Nachhaltige Geldanlagen spielen in der Beratungspraxis derzeit nur noch eine begrenzte Rolle

Reform macht Hoffnung Nachhaltige Anlageberatung kaum gefragt

Weniger Kundennachfrage, viel Regulierung und neue EU-Kategorien als mögliche Chance für verständlichere Produkte.

Nachhaltige Geldanlagen spielen in der Beratungspraxis derzeit nur noch eine begrenzte Rolle. Das zeigt eine gemeinsame Umfrage von AfW, Forum Nachhaltige Geldanlagen und der Universität Kassel. Das Thema ist damit nicht verschwunden, hat aber im Kundengespräch deutlich an Zugkraft verloren. Viele Berater erleben Nachhaltigkeit eher als zusätzliche Abfrage denn als echten Impuls für eine Anlageentscheidung.

Das Interesse bleibt hinter den Erwartungen zurück

Die Entwicklung ist deshalb bemerkenswert, weil nachhaltige Geldanlagen in den vergangenen Jahren stark durch Regulierung und öffentliche Debatten gestützt wurden. In der Praxis ist daraus aber offenbar keine stabile Nachfragedynamik entstanden.

Schon beim Start der Untersuchung wurde darauf hingewiesen, dass das Interesse vieler Kundinnen und Kunden deutlich schwächer ausfällt als lange erwartet. Gleichzeitig empfinden viele Vermittler die bestehenden Vorgaben als komplex und schwer vermittelbar.

Für die Beratung ist das ein echtes Problem. Ein Thema, das erklärungsbedürftig ist, aber beim Kunden keine klare Nachfrage auslöst, verliert im Gespräch leicht an Gewicht. Nachhaltigkeit bleibt dann zwar auf dem Tisch, wird aber nicht mehr zum Schwerpunkt.

Die Regulierung bremst und könnte zugleich helfen

Genau hier setzt die Hoffnung auf die Reform der SFDR an, also der europäischen Offenlegungsverordnung. Die EU-Kommission hat im November 2025 vorgeschlagen, das System zu überarbeiten und stärker mit klaren Produktkategorien zu arbeiten. Ziel ist mehr Verständlichkeit und eine bessere Einordnung nachhaltigkeitsbezogener Finanzprodukte.

Aus Sicht vieler Berater liegt darin eine Chance. Laut Umfrage wird die Regulierung nicht nur als Belastung gesehen. Ein Teil der Befragten verbindet mit der Reform auch die Erwartung, dass nachhaltige Geldanlagen im Beratungsgespräch wieder greifbarer werden könnten. Besonders positiv werden die vorgeschlagenen Kategorien „Nachhaltigkeit“ und „ESG Grundlagen“ gesehen. Sie wirken aus Sicht vieler Befragter klarer und leichter vermittelbar.

Weniger Zustimmung erhält die Kategorie „Übergang“. Das ist interessant, weil gerade sie in der Fachdiskussion als wichtig gilt. Sie soll Investitionen in Unternehmen erfassen, die noch nicht nachhaltig aufgestellt sind, sich aber glaubwürdig in diese Richtung entwickeln. Gerade für die wirtschaftliche Transformation wäre diese Kategorie deshalb bedeutsam.

Mehr Verständlichkeit, aber noch kein Vertrauensgewinn

Nachhaltige Geldanlagen leiden in der Beratung derzeit weniger an Ablehnung als an mangelnder Klarheit. Das Thema ist nicht bedeutungslos geworden, aber es ist für viele Gespräche zu kompliziert und zu wenig eindeutig. Genau darin liegt die Chance der Reform der Offenlegungsverordnung."

Die Umfrage deutet auf ein gemischtes Bild. Viele Befragte erwarten, dass nachhaltige Geldanlagen durch die neuen Kategorien verständlicher werden. Bei der Vergleichbarkeit fällt das Urteil schon vorsichtiger aus. Beim Vertrauen zeigen sich viele sogar eher skeptisch.

Für die Praxis lässt sich das gut nachvollziehen. Neue Begriffe allein schaffen noch kein Vertrauen. Entscheidend ist, ob Produkte dadurch wirklich klarer beschrieben und besser voneinander abgegrenzt werden.

Besonders wichtig sind aus Beratungssicht diese Punkte:

  • Produkte müssen verständlicher erklärt werden können
  • Kategorien müssen im Kundengespräch sofort greifbar sein
  • Vergleichbarkeit darf nicht nur formal besser wirken
  • Vertrauen entsteht erst durch Klarheit und Nachvollziehbarkeit

Der eigentliche Prüfstein liegt im Kundengespräch

Für Berater zählt am Ende weniger die politische Absicht als die Alltagstauglichkeit. Wenn Nachhaltigkeit weiterhin als schwer verständliches Zusatzthema wahrgenommen wird, bleibt die Nachfrage begrenzt. Wenn die neuen Kategorien aber dabei helfen, Produkte klarer zu beschreiben, könnte das Thema wieder an Relevanz gewinnen.

Dabei bleibt ein Punkt zentral:

  • verständliche Begriffe erleichtern Beratung
  • komplizierte Produktlogik schwächt Nachfrage
  • Transformationsprodukte brauchen besonders gute Erklärung
  • neue Regeln helfen nur, wenn sie im Alltag wirklich einfacher sind

Fazit

Die AfW-Umfrage zeigt vor allem eines: Nachhaltige Geldanlagen leiden in der Beratung derzeit weniger an Ablehnung als an mangelnder Klarheit. Das Thema ist nicht bedeutungslos geworden, aber es ist für viele Gespräche zu kompliziert und zu wenig eindeutig. Genau darin liegt die Chance der Reform der Offenlegungsverordnung.

Ob daraus aber tatsächlich neue Nachfrage entsteht, ist noch offen. Verständlichere Produktkategorien können helfen, sie ersetzen jedoch nicht automatisch Vertrauen. Für die Praxis wird entscheidend sein, ob Berater nachhaltige Produkte künftig einfacher erklären und Kunden sie besser einordnen können. Erst dann wird aus regulatorischer Hoffnung wieder ein greifbares Beratungsthema.

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