Risse in der Beziehung Vermögende und Kunst
Der Kunstmarkt leidet nicht an fehlendem Vermögen, sondern an veränderten Prioritäten.
Das Vermögen sehr wohlhabender Haushalte wächst. Der Kunstmarkt dagegen verliert an Dynamik. Diese Entwicklung ist mehr als eine konjunkturelle Delle. Sie deutet auf eine strukturelle Verschiebung hin, die das Verhältnis zwischen Vermögen und Kunst grundlegend verändert. Ultra-High-Net-Worth Individuals (UHNWI) konnten ihre Vermögen zwischen 2022 und 2024 deutlich steigern. Analysten von Deloitte schätzen den Zuwachs auf rund 18 Prozent. Historisch betrachtet ging ein solcher Vermögensanstieg meist mit wachsender Nachfrage nach Kunst einher. Kunst galt als Statussymbol, Diversifikationsbaustein und kulturelles Kapital. Diese Kopplung scheint sich zu lösen.
Ein Markt ohne Rückenwind
box
Trotz wachsender Vermögen schrumpft der globale Kunstmarkt.
Der Art Market Report von Art Basel und UBS weist für 2024 einen Rückgang um rund zwölf Prozent aus.
Bereits 2023 war schwach verlaufen. Auch aktuell setzt sich der Trend fort.
Zahlen von Art Tactic zeigen für das erste Halbjahr 2025 einen Rückgang der Auktionsumsätze um etwa sechs Prozent.
Auffällig ist, dass es sich nicht nur um ein Preis- oder Auktionsproblem handelt.
Das Interesse selbst verändert sich.
Hochpreisige Segmente sind weniger liquide, mittlere Preislagen verlieren Käufer, und neue Sammler bleiben zurückhaltend.
Sinkende Kunstallokation in Vermögensportfolios
Deloitte hat diese Entwicklung in seinem aktuellen Kunstreport analysiert. Die Ergebnisse deuten auf einen klaren Strategiewechsel hin. Die durchschnittliche Kunstallokation in den Portfolios der UHNWI sinkt deutlich. Lag sie 2023 noch bei 13,4 Prozent, werden für 2025 nur noch 8,8 Prozent ausgewiesen.
Besonders aussagekräftig ist die Verteilung:
- Rund 40 Prozent der Befragten halten Kunst nur noch in moderatem Umfang.
- Typische Allokationen liegen zwischen drei und fünf Prozent.
Parallel dazu verliert Kunst auch in der Vermögensberatung an Bedeutung. Der Anteil der Wealth Manager, die Kunst aktiv als Portfoliobaustein anbieten, sinkt von 63 Prozent im Jahr 2023 auf 51 Prozent im Jahr 2025.
Kunst wird damit seltener als strategische Anlage betrachtet. Sie rutscht in vielen Fällen in die Kategorie persönlicher Leidenschaft ohne klaren Portfoliobezug.
Die Rolle der jungen Sammlergeneration
Für viele Wohlhabende hat Kunst an strategischer Bedeutung verloren."
Ein zentraler Faktor ist die wachsende Unzufriedenheit jüngerer vermögender Sammler. Viele kritisieren Intransparenz bei Preisen, Zugangsbeschränkungen im Primärmarkt und die starke Abhängigkeit von Netzwerken. Hinzu kommen hohe Nebenkosten, komplexe Logistik und rechtliche Unsicherheiten.
Jüngere Vermögende vergleichen Kunst zunehmend mit alternativen Anlageformen. Digitale Assets, Private Markets oder Impact-Investments erscheinen strukturierter, messbarer und besser steuerbar. Kunst wirkt im Vergleich schwerfällig und wenig anschlussfähig an moderne Vermögenslogik.
Philanthropie bleibt Randthema
Auch die öffentliche Dimension der Kunst verliert an Gewicht. Der Anteil philanthropischer UHNWI, die Museen oder öffentliche Sammlungen unterstützen wollen, liegt laut Deloitte seit Jahren bei nur rund sechs Prozent. Kunst wird seltener als gesellschaftliche Aufgabe verstanden, sondern stärker als privates Gut.
Damit geht ein weiterer stabilisierender Faktor verloren. Öffentliche Institutionen profitierten lange von privaten Sammlern als Leihgeber, Förderer und Mäzene. Diese Rolle wird vorsichtiger wahrgenommen.
Fazit
Der Kunstmarkt leidet nicht an fehlendem Vermögen, sondern an veränderten Prioritäten. Für viele Wohlhabende hat Kunst an strategischer Bedeutung verloren. Sinkende Allokationen, zurückhaltende Berater und eine skeptische junge Sammlergeneration verstärken diesen Trend. Wenn sich Transparenz, Zugang und Marktstrukturen nicht weiterentwickeln, droht eine dauerhafte Entkoppelung von wachsendem Vermögen und stagnierendem Kunstmarkt.
fair, ehrlich, authentisch - die Grundlage für das Wohl aller Beteiligten











