Chancen im europäischen Aktienuniversum.
Dazu gehören unter anderem:
- Stabile Margen und hohe Cashflows europäischer Qualitätsunternehmen
- Wachstumspotenziale durch den Green Deal und Digitalisierung
- Niedrigere geopolitische Abhängigkeit im Vergleich zu asiatischen Märkten
Zudem haben viele europäische Unternehmen globale Umsatzquellen, sodass sich eine Investition in Europa nicht auf Europa beschränkt, sondern global gestreut ist – bei gleichzeitig attraktiverer Bewertung.
Fazit: Europa rückt wieder ins Zentrum der Kapitalmärkte
Die Entscheidung, europäische Aktien in der Asset-Allokation zu übergewichten, ist kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck einer strategischen Neubewertung. Die Kombination aus attraktiven Bewertungen, robustem Gewinnwachstum, politischer Stabilisierung und zukunftsorientierten Branchen macht Europa wieder zu einem ernstzunehmenden Investitionsziel.
Für Investoren, die global diversifizieren und nicht nur auf die großen US-Tech-Titel setzen wollen, eröffnet sich mit europäischen Aktien ein breites Spektrum an Chancen – bei überschaubarem Risiko und guter Fundamentaldatenlage.

Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt