Mehr Diversifikation Gleichgewichtete Indizes
Mehr Diversifikation oder neue Risiken?
Gleichgewichtete Indizes gelten als Gegenentwurf zur klassischen Marktkapitalisierung. Statt große Unternehmen automatisch höher zu gewichten, erhalten alle Indexmitglieder den gleichen Anteil. Befürworter sehen darin mehr Diversifikation und weniger Klumpenrisiken. Kritiker verweisen auf höhere Umschichtungen und neue Risikofaktoren. Die zentrale Frage lautet daher: Verbessert Gleichgewichtung tatsächlich die Portfoliostruktur – oder verschiebt sie Risiken lediglich?
Während marktgewichtete Indizes wie der MSCI World die aktuelle Marktmeinung abbilden, greifen gleichgewichtete Varianten bewusst in diese Logik ein. Sie korrigieren Konzentrationen aktiv, ohne Einzeltitelauswahl vorzunehmen. Damit entsteht ein regelbasierter, aber nicht neutraler Ansatz.
Was Gleichgewichtung strukturell verändert
In einem gleichgewichteten Index erhält jedes Unternehmen denselben Anteil, unabhängig von Börsenwert oder Kursentwicklung. Steigen einzelne Titel stark, werden sie regelmäßig zurückgesetzt. Schwächere Titel werden aufgestockt. Diese Mechanik hat klare Folgen:
- Reduzierte Konzentration: Große Indexschwergewichte verlieren Dominanz.
- Höherer Mittelstandsanteil: Kleine und mittlere Unternehmen gewinnen an Gewicht.
- Antizyklischer Effekt: Gewinner werden verkauft, Verlierer nachgekauft.
Gleichgewichtung wirkt damit wie ein systematisches Rebalancing innerhalb des Index.
Der Diversifikationsvorteil – wo er entsteht
box
Tatsächlich sinkt die Abhängigkeit von wenigen Mega-Unternehmen. In marktgewichteten Indizes können einzelne Konzerne zweistellige Prozentanteile erreichen. Gleichgewichtete Indizes verhindern das strukturell. Dadurch verteilt sich das Risiko breiter über Unternehmen und Branchen.
Hinzu kommt ein Stil-Effekt. Gleichgewichtete Indizes tendieren stärker in Richtung Value- und Nebenwertestrukturen. Sie profitieren in Phasen, in denen breite Marktsegmente besser laufen als einzelne Wachstumsriesen. Historisch führte das in bestimmten Marktphasen zu höherer Rendite.
Dieser Vorteil ist jedoch zyklisch. Er hängt stark vom Marktumfeld ab.
Die Kehrseite: Kosten, Umschichtung, Liquidität
Der Diversifikation stehen reale Nachteile gegenüber. Gleichgewichtung erfordert regelmäßige Anpassungen. Gewinner müssen reduziert, Verlierer aufgestockt werden. Das führt zu höheren Umschichtungen als bei marktgewichteten Indizes.
Daraus ergeben sich mehrere Risiken:
- Höhere Transaktionskosten: Häufigere Trades belasten die Rendite.
- Liquiditätsrisiken: Kleinere Titel sind schwerer handelbar, besonders in Stressphasen.
- Tracking-Differenzen: Abweichungen vom Gesamtmarkt können erheblich sein.
Gleichgewichtete Indizes sind damit aktiver, als ihr regelbasierter Charakter vermuten lässt.
Marktphasen entscheiden über Erfolg oder Misserfolg
Gleichgewichtete Indizes können sinnvoll sein, wenn gezielt Konzentrationen reduziert werden sollen. Sie eignen sich als sinnvolle Ergänzung, nicht als grundsätzlicher Ersatz."
Die Performance gleichgewichteter Indizes schwankt stark relativ zu klassischen Benchmarks. In Phasen breiter Marktgewinne und steigender Nebenwerte schneiden sie oft besser ab. In stark trendgetriebenen Märkten, in denen wenige Großkonzerne dominieren, bleiben sie zurück.
Das macht ihre Einordnung anspruchsvoll. Gleichgewichtung ist kein allgemeines Upgrade, sondern eine bewusste Stilentscheidung. Sie ersetzt nicht die Marktkapitalisierung, sondern stellt ihr eine Alternative gegenüber.
Für Anleger bedeutet das: Gleichgewichtete Indizes verhalten sich anders. Sie liefern keine marktneutrale Abbildung, sondern eine systematische Abweichung.
Einordnung für die Portfoliostrategie
Gleichgewichtete Indizes können sinnvoll sein, wenn gezielt Konzentrationen reduziert werden sollen. Sie eignen sich nicht als Standardersatz, sondern als sinnvolle Ergänzung. Wer sie einsetzt, sollte sich der impliziten Wetten bewusst sein: mehr Nebenwerte, mehr Umschichtung, mehr Abweichung vom Markt. Ein empirischer Beleg, dass Gleichgewichtung gegenüber Marktkapitalisierung einen langfristigen Mehrwert bietet, existiert nicht. Beide Ansätze "liefern" in unterschiedlichen Marktzyklen.
Ein sinnvoller Ansatz liegt in der Kombination beide Stile. Marktgewichtete Indizes liefern Effizienz und Kostenkontrolle. Gleichgewichtete Varianten können gezielt Diversifikationseffekte hinzufügen. Entscheidend ist die bewusste Gewichtung beider Ansätze.
Fazit
Gleichgewichtete Indizes bieten tatsächlich mehr Diversifikation, erzeugen aber neue Risiken. Sie reduzieren Klumpen, erhöhen jedoch Umschichtungen, Kosten und Abweichungen vom Gesamtmarkt. Ihr Nutzen hängt stark vom Marktumfeld ab. Als gezielte Ergänzung sind sie sinnvoll. Als pauschaler Ersatz marktgewichteter Indizes bleiben sie eine Stilentscheidung – nicht die überlegene Standardlösung.
Maßgeschneiderte Anlagelösungen mit zuverlässigem Risikomanagement. Dabei stets transparent, ehrlich & fair.











