Weiterer Asset Manager plant ETF Rüstungsboom an der Börse
Was lange Zeit als Tabu in der Welt der Finanzprodukte galt, wird nun zur neuen Realität an den Kapitalmärkten: Rüstungsunternehmen rücken in das Visier von ETF-Anbietern – und damit von Anlegern weltweit.
Nach dem überraschenden Erfolg des vor Kurzem aufgelegten "Europe Defence"-ETFs von WisdomTree plant nun auch der Londoner Vermögensverwalter HANetf einen eigenen börsengehandelten Fonds mit Fokus auf die europäische Verteidigungsindustrie.
Die Nachfrage kommt nicht von ungefähr. Inmitten globaler geopolitischer Spannungen, wachsender Rüstungsbudgets in Europa und einem öffentlichen Stimmungswandel in sicherheitspolitischen Fragen wird der Sektor für viele Investoren nicht nur gesellschaftlich legitimierter, sondern auch wirtschaftlich attraktiver.
Vom Nischenmarkt zur milliardenschweren Anlageklasse
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Noch vor wenigen Jahren galt das Investieren in Rüstungsunternehmen als moralisch heikel – insbesondere in Europa.
Nachhaltigkeitsfonds schlossen die Branche kategorisch aus, institutionelle Anleger hielten sich zurück, und auch private Investoren scheuten das Thema.
Doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Verteidigung gilt plötzlich nicht mehr als Ausdruck von Militarismus, sondern als notwendige Säule europäischer Stabilität und Souveränität.
Entsprechend steigen die Ausgaben – und mit ihnen das Interesse der Finanzmärkte.
Der Europe Defence ETF von WisdomTree, erst vor weniger als drei Wochen gestartet, hat bereits über 400 Millionen Euro eingesammelt – ein seltener Erfolg für einen so spezialisierten Sektor-ETF in so kurzer Zeit.
Diese Dynamik hat nun auch den Konkurrenten HANetf auf den Plan gerufen, der mit einem eigenen Produkt nachlegen will.
HANetf: Der nächste Player im Rüstungs-ETF-Markt
Der Londoner Anbieter HANetf, bekannt für thematische ETFs in Nischenmärkten, sieht offenbar erhebliches Potenzial in einem Produkt, das gezielt auf europäische Rüstungskonzerne, Zulieferer und Verteidigungstechnologieunternehmen setzt. Zwar sind Details zum geplanten Fonds noch nicht offiziell veröffentlicht, doch es wird erwartet, dass sich die Struktur an den Erfolgsfaktoren des WisdomTree-Vorbilds orientiert:
- Konzentration auf Unternehmen mit Hauptsitz in der EU, Großbritannien oder Norwegen.
- Fokus auf Firmen, die einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit militärischer Ausrüstung, Cyberabwehr oder Rüstungstechnologie erzielen.
- Auswahlkriterien, die auf Wachstumschancen und strategischer Relevanz beruhen, nicht auf ESG-Ratings.
HANetf könnte mit dem eigenen ETF nicht nur auf den anhaltenden Nachfrageboom reagieren, sondern auch mit einem differenzierten Ansatz versuchen, neue Anlegersegmente zu erschließen – etwa durch breitere Diversifikation, kostengünstigere Gebührenstruktur oder stärkere Betonung technologischer Komponenten.
Rüstungsindustrie als Investmentthema der Zukunft?
Für ETF-Anbieter öffnet sich damit ein lukrativer Markt. Für Investoren stellt sich die Herausforderung, wirtschaftliche Chancen mit ethischen Überzeugungen zu vereinbaren. Und für die europäische Industrie könnte der Zufluss an Kapital zu einem entscheidenden Modernisierungsschub führen – in einer Zeit, in der Sicherheit mehr denn je zur Grundvoraussetzung von Freiheit wird. Die Frage ist längst nicht mehr, ob in Rüstung investiert wird. Sondern wie, wo und mit welchen Konsequenzen."
Die Nachfrage nach ETFs auf Verteidigungsunternehmen ist kein kurzfristiger Trend. Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass sich hier eine dauerhafte Verschiebung im Anlegerverhalten vollzieht. Denn die Rahmenbedingungen haben sich fundamental verändert:
- Die NATO-Staaten haben sich zu deutlich höheren Verteidigungsausgaben verpflichtet.
- Länder wie Deutschland, Frankreich, Polen und Finnland investieren Milliarden in die Modernisierung ihrer Streitkräfte.
- Die öffentliche Debatte über Sicherheitspolitik ist realistischer und pragmatischer geworden.
- Technologische Entwicklungen wie Cyberabwehr, Drohnenkrieg oder Satellitenkommunikation machen Rüstung zu einem hochinnovativen Sektor.
Für Investoren bedeutet das: Die Rüstungsbranche ist nicht mehr nur von politischer Konjunktur abhängig, sondern wird zunehmend als eigenständige Wachstumsindustrie gesehen – vergleichbar mit Energie, Gesundheitswesen oder Informationstechnologie.
Moralische Grauzone oder notwendiger Realismus?
Trotz der ökonomischen Argumente bleibt das Thema ethisch umstritten. Viele Anleger fragen sich, ob ein Investment in Rüstungsunternehmen mit einem nachhaltigen oder verantwortungsvollen Anlageansatz vereinbar ist.
Doch auch hier zeigt sich ein Wandel: Selbst einige nachhaltige Fonds überdenken ihre Ausschlusskriterien – zumindest wenn es um Unternehmen geht, die an der Verteidigungsfähigkeit demokratischer Staaten beteiligt sind. Der Diskurs verlagert sich: Nicht Rüstung per se steht zur Debatte, sondern die Art ihrer Anwendung und der Kontext ihrer Produktion.
Es stellt sich zunehmend die Frage, ob es verantwortungslos ist, nicht zu investieren, wenn dadurch essenzielle Sicherheitsstrukturen geschwächt werden. Anleger und Anbieter müssen nun ihren eigenen moralischen Kompass finden – zwischen Ethik, Realität und Renditeerwartung.
Fazit: Die Rüstung hält Einzug in die Portfolios
Mit dem Einstieg von HANetf in den Markt für europäische Rüstungs-ETFs scheint klar: Das Thema ist gekommen, um zu bleiben. Die Branche, einst unterinvestiert und politisch sensibel, wird nun zum neuen Spielfeld strategisch orientierter Kapitalanleger.

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